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Krankenpflege-Studierende sollen während der Omikron-Welle für 737 Euro Brutto aushelfen

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Von: Johannes Pressler

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Eine Betriebsversammlung im Wiener AKH.
Schon bald könnte es in den Wiener Spitälern zu Personalmängel kommen. Jetzt wendet man sich an die Studierenden. © Herbert Neubauer/APA-PictureDesk

Aufgrund drohender Personalausfälle könnten die Studierenden ihre Semesterferien in den Krankenhäusern verbringen.

Das zeigt ein Schreiben des Wiener Gesundheitsverbundes, dem größten Gesundheitsdienstleister Österreichs, der mit der Gesundheitsversorgung der Stadt Wien beauftragt ist. Deswegen findet man auf dem Brief auch das offizielle Stadtwappen der Stadt Wien. Zuerst veröffentlicht wurde das Schreiben von Nina Horaczek von der Wochenzeitung „Der Falter“, der es von Pflegestudierenden weitergeleitet wurde.

Wir haben beim Wiener Gesundheitsverbund nachgefragt

In dem Schreiben wendet sich der Wiener Gesundheitsverbund an die Bachelorstudierenden im Krankenpflege- und Gesundheitsbereich. Als Vorbereitung auf die nächste Coronawelle könnte es in den Wiener Krankenanstalten und Pflegewohnheimen nämlich zu einem Personalmangel kommen. Darum bittet der Wiener Gesundheitsverbund die Studierenden auf freiwilliger Basis und mit Bezahlung in den Semesterferien im Februar auszuhelfen. Das Ganze für einen Lohn von 737 Euro (brutto) für einen ganzen Monat, mit der Gehaltsanpassung für 2022 könnten es ungefähr 756 Euro werden.

Wir haben nachgefragt, was es mit diesem Schreiben auf sich hat und warum die Studierenden dafür nur so wenig Geld bekommen würden. Laut dem Wiener Gesundheitsverbund würde es sich dabei um ein Praktikum handeln, jedoch „unter fachlicher Führung in den Bereichen, in denen aufgrund von Ausfällen Bedarf sein könnte“. Zur geringen Bezahlung heißt es vom Verbund: „Was die Entlohnung betrifft, gibt es im Schema für die Bediensteten der Stadt Wien einen festgelegten Betrag für Praktika während der Ausbildung.“

Der Brief sei an alle Ausbildungseinrichtungen des Wiener Gesundheitsverbundes für Pflege-Studierende sowie Medizin-Studierende der Medizinische Universität Wien geschickt worden. Die Praktikumszeit könne zudem für die im Studium zu machenden Pflicht-Praktika angerechnet werden. Es handle sich laut des Wiener Gesundheitsverbundes übrigens um eine „Präventionsmaßnahme, die derzeit angesichts der Personalsituation noch nicht erforderlich ist“.

„Die Studierenden leisten gerne einen Beitrag“

Am Ende des Briefes bedankt sich der Wiener Gesundheitsverbund für den Einsatz und die Bereitschaft der Studierenden „in einer außergewöhnlichen Situation Außergewöhnliches zu leisten“. Außergewöhnlich sind die Zeiten definitiv, so leiden die Studierenden schon seit mittlerweile Jahren an den psychischen Auswirkungen des Distance-Learnings. Man nehme nur zum Beispiel eine Studierende, die im Herbst 2021 mit ihrem ersten Semester begonnen hat: Nun befindet sie sich bereits im dritten Semester und bis auf ein paar Wochen hatte sie noch nie die Möglichkeit, den Unterricht gemeinsam mit ihren Kolleg:innen in Person zu absolvieren.

Der Wiener Gesundheitsverbund versucht das Positive aus der Sache mitzunehmen, wie er uns sagt: „In den vergangenen Pandemie-Monaten haben wir die Erfahrung gemacht, dass viele Studierende gern die Möglichkeit nutzen, um bei der Bewältigung der COVID-19-Krise einen Beitrag zu leisten und gleichzeitig wertvolle Erfahrung für ihr späteres Berufsleben zu sammeln.“

Wie das die Ausbildungseinrichtungen selbst sehen, wollten wir vom FH Campus Wien selbst hören. Dort wird der Bachelorstudiengang Gesundheits- und Krankenpflege angeboten. Die Fachhochschule wollte uns dazu aber keine Stellungnahme geben. Dasselbe gilt für das Team von Peter Hacker (SPÖ), dem Gesundheitsstadtrat der Stadt Wien. Auch von ihm blieb unsere Anfrage zum Schreiben an die Studierenden bisher unbeantwortet.

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