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Hisbollah: Alles, was ihr über die Geschichte der libanesischen Miliz wissen müsst

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Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah
Hassan Nasrallah, Hisbollah-Chef, spricht am Aschura-Tag. (Archivbild). © Nabil Mounzer

Die Partei Hisbollah ist eine schiitische Bewegung im Libanon, die die Geschicke des Landes sowohl politisch als auch militärisch kontrolliert.

Die schiitische Landbevölkerung im Südlibanon und in der Bekaa-Hochebene im Osten des Landes galt seit jeher als bitterarm und nahm kaum Einfluss auf die Politik. Wem die wirtschaftliche Not zu groß wurde, der setzte all seine Hoffnungen auf Beirut.

Anfänge der Hisbollah

Dort begannen sich die Schiiten gegen Ende der 60er Jahre zu organisieren, der Anfang eines Radikalisierungsprozesses gegen die in jeder Hinsicht privilegierten Christen und Sunniten. 1974 gründete ihr Führer Musa as-Sadr (50, † verm. 1978) die Miliz „Amal“, zu Deutsch „Hoffnung“, deren Aufgabe darin bestehen sollte, die Interessen der schiitischen Bevölkerung wahrzunehmen und sie zu schützen.

1978 verschwand Sadr spurlos, aus seiner Miliz wurde eine politische Partei. 1982: Der Einmarsch der Israelis in den Libanon führte zur Gründung einer neuen Miliz ‒ der „Hisbollah“. Militärische Ausbildungslager entstanden, finanziert und umfangreich mit Waffen ausgestattet vom Iran. Bereits ein Jahr später tötete die „Partei Gottes“ bei Selbstmord-Anschlägen auf die US-Botschaft und das Hauptquartier der US-Marines Hunderte von Menschen. Mit dem Überfall auf eine israelische Patrouille und der Entführung zweier Soldaten löste die Hisbollah im Juli 2006 den Libanonkrieg aus, in dessen Verlauf mehr als 1.000 Libanesen den Tod fanden. In der Folge konnte sich die Hisbollah im Nahen Osten mehr und mehr etablieren, ein weltweites Netzwerk ausspannen und als „Staat im Staat“ den Libanon sowohl politisch als auch militärisch kontrollieren.

Die Partei Hisbollah: Ideologie und innere Struktur

Die Gesinnung der Hisbollah ist revolutionär-schiitisch und anti-westlich, ihre Flagge ziert ein ausgestrecktes Gewehr. Oberste Ziele waren über lange Zeit hinweg die Errichtung eines islamischen Gottesstaates, ähnlich wie bei der Terrorgruppe IS, und die Vernichtung Israels. Ersteres scheint mit der Beteiligung an einer christlich-muslimischen Regierung zunächst in den Hintergrund getreten zu sein. Die Hisbollah finanziert sich durch Spendengelder. Nachgewiesen werden konnte beispielsweise, dass Spenden für den Verein „Waisenkinder Libanon e. V.“ zum Teil für sogenannte „Märtyrer-Familien“ verwendet wurden, um Angehörige zu Selbstmordattentaten zu ermutigen.

Terror und Geflüchtete in Österreich

Die 3 häufigsten Herkunftsländer von Geflüchteten in Österreich sind Syrien, Afghanistan und Marokko.

In Syrien herrscht derzeit eine als sozialistisch-volksdemokratischer Staat getarnte Diktatur. Seit März 2011 wird hier gekämpft und Menschen fliehen vor den bewaffnete Auseinandersetzungen verschiedener Gruppen.

In Afghanistan übernahmen im Herbst 2021 die Taliban erneut die Macht. Der US-Einsatz im Land war im August 2021 offiziell beendet. Besonders Frauen in Afghanistan trifft diese Entwicklung schwer. Ihnen werden Stück für Stück die Rechte entzogen.

Marokko gilt eigentlich als modernes arabisches Land und ist ein beliebtes Touristenziel. Fluchtgründe können hier die Strafverfolgung von Homosexuellen oder die schlechte Wirtschaftslage sein. Ein häufiger Grund für Flucht sind Terrorgruppen wie die Hisbollah.

Die Hisbollah agiert hauptsächlich im Libanon. Der Libanon ist nicht unter den zehn häufigsten Herkunftsländern geflüchteter Menschen in Österreich. In Ägypten gibt es zudem die Muslimbruderschaft, die wohl älteste islamische Bewegung, deren Einflussbereich die ganze Welt umspannt.

Weniger als 800 Menschen kamen 2020 aus dem Irak nach Österreich. Damit ist es das vierthäufigste Herkunftsland. Im Irak herrschen bürgerkriegsähnliche Verhältnisse.

Zudem wird vermutet, dass die Hisbollah beträchtliche Summen durch Drogenhandel und Geldwäsche einnimmt. Die Organisation besteht aus mehreren tausend Mitgliedern, hinzu kommen hunderte von aktiven Kämpfern, denen ein Arsenal an schweren Waffen und Raketen zur Verfügung steht. Im Jahr 1992 übernahm Hassan Nasrallah die Hisbollah als Generalsekretär der Partei und als Oberbefehlshaber über die Milizen. Die Hisbollah unterhält mit Krankenhäusern und Schulen eine Vielzahl an sozialen Einrichtungen und ist deshalb entsprechend geachtet bei der Bevölkerung.

Die libanesische Terrororganisation Hisbollah schreckt auch nicht davor zurück, die Hoheitszeichen der UN-Flüchtlingshilfe UNHCR für Waffenlieferungen zu missbrauchen, so geschehen im Juli 2022. Die UNHCR hat unter anderem einen Sitz in der Wiener UNO-City und gibt Statistiken über die Anzahl der weltweiten Flüchtlinge aus. Für Geflüchtete in Österreich finden sich auch Informationen zum Asyl in Österreich.

Die Partei: Kritik und Einstufung als Terrororganisation

Kritiker:innen der Hisbollah verweisen auf blutige Attentate und eine stetig wachsende Zahl an Waffen. Da die Miliz Israel das Existenzrecht abspricht, wird sie von Ländern wie Israel, Kanada und den USA als terroristisch eingestuft – im Gegensatz zu den Ländern der Europäischen Union, die, aufgrund der Trennung in Partei und Miliz, teilweise differenzieren: In den Niederlanden galt die Hisbollah von 2004 an ganzheitlich als Terrororganisation, Großbritannien folgte 2019. Deutschland sprach 2020 ein allgemeines Betätigungsverbot für die Organisation aus. Österreich, die baltischen Staaten, Slowenien und der Kosovo folgten 2021.

Auch als Verbündeter von Präsident Baschar al-Assad geriet die Hisbollah im Konflikt um Syrien in die Kritik, schadete doch die Parteinahme sowohl dem nationalen als auch dem internationalen Ansehen. Gemeinsame Ziele im Kampf gegen Israel pflegt die Hisbollah mit der Terrororganisation Hamas. Mit wachsender Besorgnis fragt sich die Weltpolitik, was geschieht, wenn die bewaffnete Miliz ihre Raketen gegen Israel einsetzt. Die Übernahme Afghanistans durch die Taliban nahm die Hisbollah erfreut zur Kenntnis.

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