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„Nicht jeder hat Eltern mit Pool“ - Wiener:innen zu den steigenden Schwimmbad-Eintrittspreisen

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Von: Helena Dimmel

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Die Wiener Bäder sind teurer geworden. © IMAGO/Eibner-Pressefoto

Die Eintrittspreise der Wiener Bäder sind um einiges gestiegen. Was aber sagen die Badegäste dazu?

Sie brutzeln. Die Sonne, die Körper, die Pommes. An diesem Mittwoch findet sich selbst im snobbigen Döblinger-Bad ein bunter Mix aus allen Gesellschaftsschichten ein, um sich eine wohlverdiente Abkühlung zu gönnen. Man planscht, auf drei Becken eng zusammen gepfercht, im lauwarmen Wasser, das Thermometer zeigt 37 Grad. Es ist der heißeste Tag des Jahres in Österreich - bis jetzt zumindest. Eines aber sticht besonders ins Auge: Dieses Jahr scheint man trotz gelockerter Corona-Maßnahmen und schwindelerregender Temperaturen weniger Badegäste anzutreffen, als noch vor ein paar Jahren.

Die Monatskarte der Wiener Bäder - Gott hab sie selig - kostete 31 Euro. Jeden Tag ein Euro, für den ganzen Sommer, garantiertes kühles Nass. Seit Herbst letzten Jahres gibt es sie allerdings nicht mehr, aufgrund einer Tarifreform. Sie hätte sich finanziell nicht ausgezahlt, beteuern die Wiener Bäder, die ohnehin stark auf Subventionierungen angewiesen sind. Aber ist das ein Argument? Der Tageseintritt, ebenfalls gestiegen, kommt inzwischen auf satte 6,20 Euro. Fast 200 Euro also, wenn man ein ganzes Monat lang ins Bad möchte. Gerade für jene, die sich wegen ihres Einkommens ohnehin nur öffentliche Bäder leisten können, erschwert das maßgeblich den Zugang zu Wasser. Nicht gerade ein Entgegenkommen der politischen Verantwortlichen also, die uns in letzter Zeit doch so gerne weis machen möchten, wie gut sie die Bevölkerung vor der brütenden Hitze schützen.

Das denken die Wiener:innen über die Eintrittspreise

Martina räkelt sich auf der Liegewiese. Die 38-Jährige kommt oft hier her, manchmal sogar täglich, denn sie wohnt in der Nähe. Der Zugang zum Wasser müsse für alle erschwinglich sein, findet sie. „Die derzeitigen Eintrittspreise sind schon ein Wucher. Eine Familie mit drei, vier Kindern kann sich das gar nicht mehr leisten, den ganzen Tag herzukommen. Das finde ich eigentlich arg.“ Mehr Badeflächen bräuchte es, schließlich wären auch einige Bäder in Wien geschlossen. „Dabei ist Wien geschichtlich gesehen immer schon eine Stadt mit vielen öffentlichen Bädern und einer ausgeprägten Badekultur gewesen. So wie jetzt finde ich das schon traurig.“

Da stimmt auch Angelika zu. Die junge Mutter ist mit ihrer kleinen Tochter heute hier, um sich abzukühlen. „Die Corona-Flatrate von vor zwei Jahren war schon fein“, lacht sie. „Ich habe heute gefühlt doppelt so viel gezahlt und es war dreimal so voll.“ Wie viel aber sollte der Eintritt kosten? „Ab einer gewissen Anzahl an Hitzetagen finde ich, sollte das Baden in Wien überall gratis sein.“ Ob man natürliche Wasserflächen nütze oder in ein öffentliches Bad gehe, sei unerheblich. „Ich denke schon, dass man das über die Allgemeinheit finanzieren können muss.“

Leistbarer Zugang für alle

„Zwar fallen bei den Bädern die Kosten für die Instandhaltung an - die Grünflächen müssen gepflegt werden und so weiter - aber wir haben mehrere Millionen Impfdosen gekauft, die jetzt verfallen, Großausgaben für landesweite Gratistests gemacht. So viel kann die Instandhaltung der Bäder nicht kosten, dass man sie nicht über die öffentliche Hand finanzieren kann“, ist sich Angelika sicher. Angewiesen sei die 34-Jährige zwar nicht auf die Wiener Bäder, für sie und ihre Familie gäbe es die Möglichkeit, den gerade renovierten Pool beim Elternhaus zu nutzen. „Aber nicht jeder hat Eltern mit Garten und Pool.“

An den heißen Tagen sei es „g‘steckt voll“ in den städtischen Bädern Wiens, betont auch Oliver. Der Student wünscht sich neben mehr Wasserflächen in Wien auch eine bessere Infrastruktur: „Teilweise muss man sich echt lang in nicht-klimatisierte Öffis setzen, um überhaupt ins Bad zu kommen.“ Auch die derzeitigen Preise empfindet der Wiener als zu hoch, auf jeden Fall sollte das Baden für Familien und Kleinverdiener:innen leistbar sein. Sich um 130 Euro eine Halbjahreskarte zu kaufen, sei kein attraktives Angebot, wenn man nur im Sommer baden möchte. „Ich persönlich wünsche mir die Monatskarte zurück.“

Welche Möglichkeiten es abseits des Badens noch so gibt, um die Hitze erträglicher zu machen, erfährst du hier.

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