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Sebastian Kurz hat einen neuen Job: Für seinen neuen Arbeitgeber sind Freiheit und Demokratie nicht vereinbar

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Von: Christian Kisler

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Sebastian Kurz und Peter Thiel, jeweils hinter einem Rednerpult, dazu ein nachdenkliches Emoji.
Sebastian Kurz‘ neuer Arbeitgeber Peter Thiel ist Donald-Trump-Fan und auch sonst nicht ganz unumstritten. © Joe Klamar/Brendan Smialowski/AFP/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Sebastian Kurz übersiedelt in die USA und hat mit Peter Thiel einen neuen Arbeitgeber. Dieser ist als Trump-Fan bekannt und auch sonst nicht unumstritten.

Doch nix mit Jungvaterfreuden: Altkanzler Sebastian Kurz lässt die Rolle des fürsorglichen Papas lieber sein und quert für seinen neuen Job den Atlantik. Er arbeitet künftig in den USA. Nicht weniger als ein großartiger Top-Manager-Posten bei einem ebenso großartigen Unternehmen im Silicon Valley sollte es sein, also dort, wo zahlreiche große Hightech-, IT- und Internetfirmen ihren Hauptsitz haben.

Wo genau, darüber wurde zuletzt noch spekuliert. Jetzt scheint es fix zu sein: Kurz wird als „Global Strategist“ bei der Investmentfirma Thiel Capital anheuern, ließ er „Heute“ und der „Kronenzeitung“ wissen.

Was sich hinter dieser Jobbezeichnung verbirgt, darüber kann nur gemutmaßt werden. Gut bezahlt wird Kurz‘ neue Tätigkeit bestimmt sein. Nicht schlecht für jemanden, der außer einem mäßig erfolgreichem Leben in der Politik lediglich Matura und ein abgebrochenes Jusstudium vorweisen kann.

Peter Thiel und Sebastian Kurz kennen einander seit Jahren

Wie der Name der Investmentfirma verrät, steckt dahinter ein gewisser Peter Thiel, beileibe kein Unbekannter. Wer aber ist dieser Mann, in dessen Diensten Sebastian Kurz ab Februar schon tätig sein wird? Die beiden Herren kennen einander mindestens schon seit 2017, als Kurz ein Bild des dynamischen Duos auf der Münchner Sicherheitskonferenz auf Twitter teilte. Dabei bedankte er sich für die Gelegenheit, den Dollar-Milliardär getroffen und mit ihm über die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Welt gesprochen zu haben.

Kein Geheimnis war zu diesem Zeitpunkt, dass Thiel ein glühender Befürworter und Förderer - auch finanziell - des damals amtierenden US-Präsidenten Donald Trump war. Nicht nur unterstützte er dessen Wahlkämpfe, er stand ihm auch mit Rat (und weniger Tat) zur Seite.

Peter Thiel am rechten Rand der Republikanischen Partei

Thiel selbst bezeichnet sich als stolzen Republikaner. Er ist am rechten Rand angesiedelt. Dabei bezeichnet sich der Techinvestor, der neben der US-amerikanischen auch die deutsche und die neuseeländische Staatsbürgerschaft besitzt, auch als politisch gesehen libertär.

Beim Libertarismus wird persönliche Freiheit über staatlichen Einfluss gestellt, mehr noch: In Peter Thiels Auslegung stehen Firmen weit über Staaten. Seiner Ansicht nach sind Freiheit und Demokratie nicht vereinbar. Immerhin ist er konsequent. Er unterstützt ein anti-nationales Projekt, bei dem Siedlungen auf See außerhalb von Nationalstaaten gegründet werden sollen.

Peter Thiel, der PayPal-Gründer und Facebook-Förderer

Gleichzeitig ist er gegen freie Marktwirtschaft und spricht sich für die Bildung von Monopolen aus. Dazu passt, dass er gemeinsam mit Max Levchin und Elon Musk den Online-Bezahldienst PayPal gründete und als erster externer Investor von Facebook in Erscheinung trat - mit rückblickend betrachtet läppischen 500.000 Dollar.

Als Vorstandsvorsitzender das Software-Unternehmens Palantir Technologies durfte er sich über Kund:innen wie die US-amerikanischen Nachrichtendienste kümmern und drückte in Sachen Spionage beide Augen zu.

Keine Lobeshymne für Peter Thiel von Sebastian Kurz

2021 ist Thiel der Frank-Schirrmacher-Preis verliehen worden, mit dem Persönlichkeiten für ihre „herausragenden Leistungen zum Verständnis des Zeitgeschehens“ ausgezeichnet werden sollen. Unter den Preisträgern (ausschließlich Männer bisher) waren in den letzten Jahren die Schriftsteller Jonathan Franzen und Daniel Kehlmann sowie der Künstler Ai Weiwei.

Thiel wirkt in dieser Liste ein wenig wie ein Fremdkörper. Wie dem auch sei, als Laudator hatte er sich wen gewünscht? Richtig, Sebastian Kurz. Der war leider verhindert, weil Korruptionsvorwürfe und Rücktritt innerhalb der ÖVP, unter anderem sein eigener, dazwischen kamen.

Keine Windeln mehr für Sebastian Kurz

Dafür wurde Kurz nun mit besagtem Job in den USA belohnt und muss sich nicht mehr um Windeln und Babyfläschchen kümmern, wo er seine neue Paparolle doch als Grund für seinen Rückzug aus der Politik angeführt hat. Das schafft seine Freundin Susanne Thier anscheinend auch alleine.

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