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Michael Ludwig: Vom Häupl-Nachfolger zum SPÖ-Alpha

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Von: Johannes Pressler

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Michael Ludwig ist der achte Wiener Bürgermeister der Zweiten Republik. Ein Porträt:

Geboren ist Michael Ludwig am 3. April 1961 in Wien. Nach der Volksschule wechselt er eine Allgemeinbildende Höhere Schule in Wien, darauf folgt in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre der Maturaabschluss auf der Wiener Handelsakademie.

Für das Studium (Politikwissenschaft und Geschichte) bleibt Ludwig gleich in Wien und wird 1992 promoviert. Seine Dissertation schreibt der Wiener über die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED), die Staatspartei in der DDR.

Der Wiener Bürgermeister: Michael Ludwig von der SPÖ.
Der Wiener Bürgermeister: Michael Ludwig von der SPÖ. © Michael Indra/SEPA.Media/APA-PictureDesk

Michael Ludwig: Berufliche Anfänge und Einstieg in die Politik

Bereits während seines Studiums macht Ludwig erste berufliche Erfahrungen. Besonders im pädagogischen Bereich. So arbeitet er von 1984 bis 1986 als Kurs- und Projektleiter in der Erwachsenenbildung und die daraufhin folgenden fünf Jahre als pädagogischer Leiter in einer Volksschule.

In den Jahren danach folgen Ludwigs erste Schritte in die Politik. So wird er 1991 Landesstellenleiter des Dr. Karl-Renner-Instituts Wien und Landesbildungssekretär der SPÖ Wien. Auch wenn erst kleine Baby Steps, Michael Ludwig ist in der politischen Welt angekommen.

Vom kleinen Bezirksrat zum mächtigsten Mann Wiens

Michael Ludwig hatte bereits eine Vielzahl an politischen Funktionen inne. Hier ist die politische Karriere des Wiener Landeschefs im Überblick:

Michael Ludwig, der Häupl-Nachfolger

Fast ein Viertel Jahrhundert lang ist der SPÖ-Politiker Michael Häupl Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien. Bis 2018, als er seinen Rücktritt aus der Politik ankündigt. Bereits zu diesem Zeitpunkt gilt Michael Ludwig als einer der großen Favoriten auf die Nachfolge. Sein größter Konkurrent als Häupl-Nachfolger: Andreas Schieder.

Bei einer Kampfabstimmung am außerordentlichen Landesparteitag der SPÖ Wien im Jänner 2018 kann Ludwig mit 57 Prozent der Stimmen die Wahl für sich gewinnen und wird im Mai offiziell zum Nachfolger von Michael Häupl und Chef der SPÖ Wien. Schieder wechselt daraufhin nach Brüssel in das EU-Parlament.

Die erste große politische Herausforderung von Ludwig folgt im Oktober 2020 mit der Landtags- und Gemeinderatswahl in Wien. Die SPÖ Wien, angeführt von Ludwig, geht als klarer Sieger hervor: 41, 6 Prozent und ein Gewinn von 2 Prozentpunkten. Anstatt die Stadtregierung mit den Grünen fortzuführen, schließt sich Ludwig jedoch diesmal mit den NEOS zusammen. Neuer Vizebürgermeister wird Christoph Wiederkehr.

Wien: Alle Bürgermeister im Überblick

Michael Ludwig ist der achte Wiener Bürgermeister der Zweiten Republik Österreich. Das sind alle Bürgermeister seit 1945 im Überblick:

Michael Ludwig: Politische Erfolge und Kritik

Großes Lob erhält Michael Ludwig für seine Arbeit während der Corona-Pandemie. So gelingt es ihm gemeinsam mit Gesundheitstadtrat Peter Hacker (SPÖ) in relativ kurzer Zeit, mit „Alles gurgelt!“ ein funktionierendes PCR-Test-System einzuführen. Das zeigt sich vor allem während der vierten Viruswelle in Österreich im Winter 2021. Während die 7-Tage-Inzidenz landesweit Anfang Dezember bei rund 600 liegt, hat Wien zur gleichen Zeit einen Wert in der Höhe von rund 350. Spätestens seitdem gilt Ludwig als wohl mächtigster Mann in der gesamten SPÖ und - obwohl er das abstreitet - als potenzieller Nachfolger von Pamela Rendi-Wagner an der Spitze der gesamten SPÖ.

Kritik erhält Ludwig für seinen Umgang mit Werbung in den österreichischen Tageszeitungen. Ähnlich wie sein ehemaliger SPÖ-Kollege Werner Faymann soll auch Ludwig Unmengen an Steuergeld in Inserate und Öffentlichkeitsarbeit ausgegeben haben. Laut der investigativen Rechercheplattform „Dossier“ in zehn Jahren unglaubliche 41,5 Millionen Euro. Das sind 11.400 Euro pro Tag.

Umstritten ist auch Ludwigs Einstellung zum Bau der Lobau-Autobahn. Obwohl Umweltministerin Leonore Gewessler basierend auf Expert:innenmeinungen entschieden hat, das Straßenbauprojekt nicht durchzuführen, hält Ludwig an seiner Meinung fest und kündigt an, alle möglichen rechtlichen Schritte zu nehmen, um den Bau doch durchzusetzen.

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