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Die erste SMS wird als NFT versteigert: Aber was sind NFTs überhaupt?

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Von: Christian Kisler

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Ein Kommunikationsprotokoll sowie der Text der ersten jemals verschickten SMS, „Merry Christmas“
Die erste jemals versendete SMS wird in Form eines Kommunikationsprotokolls versteigert. © Aguttes Auction House

Bald 30 Jahre alt: die erste SMS. Sie soll jetzt für einen guten Zweck versteigert werden. Als NFT. Bleibt nur die Frage: Was ist ein NFT und wie funktioniert das?

Gerade zu Weihnachten und Neujahr geht es immer wieder rund: Unmengen an WhatsApp-, Messenger- und Signal-Nachrichten werden mit mehr oder minder originellem Inhalt verschickt. Dabei ist es gar nicht so lange her, da waren es SMS, die die Runde machten und gerade zu Silvester Schlag Mitternacht regelmäßig zum Zusammenbruch des Mobilfunknetzes führten.

Schon die allererste Kurznachricht hatte einen weihnachtlichen Inhalt, wurden die 15 Zeichen doch am 3. Dezember 1992 verschickt: „Merry Christmas“, lautete die Botschaft, die von Ingenieur Neil Papworth von einem PC aus an Vodafone-Mitarbeiter Richard Jarvis geschickt wurde. Mobiltelefonhersteller:innen konnte man damals noch an einer Hand abzählen.

Ein Handy, mit dem man jemanden erschlagen könnte

Jarvis empfing die Nachricht jedenfalls mit einem Orbitel-TPU-901, einem Gerät, das man wie einen kleinen Aktenkoffer mit sich schleppte und mit dem man im Ernstfall einen Mord begehen hätte können. Der in Krimiserien viel zitierte „stumpfe Gegenstand“, mit dem das jeweilige Opfer erschlagen wurde. Aber wir schweifen ab.

Am 21. Dezember 2021 soll die SMS von Vodafone über das französische Aktionshaus Aguttes versteigert werden, der Erlös kommt dem UNHCR, dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen zugute. Wie eine knapp 30 Jahre alte SMS neue Besitzer:innen finden soll? Als NFT. Hast du bestimmt schon gelesen oder gehört und dich womöglich gefragt: „Was zur Hölle ist bitte ein NFT?“

WTF sind NFT?

Fangen wir von vorne an: NFT ist die Abkürzung für „Non-Fungible Token“, auf Deutsch „nicht austauschbare Wertmarke“. NFTS entsprechen Gütern wie Kunstwerken, Musikstücken oder bestimmten Gegenständen in Computerspielen, nur eben in digitaler Form.

Grundlage dafür ist die Blockchain, auf der auch sämtliche Kryptowährungen wie Bitcoin beruhen. Dabei werden einzelne Infoblöcke, die jeweils Daten über das Objekt enthalten, wie bei einer Kette aneinander gereiht. Außerdem verfügt jeder Block über einen Hashwert sowie über denjenigen des vorigen Blocks.

Sicherheit durch digitale Fingerabdrücke

Moment, was ist jetzt schon wieder ein Hashwert? Ein Hashwert ist vergleichbar mit einem Fingerabdruck, also völlig einzigartig, er kann weder ausgetauscht noch kopiert werden. Aus ihnen setzt sich nun ein digital erstelltes Kunstwerk, ein einmaliges Meme oder eben ein kostbares Objekt in einem Game zusammen. Oder eben, um bei unserem Ausgangspunkt zu bleiben, die Grundlagen für die erste jemals gesendete SMS.

Um es anschaulicher zu machen, ein Beispiel aus der realen Welt: Ein Gemälde wie die „Mona Lisa“ von Leonardo da Vinci oder „Der Kuss“ von Gustav Klimt sind deshalb so wertvoll, weil sie nicht ersetzbar, nicht austauschbar sind. Also „non-fungible, was ja das „N“ und das „F“ von „NFT“ bedeuten. NFTs können folgerichtig gehandelt und gesammelt werden, ganz wie reale Objekte auch. Durch die Blockchain-Technologie wird etwa ein digitales Kunstwerk fälschungs- und manipulationssicher.

Wallets: Die digitalen Geldbörsen

Freilich benötigst du dafür eine Urkunde, um zu klären, wer denn die rechtmäßigen Besitzer:innen sind. Das muss in einem eigenen Vertrag festgehalten werden, der gegebenenfalls auch virtuell unterzeichnet werden kann. Aufbewahrt werden NFTs genau wie Bitcoins und andere Kryptowährungen in digitalen „Wallets“, was ja nichts anderes als „Geldbörse“ bedeutet. Beim Austausch werden die jeweiligen Daten dorthin übertragen.

So wird die weltweit erste SMS als NFT angezeigt

Was jetzt die SMS von 1992 anbelangt, so wird gleich ein ganzes Datenpaket versteigert, wie Vodafone in einer Mitteilung schreibt: „So erhält der Käufer mit dem NFT das exklusive Eigentum an einer detaillierten und einzigartigen Nachbildung des ursprünglichen Kommunikationsprotokolls, das die weltweit erste SMS übermittelt hat. Dieses wird als animierte Videosequenz den technischen Durchbruch vom 3. Dezember 1992 online sowie offline (...) wieder zum Leben erwecken.“

Erwartet werden zwischen 100.000 und 200.000 Euro, du müsstest also eher sehr tief in die Tasche greifen, um erfolgreich mitbieten zu können. Die SMS setzte sich übrigens erst 1999 durch, als man unabhängig vom jeweiligen Netzwerk Nachrichten verschicken konnte. Heute wird sie von WhatsApp, Facebook-Messenger, Signal und Co natürlich weiter zurückgedrängt. Irgendwann wird auch NFT veraltet und Schnee von gestern sein.

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