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„Rassistische Traditionen dulden wir bestimmt nicht“: Black Community kritisiert neues Mohrenbräu-Logo

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Von: Johannes Pressler

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Fotomontage: Links im Porträt Ndona-Adjanie Kamucote, rechts im Porträt Emmeraude Banda.
Ndona-Adjanie Kamucote (links) und Emmeraude Banda kritisieren das neue Mohrenbräu-Logo. © Björn B./Minitta Kandlbauer/BuzzFeed Austria

Nach Rassismus-Vorwürfen hat die Mohrenbrauerei ihr neues Logo präsentiert. Die österreichische Black Community zeigt sich empört.

Viel wurde in den letzten Tagen diskutiert über den neuen Markenauftritt der Mohrenbrauerei. Um einen Unterschied zwischen dem alten und neuen Logo zu erkennen, muss man nämlich schon ganz genau hinschauen. Obwohl es laut der Geschäftsführung der Vorarlberger Biermarke weder bei der Gründung im 18. Jahrhundert von Josef Mohr noch heute ein rassistisches Motiv gegeben hätte, stand das Unternehmen speziell seit den „Black Lives Matter“-Demonstrationen im Sommer 2020 stark in der Kritik. BuzzFeed Austria hat darüber ausführlich berichtet.

Laut der Mohrenbrauerei in Dornbirn habe man im Zuge des Markenprozesses auch Kund:innen befragt und viele Expert:innen eingebunden. In der Berichterstattung der letzten Tage wurden mit jenen, die es direkt betrifft, jedoch kaum gesprochen. BuzzFeed Austria hat drei People of Color gefragt, was ihre Meinung zum neuen Mohrenbräu-Logo ist.

„Enttäuscht und fühlen uns veräppelt“

Emmeraude Banda ist Sprecher des Black Voices Volksbegehrens, dem ersten österreichischen Anti-Rassismus-Volksbegehren überhaupt. BuzzFeed Austria hat mit dem 22-Jährigen, der in Wien studiert, bereits über die Bedeutung des Black History Month gesprochen. Vom neuen Mohrenbräu-Logo ist Banda überhaupt nicht begeistert:

Ich und viele andere sind enttäuscht und fühlen uns veräppelt. Wenn man zwei Mal hinschauen muss, ob es wirklich ein neues Logo ist oder nicht, kann nur von einem Fehlschlag des neuen Markenauftritts gesprochen werden. Das Logo in Kombination mit dem Firmennamen reproduziert noch immer rassistische Gesellschaftsstrukturen. Rassistische Traditionen dulden wir bestimmt nicht! Deshalb muss weitergekämpft werden.

Emmeraude Banda, Black Voices Volksbegehren
Porträt von Emmeraude Banda.
Emmeraude Banda ist Sprecher des Black Voices Volksbegehrens. © Minitta Kandlbauer

„Ich finde das eine absolute Frechheit“

Ndona-Adjanie Kamucote lebt in Graz und arbeitet als Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin. Zudem fungiert die 28-Jährige als Antirassismus-Trainerin und macht eine Ausbildung zur Mentaltrainerin. Gegenüber BuzzFeed Austria kritisiert Kamucote insbesondere eine bestimmte Aussage der Mohrenbräu-Geschäftsführung:

Ich finde das eine absolute Frechheit! Die ‚überarbeiten‘ das rassistische Logo zwei Jahre lang und dann kommt das heraus? Das zeigt einfach nur, dass sie genau gar nichts verstanden haben und uns als Community und unsere Aufforderungen nicht ernst nehmen. Vor allem mit dem Slogan: ‘Aus kolonial wird neutral.’ Wer hat euch bitte gesagt, dass das neue Logo neutral ist? Genau da wären wir nämlich wieder … beim Kolonialismus. Über die Namensänderung brauchen wir auch nicht reden, denn die ist genauso ein Scherz. Wenn es wirklich auf den Gründer Josef Mohr zurückgeht, verstehe ich bei aller Liebe nicht, weshalb dann nicht sein Kopf abgebildet wurde. Bedenklich sind auch die Aussagen des Geschäftsführers: ‘Den einen ist’s zu viel, den anderen zu wenig.’ Wen meint er hier mit ‘den einen’ und ‘den anderen’?

Ndona-Adjanie Kamucote, unter anderem Sozialarbeiterin und Antirassismus-Trainerin
Ndona-Adjanie Kamucote im Porträt.
Ndona-Adjanie Kamucote arbeitet als Sozialarbeiterin, Sozialpädagogin, Antirassismus-Trainerin und macht die Ausbildung zur Mentaltrainerin. © Björn B.

„Das Bier müsste boykottiert werden“

Jessica Kandé ist Executive Assistant und Projektmanagerin. Ginge es nach der 32-Jährigen, müsse man den Druck auf die Mohrenbrauerei erhöhen, wie sie gegenüber BuzzFeed Austria sagt:

Das Bier müsste boykottiert und auch nicht im Einzelhandel platziert werden. Nur so werden sie genügend Druck verspüren, auf den Lockenkopf und den Namen zu verzichten. Es ist ziemlich eigenartig, im Jahr 2022 nicht erkennen zu wollen, dass hier richtige Veränderung nötig ist.

Jessica Kandé, Executive Assistant und Projektmanagerin

Ein weiterer Fall, der im Jänner für Aufregung sorgte, war die Aussage von ÖVP-Generalsekretärin Laura Sachslehner zum Thema Blackfacing. Warum diese so problematisch ist, darüber hat BuzzFeed Austria mit Noomi Anyanwu vom Black Voices Volksbegehren gesprochen.

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