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Alexander Schallenberg: Außenminister, Bundeskanzler, Außenminister

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Alexander Schallenberg bei einer Pressekonferenz.
Auch bei den Pressekonferenzen tritt Bundeskanzler Alexander Schallenberg in die Fußstapfen von Sebastian Kurz: Anfang November 2021 gibt er ein Statement zu Corona-Maßnahmen. © Michael Indra/Imago

Dem neuen Bundeskanzler wurde die Diplomaten- und Politikerkarriere quasi in die Wiege gelegt. Wissenswertes über Alexander Schallenbergs Leben und Karriere:

Der am 20. Juni 1969 in Bern geborene Alexander Schallenberg entstammt der alten Adelsfamilie Schallenberg und ist der Sohn des Diplomaten und ehemaligen Generalsekretärs des Außenministeriums (1992-1996) Wolfgang Schallenberg. Auf die Frage hin, wie es denn dazu kam, dass der spätere Außenminister Diplomat wurde, gab er einmal folgende Antwort: „Es gibt zwei Berufsgruppen, wo die Kinder bei den Eltern mitmachen müssen. Das sind die Bauern und die Diplomaten.“

Alexander Schallenberg: Der „bürglerich-liberale“

Schallenberg hat seine Kindheit in Indien verbracht, später dann in Madrid und in Frankreich – den Botschafterstationen seines Vaters. Gerade die Zeit in Indien hat ihn sehr geprägt. Farben, Gerüche und die schiere Größe des Landes blieben ihm in Erinnerung. Alexander Schallenberg spricht vier Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Politisch wird der passionierte Genussraucher, den Sebastian Kurz 2013 zum Leiter für „strategische und außenpolitische Planung“ machte, als „bürgerlich-liberal“ beschrieben. Am 11. Oktober wurde er von Bundespräsident Alexander Van der Bellen als Österreichs neuer Bundeskanzler angelobt, nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen seinen Vorgänger Sebastian Kurz und dessen engstes Umfeld u. a. aufgrund von Inseratenkorruption aufgenommen hatte. Kurz war am 9. September 2021 von seinem Amt zurückgetreten.

Alexander Schallenberg: Seine Karriere

An den Universitäten Wien und Paris II Panthéon-Assas studierte er ab 1989 Rechtswissenschaften und graduierte 1994 zum Mag. iur. Anschließend erwarb er am Collège d‘Europe in Brügge den Abschluss eines Masters of European Law. Nach Belgien führte ihn auch sein erster Auslandsposten – an die österreichische EU-Vertretung in Brüssel, wo er fünf Jahre lang die Rechtsabteilung leitete. Zurück in Österreich machte sich Schallenberg als Pressesprecher der früheren Außenministerin Ursula Plassnik sowie später von deren Nachfolger Michael Spindelegger (beide ÖVP) einen Namen. Dadurch kennt Schallenberg die EU-Verträge wie seine Westentasche.

Bereits 1999 legte er als Außenamts-Mitarbeiter in der Abteilung für EU-Grundsatzfragen und Mitautor eine umfassende Analyse der ersten österreichischen EU-Ratspräsidentschaft von 1998 vor. 2014 übernahm er die Leitung der Stabstelle „Strategie und politische Planung“ im Außenamt.

Im Alter von 28 Jahren trat Schallenberg in den Dienst des Außenamts und avancierte zum Leiter der Sektion Europa. Im Zuge der Regierungsbildung der Bundesregierung Kurz I nach der Nationalratswahl 2017 verhandelte er auf Seite der ÖVP in der Untergruppe für Europa und Außenpolitik. 2018 wechselte er in das Bundeskanzleramt als Sektionsleiter für Koordination. In dieser Funktion spielte er eine zentrale Rolle während der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft 2018. 

Karriere in der Bundespolitik

In der Beamtenregierung unter Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein wurde Schallenberg am 3. Juni 2019 zum Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres bestellt. Am 6. Juni wurde er zusätzlich zum Kanzleramtsminister ernannt und im Bundeskanzleramt mit der Leitung der Agenden für EU, Kunst, Kultur und Medien bis zum Ende der Bundesregierung Bierlein betraut.

Als einziges Mitglied der Übergangsregierung blieb er auch nach Bildung der Bundesregierung Kurz II im Amt und wurde am 7. Jänner 2020 erneut als Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres angelobt. Seit dem 29. Jänner 2020 war er Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten in der Bundesregierung Kurz II. Seit 11. Oktober ist er Österreichs neuer Bundeskanzler. Den Politzirkus kennt Alexander Schallenberg also nur zu gut, was auch der Überblick über seinen gesamten Lebensweg beweist:

Politische Mandate

Beruflicher Werdegang

Bildungsweg

Alexander Schallenberg: Ein Vertrauter von Kurz

Als Sebastian Kurz im Jahr 2013 mit 27 Jahren Österreichs jüngster Außenminister wurde, beförderte er den Kommunikationsprofi mit Mühlviertler Wurzeln zum Leiter für „strategische außenpolitische Planung“. Auch in den Regierungsverhandlungen nach der Nationalratswahl 2017 zählte Kurz auf seinen „Initimus“, wie Schallenberg in Medien genannt wurde. Der Hamburger „Spiegel“ schrieb damals über den Diplomaten- und Medienprofi: „Er füttert Kurz mit Informationshäppchen und Einschätzungen, die dieser später in die Kameras sagen kann.“

Selten habe er einen so talentierteren Minister erlebt, streute Schallenberg im Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ Kurz als Außenminister Rosen. So folgte der ausgewiesene Europaexperte Kurz auch ins Bundeskanzleramt, wo er während der türkis-blauen Regierungszeit die Stabsstelle Strategie und Planung leitete. Außenpolitisch setzte Schallenberg auf Kontinuität. So setzte er sich gemeinsam mit der Mehrheit seiner EU-Kollegen für die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien und Albanien ein, was Frankreich allerdings blockierte. Für Bierlein war Schallenberg stets eine wichtige Stütze, er begleitete die Kanzlerin regelmäßig zu Gipfelvorbereitungen und wichtigen EU-Treffen nach Brüssel.

Alexander Schallenberg – seine Ämter

Einmal wurde er gefragt, wie sich das Amt des Außenministers in den letzten Jahren verändert hat. Darauf antwortete Schallenberg, dass die Kommunikation viel schneller geworden ist. Durch Soziale Medien hat sich nicht nur die Reaktionsgeschwindigkeit massiv erhöht, sondern auch der Emotionsfluss der Nachrichten. Genauso hat sich die Funktion eines Diplomaten verändert. „Werde keine Exzellenz“, lautete die Empfehlung des Ministers und merkte an, dass die Flexibilität viel größer sein muss als in der Vergangenheit.

Sein wichtigster Tipp für künftige Diplomaten: „Als Diplomat musst du neugierig sein.“ Dabei helfen dem zuweilen gesellig auftretenden Spitzendiplomaten insbesondere drei Charakterzüge, die ihm Kenner attestieren: Schallenberg sei immer bestens vorbereitet, heißt es, er gelte als sehr strukturiert und als äußerst akkurater Arbeiter. Zugleich habe er die Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte einfach und verständlich darzustellen. Dennoch gilt er als Hardliner.

Alexander Schallenberg - sein Privatleben

Schallenberg ist geschieden und Vater von vier Kindern. Am 17. Oktober 2020 wurde bekannt, dass Schallenberg sich mit dem Coronavirus infiziert hat. Seine Wurzeln greifen sehr weit zurück: Auf einer Felskuppe über der Großen Mühl (Gemeinde Kleinzell, Bezirk Rohrbrach) befindet sich die Ruine Schallenberg. Die Burg wurde 1231 erbaut und diente den ansässigen Raubrittern zur Kontrolle der Handelswege. 1260 wird der erste Schallenberger urkundlich erwähnt. Das Anwesen war bis 1660 der Familiensitz der Schallenbergs. Die Familiengruft ist in der Friedhofskapelle in Niederwaldkirchen.

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