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Ein russischer Diplomat wirft einem Puls-4-Journalisten auf Sendung Drogenmissbrauch vor

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Von: Christian Kisler

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Montage: Puls-4-Journalist Thomas Mohr, Dmitry Polyanskiy, stellvertretende Botschafter Russlands bei den Vereinten Nationen
Puls-4-Journalist musste sich vom russischen Top-Diplomaten Dmitry Polyanskiy unterstellen lassen, Drogen konsumiert zu haben. © Michael Gruber/EXPA/APA-PictureDesk/Luiz Rampelotto/ZUMA Wire/Imago/BuzzFeed Austria

Auf Sendung hat ein russischer Top-Diplomat den Puls-4-Journalisten Thomas Mohr des Drogenkonsums bezichtigt. Davor hat er wortreich den Begriff „Krieg“ vermieden.

Wenn etwas Ungewöhnliches in der österreichischen Medienlandschaft passiert, dann ist das meist hausgemacht. Etwa, als ORF-Moderator Roman Rafreider lallend vor der Kamera stand. Oder der gefakte Busen der Ex-Kanzler-Freundin Susanne Tier in der Falter-Beilage „Best of Böse“ für Aufregung sorgte. Und das sind nur Beispiele der letzten paar Monate. Nicht oft kommt es allerdings vor, dass ein Journalist von einem hochrangigen Gast vor laufender Kamera beschimpft wird. Da geht man nicht unbedingt zur Tagesordnung über. Wann so etwas passiert, ist es nur würdig und recht, dass der betroffene Sender, in diesem Fall Puls 4, daraus Kapital schlägt und die Werbetrommel rührt.

Das Interview mit Diplomat Polyanskiy artet aus

Was ist passiert? Anlässlich des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine bat Anchorman Thomas Mohr den Russen Dmitry Polyanskiy in der Sondersendung „Newsroom LIVE Spezial“ zum Interview. Polyanskiy ist nicht irgendwer, er ist stellvertretender Botschafter Russlands bei den Vereinten Nationen, somit das, was man gemeinhin einen Top-Diplomaten nennt. In der ungeschnittenen, später online gestellten Version artet das Interview im Laufe der über 15 Minuten zu einem bizarren Streitgespräch aus. Das entzündet sich vor allem daran, dass Russland seinen Invasionskrieg auf die Ukraine nicht als solchen bezeichnet. Mehr noch: Wer in Russland nicht von einer „militärischen Operation“ spricht, sondern von Krieg, fasst empfindliche Strafen aus.

Mohr jedenfalls ist glänzend vorbereitet und hartnäckig, führt das Gespräch mit Polyanskiy auf Englisch, eine Sprache, die beide exzellent beherrschen - was man allerdings auch von beiden erwarten darf. Leider ist das Interview komplett synchronisiert, so ist nicht wirklich zu verstehen, was Polyanskiy im Original sagt. Er verbietet sich jedenfalls die Bezeichnungen „Invasion“ und „Krieg“, letzteres treffe nur auf das zu, was die Ukraine vor acht Jahren im Donbass begonnen habe. Das ist die bekannte russische Lesart. Auch, dass Russland lediglich einen wie auch immer gearteten Völkermord an der russischsprachigen Bevölkerung aufhalten will. Wie Wladimir Putin spricht auch Polyanskiy von einer „Spezialoperation gegen Nazis“.

„Ich weiß nicht, was Sie rauchen, wenn Sie die News machen“

Mohr merkt an dieser Stelle an, dass diese Behauptungen von der Ukraine scharf bestritten würden. Außerdem gäbe es keine Hinweise auf den von Moskau behaupteten Völkermord im Donbass. Polyanskiy erstaunliche Antwort darauf: „Sie müssen irgendein fiktives Buch zitieren, das ich nicht kenne.“ Auch seine Antwort auf die Frage, warum die Ukrainer:innen russische Soldaten freudig begrüßen, sondern vielmehr in westliche Länder flüchten, ist gelinde gesagt überraschend. Er habe gerade erst im Fernsehen „Familien gesehen, die Soldaten begrüßten“. Auf die Frage, wie viele das seien, wich er aus, vielmehr verwies er darauf, dass es schon „vier Millionen Flüchtlinge in Russland“ gebe. Eine bis dato unbekannte und freilich nicht offiziell bestätigte Zahl.

Polyanskiy wusste jedoch noch einen draufzusetzen. Nach all den wortreichen Ausführungen des Diplomaten, um ja den Begriff „Krieg“ zu vermeiden, fasste Mohr zusammen: „Also der Krieg ist zu Ende. Und im Moment sehen wir die militärische Operation. Sie ist noch im Gange, aber der Krieg ist schon zu Ende. Stimmt das?“ Polyanskiy sichtlich genervt und ungehalten: „Ich weiß nicht, was Sie rauchen, wenn Sie die News machen.“ Man muss die Aussage nicht besonders weit auslegen, um darin den Vorwurf des Drogenmissbrauchs zu erkennen. Dass ein Spitzendiplomat einen erfahrenen Journalisten dessen in einem TV-Interview bezichtigt, kommt auch nicht alle Tage vor.

Polyanskiy schwang erneut die Nazikeule

Im weiteren Verlauf behauptete Polyanskiy, im Donbass seien „Massengräber“ entdeckt worden. „Somit haben Sie das Recht, derzeit Völkermord im ganzen Gebiet der Ukraine zu verüben“, ließ sich Mohr wenig beeindrucken. Das bestritt der Diplomat freilich, vielmehr würde die russische Armee „hochpräzise“ Schläge durchführen und keine zivilen Ziele angreifen. Noch einmal schwang er die Nazikeule und behauptete, „ukrainische Nationalisten“ missbrauchten Zivilisten als „menschliche Schutzschilde“. Außerdem würden pro-russische Personen in der Ukraine verschwinden. Dabei verwiese er auf eine Frau aus Kyjiw, deren Aufenthaltsort derzeit unbekannt sei.

Ob die Bedingungen für einen Atomwaffeneinsatz gegeben seien, wollte Polyanskiy nicht kommentieren. „Hören Sie auf, die Dinge zu manipulieren. Russland ist bedroht, aber es wird das überleben und siegen“, war alles, was er dazu zu sagen wusste. Zum Abschluss beschieden sich Thomas Mohr und Dmitry Polyanskiy, dass sie eine Gemeinsamkeit hätten, nämlich dass sie beide keine Nazis seien. Das letzte Wort musste dennoch Polyanskiy haben:  „Bitte rauchen Sie dieses Zeug nicht.“ Denkwürdige letzte Worte, zumindest als Verabschiedung eines stellvertretenden Botschafters für Russland bei den Vereinten Nationen nach einem Interview.

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