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Wegen Wiederbetätigung: Der Neonazi-Rapper „Mr. Bond“ muss 10 Jahre ins Gefängnis

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Von: Christian Kisler

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Der Neonazi-Rapper „Mr. Bond“ am Wiener Landesgericht mit verhülltem Gesicht
Der Neonazi-Rapper „Mr. Bond“ wurde am Wiener Landesgericht wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. © Tobias Steinmaurer/APA/PictureDesk/BuzzFeed Austria

Verharmlosung des Nationalsozialismus und des Holocaust, dazu Gewaltverherrlichung: Der Neonazi-Rapper „Mr. Bond“ ist zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Auch sein jüngerer Bruder muss ins Gefängnis.

Warum sich ein Rapper, der in seinen Machwerken nationalsozialistisches Gedankengut verbreitet, den Holocaust verharmlost und Gewalt verherrlicht, ausgerechnet „Mr. Bond“ nennt, bleibt ein Rätsel. Mit dem eleganten Geheimagenten im Auftrag Ihrer Majestät hat das, was der 37-jährige gebürtige Lienzer so in seinen gerappten „Songs“ von sich gibt, nichts zu tun, rein gar nichts. Am späten Donnerstag (31. März) ist er jedenfalls am Wiener Landesgericht beinahe im vollen Umfang der Anklage schuldig gesprochen und wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Auch seinem 34-jährigen Bruder wurde der Prozess gemacht, er fasste vier Jahre unbedingt aus.

„Mr. Bond“ hatte viele rechtsextreme Fans

„Mr. Bond“ erklärte sich als „vollinhaltlich schuldig“ und gab zu Protokoll: „Ich habe in der U‑Haft erkannt, dass das falsch war. Ich war verblendet und erkenne erst jetzt die Tragweite meines Handelns.“ In Untersuchungshaft sitzt er seit Jänner 2021, damals wurde er in Wien festgenommen. Ausgeforscht wurde er über das Paypal-Konto, über das er die Zahlungseingänge abzuwickeln pflegte. Dass in U-Haft ein großer Läuterungsprozess vor sich gegangen sein soll, ist zumindest fraglich. Immerhin erhielt er Fanpost von Gleichgesinnten, also Rechtsextremen aus aller Welt. Das ging nicht nur so weit, dass in einschlägigen Foren Spenden und Unterstützungserklärungen gesammelt wurden. Gegenüber des Landesgerichts wurde gar eine Fahne mit der Aufschrift „Free Mr. Bond“ gehisst. Auch auf Telegram riefen Neonazis zu Solidaritätsbekundungen mit dem Angeklagten auf.

Nicht zuletzt seiner Beliebtheit in rechtsextremen Kreisen wegen wurde bei der Urteilsverkündung bestätigt, dass die von der Staatsanwaltschaft angenommene „besondere Gefährlichkeit“ von „Mr. Bond“ nicht von der Hand zu weisen sei. Schließlich seien seine Songs im Internet „ein paar hunderttausendmal“ heruntergeladen worden, was gerade junge Zuhörer:innen anspreche und „zur Nachahmung einlade“. Die Strafe von zehn Jahren scheine bei einem Strafmaß bis zu 20 Jahren angemessen. Der Bruder von „Mr. Bond“ war nur teilweise geständig. Er gab zwar zu, Administrator einer rechtsextremen, judenfeindlichen Website gewesen zu sein - schlimm und verwerflich genug allein für sich. Dass er die Musik seines großen Bruders hochgeladen haben sollte, bestritt er allerdings.

„Mr. Bond“ versah bekannte Hits mit rechtsextremen Texten

In einem Land, in dem FPÖ-Politiker freimütig bekennen, Hitlers „Mein Kampf“ gelesen zu haben, ist das alles vielleicht nicht verwunderlich. Die Tragweite ist dennoch beachtlich. „Mr. Bonds“ Masche bestand darin, bekannte Hits umzutexten und zunächst im Netz und später auf fünf CDs zu verbreiten. Vor seinen judenfeindlichen Gewaltfantasien waren weder Rock-Balladen wie „(Everything I Do) I Do It For You” von Bryan Adams noch der Band Aid-Charity-Song „Do They Know It’s Christmas?“ sicher. Neben Menschen jüdischen Glaubens wetterte er auch gegen People auf Color, Mitglieder der LGBTGI+-Community und Muslime, und das laut Anklage in mehreren dutzenden Songs.

„Mr. Bond“ zollte auch dem dem Attentäter von Christchurch in Neuseeland in einem Video Tribut und übersetzte dessen „Manifest ins Deutsche“. Besagter Attentäter, dessen Name aus der kollektiven Erinnerung für alle Zeiten getilgt werden soll, hatte im März 2019 in zwei Moscheen 51 Menschen umgebracht. Umgekehrt dienten die Songs des Neonazi-Rappers anderen zur Motivation und Inspiration. Der rechtsextreme Attentäter von Halle an der Saale in Deutschland hörte einen „Mr. Bond“-Titel, bevor er am 9. Oktober 2019 in eine Synagoge eindringen wollte und danach zwei Menschen in der Nähe tötete. Auch den geplanten Live-Stream vom letztlich glücklicherweise gescheiterten Attentat hatte der Mann mit einem Stück von „Mr. Bond” musikalisch untermalt. Dass „Mr. Bond“ jetzt aus dem Verkehr gezogen wurde, ist schon richtig. Er und sein Bruder erbaten sich nach dem Urteil Bedenkzeit.

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