1. BuzzFeed.at
  2. News

Die erste Supermarktkette in Österreich testet die Vier-Tage-Woche

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sophie Marie Unger

Kommentare

Lidl Österreich - „Great Place to Work“ Foto
Lidl Österreich führt für einen Teil seiner Mitarbeitenden die Vier-Tage-Woche ein. © Lidl Österreich/APA Picturedesk

Der Handel hat 2019 als erste Branche die Vier-Tage-Woche in den Kollektivvertrag geschrieben. Drei Jahre später traut sich die erste Supermarktkette an die Umsetzung.

Rund 400.000 Handelsmitarbeitende haben seit 2019 ein Recht auf die Vier-Tage-Woche. Zahlreiche Arbeitgeber:innen sträubten sich jedoch bislang, sie in den Unternehmen und Betrieben flächendeckend umzusetzen. Lidl Österreich kündigte im neuen Geschäftsbericht nun an, dass eine verkürzte Arbeitswoche für einige Mitarbeiter:innen bereits im laufenden Jahr eingeführt werden soll. Damit wäre Lidl die erste Supermarktkette in Österreich, die der kollektivvertraglichen Regelung nachkommt. Doch es gibt einen Haken.

Wie sieht das Lidl-Modell genau aus?

Konkret geht es darum, dass Mitarbeiter:innen ihre Regelarbeitszeit von 38,5 Stunden in einer verkürzten Arbeitswoche ableisten können. In einem Statement beschreibt der Discounter die Veränderung wie folgt: „Als verantwortungsvoller Arbeitgeber bieten wir sehr viel, um die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu bekommen. Die Liste unserer Incentives [red. Anreize für Mitarbeiter:innen] ist lang – von Teil- und Gleitzeitmodellen über Sabbaticals bis hin zu Teamevents und betrieblicher Gesundheitsvorsorge. 2022 werden wir unser Angebot erweitern und weiter verbessern. Neben Jobsicherheit und einer fairen Entlohnung wird auch der Wunsch nach flexiblen Arbeitsmodellen immer größer.“

Das Modell gilt aber nur für „ausgewählte“ Personen

Der Haken: Nicht jede:r Mitarbeiter:in kann vom Vier-Tage-Modell Gebrauch machen. Vorgesehen sei es für „ausgewählte Mitarbeitende“. Wer die glücklichen „Auserwählten“ nun sein sollen und welche Kriterien dafür vorgesehen sind, ist nicht klar. Naheliegend ist, dass Büro-Angestellte das Angebot in Anspruch nehmen könnten. Denn auch von anderen Lebensmittelgeschäften kam zuvor Sorge hinsichtlich Filial-Mitarbeiter:innen auf: Die Vier-Tage-Woche gefährdet die „Einhaltung von Betriebsabläufen” oder die „Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs” hieß es bereits des Öfteren.

Sechste Urlaubswoche für Büro-Angestellte

Als weiteres Zugeständnis einigte sich die Lidl-Führungsebene auf die sechste Urlaubswoche für Büro-Mitarbeitende. Damit zieht sie mit den deutschen Mitarbeitenden gleich, die schon seit Jahren über sechs Wochen Urlaubsanspruch verfügen. Schauen die Beschäftigten in den Filialen nun komplett durch die Finger? Nicht ganz. Für sie hat Lidl mit Wirkung vom 1. März 2022 das Mindestgehalt auf 2090 Euro für eine Vollzeitbeschäftigung erhöht.

Will man in Österreich überhaupt eine Vier-Tage-Woche?

In einer Umfrage von Unique Research für die Tageszeitung „Heute“ sprachen sich 2020 mehr Österreicher:innen für die Einführung der 4-Tage-Woche aus, als dagegen. Befragt wurden rund 800 Menschen. 46 Prozent der Befragten waren dafür, 45 Prozent dagegen, 9 Prozent waren unentschlossen. Vor allem die Anhänger:innen der ÖVP sind mehrheitlich gegen die Reduktion der Arbeitswoche.

Auch interessant

Kommentare