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Heinz Faßmann: Der ehemalige Bildungsminister im Porträt

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Heinz Faßmann neben einer EU-Flagge.
Heinz Faßmann im November 2021 nach dem wöchentlichen Ministerrat zur Corona-Krise. © Georges Schneider/photonews.at/Imago

Bildungsminister Heinz Faßmann galt als wichtiger Vertrauter von Ex-Kanzler Sebastian Kurz und setzte seine Arbeit als Bildungsminister in der Bundesregierung Schallenberg fort. Bis Karl Nehammer kam.

Heinz Faßmann kam am 13. August 1955 als Sohn eines Tankstellenbesitzers und einer Buchhalterin in Düsseldorf zur Welt. Nach dem frühen Tod des Vaters zog die Mutter 1962 mit ihrem damals sechsjährigen Sohn zurück in ihre Heimatstadt Wien. Dort wuchs er gemeinsam mit seinen beiden älteren Schwestern im 7. Wiener Gemeindebezirk auf und besuchte die Volksschule und das Gymnasium. Wenig Begeisterung hegte er für das Fach Latein. Schon in Schülertagen zeigte sich sein Interesse für Politik: In seiner Funktion als Klassensprecher trat er für die Belange seiner Mitschüler:innen ein.

In der vierten Klasse erwachte in ihm die Begeisterung für Basketball, eine Leidenschaft, die ihn später bis in die Bundesliga führen sollte. Heute bieten ihm ausgedehnte Wanderungen und sein Garten Ruhe und eine willkommene Abwechslung vom politischen Arbeitsalltag. Heinz Faßmann hat eine Ehefrau und zwei Kinder. Zu Hause ist er im südlich von Wien gelegenen Perchtoldsdorf. Seit 1994 besitzt er die österreichische Staatsbürgerschaft. Sein deutscher Akzent ist dem Professor bis heute erhalten geblieben, ein weiteres charakteristisches Merkmal: seine stattliche Größe von 2,07 Metern.

Heinz Faßmann: Von der Immatrikulation zur Professur

Nach erfolgreichem Abschluss des Gymnasiums folgte 1975 die Immatrikulation an der Universität Wien. Heinz Faßmann hatte sich für ein Studium der Geografie sowie der Wirtschafts- und Sozialgeschichte entschieden. Im Anschluss an sein Studium folgte im Jahr 1980 ein Doktorat. Nach dem Erwerb des Doktortitels war er zunächst als Scholar am Institut für Höhere Studien (IHS) in der Abteilung Soziologie tätig. In den Jahren 1981 bis 1992 folgte eine Beschäftigung als wissenschaftlicher Angestellter an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) am Institut für Demografie.

Während dieser Zeit veröffentlichte er verschiedene Artikel, in denen er sich mit den Themen Migration, Stadtentwicklung und Arbeitsmarkt beschäftigte. Themen, die ihn für sein späteres berufliches Leben als Politiker und Minister prädestinierten. 1991 erfolgte die Habilitation und damit seine Lehrbefähigung für die Bereiche Humangeografie, Raumforschung und Raumordnung. Bevor er 1996 seine erste Stelle als Professor antrat, war er von 1992 bis 1995 Direktor des Instituts für Stadt- und Regionalforschung (ISR) an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Während dieser Zeit veröffentlichte er verschiedene Artikel, in denen er sich mit den Themen Migration, Stadtentwicklung und Arbeitsmarkt beschäftigte. Themen, die ihn für sein späteres berufliches Leben als Politiker und Minister prädestinierten. 1991 erfolgte die Habilitation und damit seine Lehrbefähigung für die Bereiche Humangeografie, Raumforschung und Raumordnung. Bevor er 1996 seine erste Stelle als Professor antrat, war er von 1992 bis 1995 Direktor des Instituts für Stadt- und Regionalforschung (ISR) an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Professor in München und Wien

Mit dem Jahr 1996 übernahm Heinz Faßmann eine C4-Professur im Fach Angewandte Geografie II an der Technischen Universität in München. Vier Jahre später kehrte er als Professor für Angewandte Geografie, Raumforschung und Raumordnung an die Universität Wien zurück. Dort übernahm er 2006 erneut die Stelle des Direktors am Institut für Stadt- und Regionalforschung und wurde noch im gleichen Jahr zum Dekan der Fakultät für Geowissenschaften, Geografie und Astronomie bestellt. Zudem hatte er zwischen 2011 und 2015 das Amt des Vizerektors für Personalentwicklung und internationale Beziehungen inne, bis 2017 war er Vizerektor für Forschung und Internationales.

Während seiner Zeit als Professor an der Universität Wien war er in diverse Forschungsprojekte eingebunden und erfüllte eine Vielzahl an Funktionen ‒ national und über die österreichischen Grenzen hinaus. So zählte er in den Jahren von 2009 bis 2016 zu den Mitgliedern des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration. Ideale Voraussetzungen, um als Politikberater und Experte tätig zu werden sowie erste Schritte als Politiker zu wagen. Seine fachliche Kompetenz brachte ihm zahlreiche Auszeichnungen und Preise ein:

Heinz Faßmann in der österreichischen Bundesregierung Kurz I

Erste Erfahrungen in der Welt der Politik sammelte Heinz Faßmann als Experte zu der Zeit, als Sebastian Kurz im Alter von 24 Jahren das Integrationsstaatssekretariat übernahm. Dieser war auf die Expertise eines erfahrenen Wissenschafters angewiesen und Heinz Faßmann war gerne dazu bereit, dem jungen Staatssekretär mit seinem umfassenden Wissen über Migration unter die Arme zu greifen. Als Sebastian Kurz im Jahr 2017 das Amt des Bundeskanzlers übernahm, stieg Heinz Faßmann vom Experten für Integration im Außenamt zum Bildungsminister auf. Ohne Parteimitglied zu sein, war der inzwischen 62-jährige Professor von der ÖVP für das Ministeramt nominiert worden.

Seine Amtszeit als Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung endete jedoch am 28. Mai 2019 gänzlich unerwartet mit der Affäre um das Ibiza-Video und der Amtsenthebung von Sebastian Kurz. Bis Anfang Juni war es Heinz Faßmann, der mit der Fortführung der Verwaltung im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung betraut war. In seiner Funktion als Politiker übte sich Heinz Faßmann in Bescheidenheit: „Es wäre unrealistisch zu glauben, dass ich in meiner Amtszeit das Bildungssystem abreißen und neu aufbauen kann. Aber es wäre mein Wunsch, in der Politik etwas mehr das Bewusstsein zu verankern, dass Bildung und Forschung zentrale Elemente für die Zukunft Österreichs sind.“

Faßmann in der österreichischen Bundesregierung Kurz II

Schon während seiner Zeit als Politiker in der Bundesregierung Kurz I hatte Heinz Faßmann seine Ämter als Vizerektor, Vorsitzender im Expertenrat und Mitglied in der Migrationskommission niedergelegt. Seine Direktorentätigkeit am Institut für Stadt- und Regionalforschung ruhte ebenfalls. Der Wechsel von Professor zum Bundesminister bedeutete für ihn, die beratende Funktion hinter sich zu lassen und nunmehr eigenständig politische Entscheidungen treffen zu müssen. Lange hatte er allzu politische Aussagen vermieden und vielmehr die Fakten in den Vordergrund gestellt.

Nach Neuwahlen wurde Sebastian Kurz im Rahmen einer Koalition zwischen ÖVP und Grünen am 7. Jänner 2020 erneut Bundeskanzler. Als einer der wichtigsten Vertrauten des Kanzlers übernahm Heinz Faßmann erneut das Amt des Bundesministers für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Nun war er Minister in einer kritisch beäugten Regierung und musste sich an die Medien und seine Kritiker:innen erst gewöhnen. Gefragt nach seinem politischen Kompass äußerte sich Heinz Faßmann: „Jeder hat das Recht zu leben, wie er oder sie es möchte, und Liberalität ist eine Grundkomponente meines Zugangs zur Politik.“

Politische Themen im Bildungsministerium

Zu Beginn seiner Amtszeit trat Bildungsminister Faßmann dafür ein, Eltern, die Kinder am Schulbesuch hindern, mit Sanktionen zu belegen. Mit seinem Werben um ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen sorgte für Aufsehen. Durchsetzen konnte er die Einführung von separaten Deutsch-Klassen für Kinder, die nicht in der Lage sind, den erforderlichen Sprachtest zu bestehen. Den Vorwurf von Medienseite, durch seine Maßnahme der Bildung von „Ghetto-Klassen“ Vorschub zu leisten, wies der Politiker stets von sich. Auch ein Kopftuchverbot für Kindergarten- und Volksschulkinder, Geldstrafen für Schuleschwänzen, Leistungsgruppen in der Mittelschule sowie die frühere Verpflichtung zu Ziffernnoten standen auf seiner Agenda.

Geplant ist zudem die Einführung des Unterrichtsfachs Ethik, nachdem sich immer mehr Schüler:innen vom Religionsunterricht abmelden. Im Hochschulbereich kam es in einzelnen Fächern zu neuen Zugangsbeschränkungen. Maßnahmen, die in der Opposition auf heftige Kritik stießen. Im August 2021 war Professor Heinz Faßmann drei Tage lang Kanzler von Österreich. Nachdem Sebastian Kurz auf Staatsbesuch in Deutschland weilte und Vizekanzler Werner Kogler Urlaub genommen hatte, kam ihm als dienstältestes Mitglied der Bundesregierung diese verantwortungsvolle Aufgabe verfassungsgemäß zu.

Faßmann und die ÖVP: Endstation Nehammer

Nachdem sich Parteichef und Ex-Kanzler Sebastian Kurz am 2. Dezember 2021 komplett aus der Politik zurückzog, erlebte die ÖVP eine wilde Personal-Rochade. Sowohl Kanzler (Karl Nehammer statt Alexander Schallenberg) als auch einige Minister:innen wurden ausgewechselt. Diesem Schritt fiel auch Heinz Faßmann zum Opfer.

Dieser Prozess war für Faßmann ziemlich unglücklich. Laut „Der Standard“ habe der Bildungsminister dem designierten ÖVP-Chef Nehammer aus „reiner Höflichkeit“ gesagt, dass er einer Regierungsumbildung nicht im Wege stehen würde. Dass seine Tätigkeit als Bildungsminister damit zum Ende kommen könnte, damit hätte Faßmann aber nicht gerechnet. Doch so kam es und seit 6. Dezember 2021 heißt der neue österreichische Bildungsminister Martin Polaschek.

Von Gabi Knapp

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