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9 bekannte, ehemalige Politiker:innen und was sie jetzt machen

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Von: Johannes Pressler

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Links der Ex-Politiker Jürgen Petzner, rechts der Ex-Politiker Matthias Strolz.
Jürgen Petzner (links) und Matthias Strolz: Zwei prominente Ex-Politiker, die jetzt in der Privatwirtschaft sind. (Fotomontage) © Jeff Mangione/KURIER/Starpix/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Es gibt mittlerweile eine lange Liste an prominenten Politker:innen, die jetzt etwas Anderes machen.

Bei ihm ist es eine Investmentgruppe. Gemeint ist der ehemalige Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP), der, so wie Sebastian Kurz, im Dezember 2021 der Politik (zumindest vorerst) den Rücken kehrte. Blümel ist bei dem Privatunternehmen Superfund gelandet. Dort soll er seit März 2022 als Chief Executive Officer arbeiten.

Gernot Blümel ist aber nur einer von vielen bekannten Namen, der sich in den letzten Jahren aus der Politik verabschiedete und jetzt woanders seine oder ihre Brötchen verdient. Neun der prominentesten haben wir für dich zusammengesammelt:

1. Sebastian Kurz

Der gebürtige Wiener, der die ÖVP in der Mitte der 2010er-Jahren aus den Umfragesümpfen brachte, war von 2017 bis 2021 österreichischer Bundeskanzler. Wohlgemerkt zwischendurch mit ein paar Neuwahlen und Misstrauensanträgen des Parlaments. Aufgrund er ÖVP-Korruptionsaffäre wurde der politische Druck auf Kurz im Herbst 2021 aber immer stärker. Nach dem Rücktritt als Bundeskanzler im Oktober folgte dann im Dezember sogar der komplette Rückzug aus der Politik. Seit Jänner 2022 arbeitet der Altkanzler bei einer internationalen Firma des Investors Peter Thiel. Außerdem wird Kurz Co-Vorsitzender eines (wenig aktiven) Europäischen Rates, der sich gegen Antisemitismus einsetzen soll.

Der Ex-Kanzler Sebastian Kurz.
Sebastian Kurz bei seiner Rücktrittsrede im Dezember 2021. © Joe Klamar/AFP/APA-PictureDesk

2. Rudolf Anschober

Anschober (Grünen) war von Jänner 2020 bis April 2021 Gesundheitsminister der türkis-grünen Regierung. Nur wenige Monate nach der Angelobung begann die Corona-Pandemie, seine mit Abstand größte politische Herausforderung, aufgrund der Anschober auch viel Hass (insbesondere aus dem Netz) erhielt. Seinen Rücktritt als Minister machte der Oberösterreicher „aus gesundheitlichen Gründen“, wie er in seiner Rücktrittsrede sagte. Seitdem übt sich Anschober als Autor. Im März 2022 ist sein Buch „Pandemia: Einblicke und Aussichten“ erschienen.

Der Politiker Rudolf Anschober greift sich ans Herz.
Bis April 2021 war Rudolf Anschober österreichischer Gesundheitsminister. © Leonhard Foeger/Reuters/APA-PictureDesk

3. Ulrike Lunacek

Den ersten Rücktritt aus der türkis-grünen Regierung machte ebenfalls eine Grüne: Ulrike Lunacek. Die erfahrene Politikerin zog sich bereits nach der schlimmen Niederlage der Grünen bei der Nationalratswahl 2017 aus der Politik kurzzeitig zurück, wurde dann im Jänner 2020 aber zur Kunst- und Kulturstaatssekretärin angelobt. Nachdem ihre Vorgehensweise während der Corona-Pandemie stark kritisiert wurde und sich die Kunstschaffenden in Österreich im Stich gelassen gefühlt hatten, erklärte Lunacek nur vier Monate später ihren Rücktritt. Seit April 2020 ist sie stellvertretende Obfrau des Bürger:innen Forum Europa, einem überparteilichen Verein, der sich für eine gemeinsame europäische Politik einsetzt.

Ulrike Lunacek bei einer Pressekonferenz.
Ulrike Lunacek arbeitet jetzt als stellvertretende Obfrau des Bürger:innen Forum Europa. © Michael Indra/SEPA.Media/APA-PictureDesk

4. Matthias Strolz

Der Vorarlberger war 2012 Gründungsmitglied der liberalen NEOS und verhalf der Partei 2013 als Spitzenkandidat in den Nationrat. Im Mai 2018 kündigte Strolz an, die Partei schrittweise an Beate Meinl-Reisinger zu übergeben. Im Vergleich zu manch anderen Politiker:innen gab es beim Rücktritt von Strolz keine Verbindungen zu möglichen Affären oder Skandalen. Seitdem arbeitet er als Autor und Publizist sowie als „Impact-Unternehmer und Begleiter in Wachstumsprozessen“, wie er auf seiner Webseite schreibt. Im Oktober 2018 veröffentlichte Strolz gemeinsam mit dem Künstler Kurt Razelli ein Musikalbum mit dem Titel „Lost in Space“.

Matthias Strolz lehnt sich an einem Baum.
Matthias Strolz war bis 2018 NEOS-Parteichef. Jetzt ist er in der Privatwirtschaft. © Gilbert Novy/KURIER/APA-PictureDesk

5. Eva Glawischnig

Fast zehn Jahre lang war die gebürtige Kärntnerin Klubobfrau der Grünen. Bis zu ihrem Rückzug aus allen Ämtern im Mai 2017, so wie Anschober aus gesundheitlichen Gründen. Überraschend war dann ihr beruflicher Wechsel zum umstrittenen Glücksspielkonzern Novomatic, wo Glawischnig bis 2021 als Lobbyistin arbeitete. Seitdem verdient sie ihr Geld selbstständig als Beraterin.

Eva Glawischnig auf einer Pressekonferenz von Novomatic.
Ex-Grünen-Chefin Eva Glawischnig war bis 2021 bei dem umstrittenen Glücksspielkonzern Novomatic. Jetzt ist sie Beraterin. © Herbert Pfarrhofer/APA-PictureDesk

6. Werner Faymann

Der politische Höhepunkt von Faymann war seine Zeit als Bundeskanzler von 2008 bis 2016. Dann erklärte der Wiener seinen Rücktritt als Kanzler und Parteichef der SPÖ. Daraufhin erhielt ÖVP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner von Bundespräsident Heinz Fischer den Auftrag, die Regierung vorläufig weiterzuführen. Faymann wechselte in die Privatwirtschaft. Der frühere Wiener Stadtrat für Wohnbau und Stadterneuerung gründete gemeinsam mit einem Pressesprecher ein Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von Immobilienprojekten und Öffentlichkeitsarbeit konzentriert. Seit 2016 ist Faymann auch ein ehrenamtlicher Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit.

Werner Faymann bei einer Konferenz.
Altkanzler Werner Faymann führt jetzt ein Privatunternehmen und ist ehrenamtlicher UN-Sonderbeauftragter. © Franz Neumayr/APA-PictureDesk

7. Christian Kern

Ein weiterer SPÖ-Chef, der Bundeskanzler war, ist Christian Kern. Rund eineinhalb Jahre war der gebürtige Wiener österreichischer Regierungschef. Im Oktober kündigte Kern, der schon früher als ÖBB-Manager arbeitete, an, wieder zurück in die Privatwirtschaft zu gehen. 2019 wurde dann bekannt, dass Kern ein Mitglied des Aufsichtsrats der russischen Staatsbahn ist - bis zum Ausbruch des Ukraine-Kriegs im Februar 2022. Zudem ist er Präsident des European China Business Councils, einem Unternehmer:innenverein, der stark mit der chinesischen Regierung in Verbindung steht.

Christian Kern redet auf einer Pressekonferenz.
Ex-SPÖ-Kanzler Christian Kern war bei der russischen Staatsbahn. © Michael Indra/SEPA.Media/APA-PictureDesk

8. Reinhold Mitterlehner

Der gebürtige Oberösterreicher war von 2014 bis 2017 österreichischer Vizekanzler und nach dem Rücktritt von Faymann und bis zur Angelobung von Kern auch kurz Bundeskanzler. Mitterlehner fiel dann der ÖVP-Machtübernahme von Sebastian Kurz zum Opfer. Seit seinem Rücktritt im Jahr 2017 ist er selbstständiger Unternehmensberater. Im April 2019 veröffentlichte Mitterlehner das viel diskutierte Buch „Haltung: Flagge zeigen in Leben und Politik“.

Reinhold Mitterlehner im Porträt.
Ex-ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner ist jetzt selbstständiger Unternehmensberater. © Herbert Neubauer/APA-PictureDesk

9. Stefan Petzner

Petzner war von 2008 bis 2013 Nationalratsabgeordneter der früheren Partei Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), die sich von der FPÖ abspaltete. Schon zuvor war Petzner als Pressesprecher für den ehemaligen umstrittenen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider tätig. Heute ist der gebürtige Salzburger als PR-Berater beruflich aktiv, spezialisiert auf Kund:innen in politischen Krisen. Er tritt auch immer wieder in politischen TV-Diskussionen auf. 2015 veröffentlichte Petzner das Buch mit dem Titel „Haiders Schatten: An der Seite von Europas erfolgreichstem Rechtspopulisten“. 2019 war er auch ein Teilnehmer in der ORF-Show „Dancing Stars“.

Rechts im Bild Jörg Haider, der von Stefan Petzner etwas ins Ohr geflüstert bekommt.
Stefan Petzner (rechts) war für viele Jahre Pressesprecher des früheren Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider. Jetzt ist er Politik-Berater. © Deak Marcus E./Verlagsgruppe News/APA-PictureDesk

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