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Irak – Ein Staat zwischen Bürgerkrieg und Erdölförderung

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Der Irak ist politisch nach wie vor instabil. Darunter leiden insbesondere Kinder und Jugendliche (Archivbild von 2016).
Der Irak ist politisch nach wie vor instabil. Darunter leiden insbesondere Kinder und Jugendliche (Archivbild von 2016). © dpa

Der historisch bedeutsame Staat leidet heute unter Korruption, Terrorangst, Armut, Kinderarbeit und mangelnder Gesundheitsversorgung. Hier erfährst du alles, was du über den Irak wissen musst.

Da es viele verschiedene, einander bekämpfende Gruppen gibt, ist die Lage seit Jahrzehnten sehr undurchsichtig: Immer wieder wurde der Irak im Verlauf der letzten dreißig Jahre von heftigen Kriegen gebeutelt. Ab dem Jahr 2014 verbreitete auch die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS), die mit großer Brutalität die Macht an sich reißen und einen eigenen Staat gründen wollte, Angst und Schrecken in dem 435.520 km² großen Staat. Der überwiegende Teil der Bevölkerung lebt in Städten. In der Hauptstadt Bagdad lebt rund ein Fünftel der etwa 38 Millionen Iraker:innen.

Die Bevölkerung setzt sich aus Araber:innen, Kurd:innen sowie einigen ethnische Minderheiten zusammen. Mehr als 95 Prozent der Bevölkerung sind Moslems, darunter sind etwa 60 Prozent Schiiten und 35 Prozent Sunniten. Auch Anhänger:innen verschiedener christlicher Kirchen, einige religiöse Minderheiten sowie wenige Juden leben im Irak.

Irak – bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

Ein großer Teil des Irak, konkret die Ebenen entlang der beiden Flüsse Euphrat und Tigris, ist historisch besonders bedeutsam, hier eine kleine Zeitleiste:

Irak – von Beginn des 20. Jahrhunderts bis 1963

Ab 1914 besetzten britische Truppen die Provinzen Mosul, Bagdad und Basra und fassten sie trotz der unterschiedlichen Bevölkerungen zu einem Staatsgebiet zusammen, das dem heutigen Territorium des Landes entspricht. 1921 wurde der Irak eine konstitutionelle Monarchie mit Haschemit Faisal, dem Sohn des Scherifen von Mekka, als erstem König. Seither umfasst die Liste der Staatsoberhäupter des Irak sowohl Könige als auch demokratisch gewählte Präsidenten:

Wie hinsichtlich der Aufzählung erkennbar erlangte der Irak am 3. Oktober 1932 seine staatliche Unabhängigkeit und die Aufnahme in den Völkerbund. In der Folgezeit stritten rivalisierende Familienclans um die Vorherrschaft, was zu etlichen Regierungswechseln führte, bis 1958 General Abd al-Karim Qasim durch einen erneuten Militärputsch die Monarchie beendete und die Republik ausrief. Er wurde 1963 ermordet, als Arif an die Macht gelangte. 1968 erfolgte ein weiterer Militärputsch im Bündnis mit der Baath-Partei, in dessen Folge General Ahmed Hassan Al-Bakr die Herrschaft übernahm. Saddam Hussein wurde zweiter Mann im Staat.

Irak unter Saddam Hussein & der erste Golfkrieg

Am 17. Januar 1991 starteten die Alliierten unter Führung der USA mit Luftangriffen den Zweiten Golfkrieg, der am 28. Februar mit einem Waffenstillstand endete. Im März desselben Jahres kam es zu Aufständen der Schiiten, rebellierender Soldaten in Basra und anderen Städten sowie der Kurden im Norden des Landes, die von Regierungstruppen niedergeschlagen wurden. Die wichtigsten weiteren Entwicklungen im Land:

Irak – die Wirtschaftslage

Bis zum Ausbruch der COVID-19-Pandemie war die irakische Wirtschaft am Weg, sich nach den wirtschaftlichen Herausforderungen und innenpolitischen Spannungen der Jahre zuvor allmählich zu erholen. Während das BIP 2016 noch um 11 Prozent wuchs, verzeichnete der Irak 2017 ein Minus von 2,1 Prozent und 2018 ein Minus von 0,6 Prozent. 2019 gab es wiederum ein Wachstum von 3,3 Prozent. Der niedrige Ölpreis und die von der OPEC geforderte Reduzierung der Ölförderung führten im Irak im Jahr 2020 zu einem Rückgang des BIP von 10,5 Prozent.

Für die nächsten drei Jahre werden BIP-Wachstumsraten von ein bis drei Prozent prognostiziert. Von essenzieller Bedeutung für die Wirtschaft Iraks ist also die Förderung von Erdöl sowie der Handel mit diesem Rohstoff. Trotz einer politisch instabilen Lage im Land hat sich der Irak im vergangenen Jahrzehnt zu einem weltweit wichtigen Erdölproduzenten entwickelt. Das Land verfügt über rund neun Prozent der weltweiten Ölreserven, das sind mehr als 140 Milliarden Barrel.

Im Jahr 2020 belief sich Erdölproduktion im Irak auf rund 4,1 Millionen Barrel pro Tag. Damit steht das Land auch vor einer großen Diskrepanz: Obwohl es zu den von der Klimakrise am stärksten betroffenen Ländern ist, ist diese aufgrund der Erdölförderung nur ein Randthema.

Irak & die Sicherheit im Land

Da die Sicherheitslage im Land allerdings problematisch ist, kann das Land von diesen reichen Bodenschätzen nur begrenzt profitieren. Die Wirtschaft leidet unter extremer Korruption, mehr als die Hälfte der Iraker:innen lebt unter der Armutsgrenze. Deshalb müssen auch Kinder arbeiten und können nicht zur Schule gehen. Auch die Gesundheitsversorgung sowie die Versorgung mit Elektrizität und Wasser ist ein permanentes Problem. Die meisten Menschen arbeiten in der Landwirtschaft: Fruchtbare Böden finden sich vor allem entlang der Flüsse Euphrat und Tigris.

Irak – das aktuelle politische System

Bis heute herrschen im Irak bürgerkriegsähnliche Verhältnisse mit Terroranschlägen und Aufständen, mehrfach wurden auch Ausländer:innen entführt. Im Mai 2020 stimmte das irakische Parlament nach einem monatelangen Machtvakuum einer neuen Regierung zu. Der ehemalige Geheimdienstchef Mustafa Kadhemi wurde mit einer Mehrheit der anwesenden Abgeordneten zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Anfang April 2020 war Kadhemi von Präsident Barham Saleh als Regierungschef nominiert worden.

Ruhe kehrt in das Land aber dennoch bis heute nicht ein: Mit einer sprengstoffgefüllten Drohne griffen Unbekannte im November 2021 die Residenz des irakischen Ministerpräsidenten al-Kadhimi in Bagdad an. Der Regierungschef wurde nicht verletzt. Ein möglicher Hintergrund des Attentats ist das Ergebnis der letzten Parlamentswahl im Oktober 2021, in der die parlamentarische Macht diverser schwer bewaffneter Gruppen, die dem Iran nahestehen, beschnitten wurde.

Bei den Wahlen hatte die Partei des schiitischen Klerikers Moktada al-Sadr nach offiziellen Angaben mit klarem Vorsprung gewonnen. Einer der einflussreichsten pro-iranischen Politiker im Irak, Hadi al-Amiri, hatte den Wahlsieg al-Sadrs jedoch nicht anerkannt.

Von Wolfgang Wonesch

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