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Alma Zadić: Von der Anwältin zur Ministerin

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Alma Zadic bei einer Rede vor dem Justizministerium
Alma Zadic ist die jüngste Justizministerin, die es in Österreich je gab. © Martin Juen/Imago

Als Zehnjährige flüchtet Alma Zadić mit ihrer Familie aus dem Bosnienkrieg nach Österreich. Mit 35 Jahren wird sie hier Justizministerin.

Wien - Die Medien bezeichnen sie gerne als erste Ministerin mit Migrationshintergrund. 2018 unterbricht ÖVP-Mandatar Johannes Rädler eine Ansprache von Zadić mit den Worten: „Sie sind nicht in Bosnien. Verwechseln Sie das nicht“. Zadić selbst betonte bereits öfters, wie müde sie die Reduktion auf ihre Herkunft macht und spricht deshalb immer wieder von einem „Migrationsvordergrund“.

Alma Zadić: Steckbrief

Alma Zadić flüchtet mit ihren Eltern nach Österreich

Alma Zadić wird am 24. Mai 1984 in Tuzla, Bosnien und Herzegowina geboren. Bis sie zehn Jahre alt ist, besucht sie dort auch die Volksschule. 1994 flüchtet die Familie während des Bosnienkrieges nach Österreich. Ihr Vater, Universitätsprofessor für Elektrotechnik, reist zuerst in das mitteleuropäische Land und holt seine Familie schließlich nach. In einem Interview, das Zadić 2020 der Tageszeitung „Heute“ gibt, erzählt sie von den ersten Jahren in ihrer neuen Heimat. So habe sie als Teenagerin einen Straßenbahnfahrer nach dem Weg gefragt. Dieser antwortete ihr mit den Worten: „Tschuschen haben hier überhaupt nichts verloren.“

Die spätere Justizministerin ist eine gute Schülerin und maturiert mit Auszeichnung. Ab 2003 studiert Zadić zunächst Rechtswissenschaften an der Uni Wien. Zu dieser Zeit absolviert sie auch ein Auslandssemester in Mailand ehe sie das Studium 2007 abschließt. Später folgen Stationen bei der Internationalen Organisation für Migration und beim Internationalen Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien in Den Haag sowie das Gerichtsjahr in Wien und eine Postgraduate-Ausbildung an der New Yorker Columbia University.

In einem späteren Interview mit dem Magazin „News“ erklärt sie: „Gerade das vielfältige New York hat mir gezeigt, dass man durchaus Österreicherin, Bosnierin und Europäerin gleichzeitig sein kann.“ Ab 2015 arbeitet sie als Rechtsanwältin im Bereich der Konfliktlösung. In ihrer Zeit als Anwältin sei ihr Migrationshintergrund langsam verblasst, so Zadić. Erst als sie 2017 in die Politik wechselt, wird dieser wieder zum Thema.

Die Rechtsanwältin Alma Zadić als Justizministerin

Der ehemalige Politiker Peter Pilz ist es, der Alma Zadić für die Liste Pilz in die Politik holt. Als er sie fragt, ob sie für ein Nationalratsmandat kandidieren wolle, beendete sie ihren Job in einer Anwaltskanzlei. Später wechselt die junge Politikerin nach Gesprächen mit Rudi Anschober zu den Grünen. 2020 wird sie unter der Regierung Türkis-Grün als Justizministerin angelobt. Das macht sie nicht nur zur ersten Ministerin mit Migrationshintergrund, sondern auch zur bisher jüngsten Justizministerin Österreichs.

Die Familie der Justizministerin

Im August 2020 gibt Zadić auf Facebook bekannt, ein Kind mit ihrem langjährigen Partner zu erwarten. Sie kündigt auch an, ein paar Wochen nach der Geburt zu Hause bleiben zu wollen, danach werde ihr Mann in Väter-Karenz gehen. Unter ihrem Post hagelt es neben Glückwünschen auch zahlreiche sexistische Kommentare. „Deshalb sind Frauen um die 30 ungeeignet in Führungspositionen“, heißt es etwa von einem User. Ein anderer kommentiert: „Interessant, dass der Fortpflanzungswunsch besonders nach Erreichen eines Ministerpostens sprunghaft anzusteigen scheint. Ein Schelm, wer Böses denkt“.

Später heiratet Zadić den Vater ihres Kindes. Von Jänner bis März 2021 ist die Ministerin in Mutter-Karenz. Grünen-Chef Werner Kogler vertritt die Justizministerin in ihrem

Rassistiche Anfeindungen gegen Alma Zadić

Alma Zadić hat einen Lebenslauf, der sie für das Amt als Politikerin mehr als qualifiziert. Dennoch muss sich die Grünen-Politikerin in ihrer politischen Laufbahn viele Anfeindungen gefallen lassen. Nach ihrer Angelobung als Justizministerin kommt es zu zahlreichen Hasspostings auf Social Media. Aufgrund der Postings erhält Zadić Polizeischutz. Auch von ihren Kolleg:innen in der Politik kommen nicht immer nur freundliche Worte. Während ÖVP-Mandatar Johannes Rädler 2018 eine Ansprache der Grünen-Politikerinnen im Parlament mit den Worten „Sie sind nicht in Bosnien. Verwechseln Sie das nicht“ unterbricht, ruft ein FPÖ-Abgeordneter ihr zu: „Alma, bei mir bist du sicher.“

Wirken als Justizministerin

Als Justizministerin schnürt Alma Zadić in ihrem ersten Jahr das sogenannte „Hass im Netz“-Paket, um den Opfer- und Persönlichkeitsschutz zu stärken. Im Zuge des Pakets wird auch die Strafbarkeit bei Cybermobbing verschärft. Auch das sogenannte Upskirting, also das unerlaubte Fotografieren unter den Rock oder in den Ausschnitt, wird erstmals strafbar. Später wird das Gesetzespaket angepasst und die Strafen für Upskirting herabgesetzt.

Im September 2021 schickt das Justizministerium den Entwurf zur Novelle des Urheberrechtsgesetzes in Begutachtung. Damit will man die 2019 beschlossene EU-Copyright-Richtlinie umsetzen. Justizministerin Zadić nennt es die „größte Reform“ seit Einführung des Urheberrechts. Mit der Reform sollen Onlineplattformen stärker in die Pflicht genommen werden. Das sogenannte Overblocking, also wenn automatisch ganze Inhalte gesperrt werden, weil kurze Ausschnitte urheberrechtlich geschützt sind, soll mit der Novelle verhindert werden.

Der politische Lebenslauf von Alma Zadić

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