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Sigrid Maurer: Die Grünen-Klubobfrau im Porträt 

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Sigrid Maurer vor einer Österreich- und einer EU-Flagge.
Sigrid Maurer im November 2021. © Martin Juen/Imago

Politikerin Sigrid Maurers Karriereweg führte vom Vorsitz der Österreichischen Hochschülerschaft bis zur Chefin des Grünen Klubs im Nationalrat. Sie ging Kontroversen nie aus dem Weg. Sie demonstrierte, sammelte Unterschriften, warf Flugblätter und zeigte Kritiker:innen den „Stinkefinger“.

Sigrid „Sigi“ Maurer wurde am 19. März des Jahres 1985 in der Tiroler Gemeinde Rum geboren. Aufgewachsen ist sie als älteste von vier Schwestern in Telfes. Sie war Schülerin an der dortigen Volksschule und besuchte die Hauptschule Fulpmes. Ihr Elternhaus beschrieb die Autorin in späteren Jahren als konservativ bis bürgerlich. Die Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe in Innsbruck sollte sich als wichtige Station auf ihrem Erfolgsweg herausstellen.

Nach bestandener Matura erfolgte die Immatrikulation an der Universität Innsbruck. In den Jahren ab 2004 studierte sie dort Musikwissenschaft und Politikwissenschaft, schloss aber keines der beiden Fächer ab. 2009 zog es sie nach Wien, wo sie an der dortigen Universität ein Studium der Soziologie aufnahm. An einen erfolgreichen Bachelorabschluss schloss sich 2017 ein Masterstudium an. Hier beschäftigte sie ebenfalls die Soziologie und die Arbeit am Institut für Höhere Studien an europaweiten Erhebungen. Die Politikerin ist im 7. Gemeindebezirk zu Hause. Für Privates und Sport lässt ihre Funktion als Politikerin kaum Zeit, gleiches gilt für ihr Hobby den Jazz-Gesang.

Sigrid Maurer und ihr politisches Engagement in Studententagen

Schon seit Beginn ihrer Zeit an der Universität engagierte sich die Autorin Sigrid Maurer in der Österreichischen Hochschüler:inenschaft (ÖH) und war Mitglied der GRAS, der Grünen & Alternativen Student:innen. Von Juli 2009 bis Juni 2011 hatte sie den Vorsitz der ÖH inne und das zu einer Zeit, als die Studierenden damit begannen, sich gegen Beschränkungen des Hochschulzugangs zur Wehr setzten. In dieser Funktion unterstützte sie die Studierendenproteste der Jahre 2009 und 2010 maßgeblich. Am 22. Dezember erregte sie gemeinsam mit anderen Studenten ein großes Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit, als sie im Rahmen einer Parlamentsdebatte um das Budget 2011 Flugzettel von der Besuchergalerie hinunter in den Plenarsaal des Nationalrates warf.

Begleitet wurde die Störaktion von der laut skandierten Parole: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut.“ Konsequenz: 18 Monate Hausverbot im Hohen Haus und offizielle Termine nur in Begleitung von Security. Die Politikerin zeigte sich allerdings wenig beeindruckt, vielmehr empfand sie die Situation als eher belustigend. Trotz zivilem Ungehorsam und Hausverbot wird Sigrid Maurer Jahre später selbst als Abgeordnete im Parlament die Geschicke des Landes Österreichs lenken.

Studentin mit Hang zur Kontroverse

In den Jahren ab 2006 fand sich Sigrid Maurer des Öfteren in den Schlagzeilen wieder. So demonstrierte sie gegen die geplante Abschaffung ihres Studienfachs Musikwissenschaft, rief zum Protest auf, sammelte Unterschriften und hatte damit Erfolg. Zudem entwickelte sich unter ihrem ÖH-Vorsitz die sogenannte #unibrennt-Bewegung, die dazu führte, dass Tausende von Studentinnen und Studenten die Hörsäle im Kampf um mehr Geld für die Universitäten besetzten. Die Politikerin wusste die Zeit für sich zu nutzen, hatte Fernsehauftritte, traf Journalisten und Abgeordnete. Ihre Mitstreiterin Mirijam Hall (Alter unbekannt) äußerte sich später: „Sigi hatte schon damals ein ausgeprägtes strategisches Machtbewusstsein.“ Während ihrer Zeit an der Universität war die Autorin in folgenden Vertretungen und Gremien aktiv:

Sigrid Maurers Weg in den Nationalrat und zur Klubobfrau der Grünen

Von der Universität Wien führte Sigrid Maurers beruflicher Weg direkt in die Politik. Im Jahr 2012 hatte sie ihre Kandidatur für die Grünen bei der Nationalratswahl publik gemacht. 2013 konnte sie sich gegen sechs männliche Mitbewerber durchsetzen und erhielt Platz sechs der Bundesliste. Am 29. Oktober zog sie für die Grünen in den Nationalrat ein. Ihre Tätigkeit als Abgeordnete übte sie bis ins Jahr 2017 aus. Nach dem geschichtsträchtigen Wahldebakel ihrer Partei kehrte sie zunächst an die Universität zurück.

Mit dem Jahr 2019 gewann sie erneut einen Sitz als Abgeordnete im Nationalrat. Danach führte der Karriereweg steil bergauf: Im Oktober 2019 erfolgte die Wahl zur stellvertretenden Obfrau des Parlamentsklubs der Grünen, im Jänner 2020 übernahm die Politikerin das Amt der Klubobfrau. Ihr Vorgänger Werner Kogler war zuvor vom ehemaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz in die Regierung geholt und zum Vizekanzler bestellt worden. Seit Februar 2020 ist die Autorin Sigrid Maurer zudem Mitglied des Bundesvorstandes der Grünen.

Sigrid Maurer: von polarisierenden Tweets, Klagen und Gerichtsverfahren

Am 6. November 2017 nahm Sigrid Maurer an einer Diskussionsrunde teil, die das Thema sexuelle Belästigung zum Inhalt hatte. Im Anschluss an die Ausstrahlung sah sie sich mit einer großen Zahl an Hassbotschaften konfrontiert. Sie reagierte daraufhin mit einem Tweet in den sozialen Medien, der sie mit erhobenem Mittelfinger und einem Glas Sekt zeigte ‒ begleitet von den Worten „To the haters with love“. Der Tweet polarisierte, ein Boulevardmagazin behauptete, sie habe dem Parlament zum Abschied den Mittelfinger gezeigt. Eine Äußerung, auf die die Politikerin mit einer Klage auf Unterlassung und Schadensersatz reagierte.

Im Mai 2018 erhielt Sigrid Maurer eine Nachricht mit obszönem, beleidigendem und frauenverachtendem Inhalt vom Facebook-Account eines Mannes. Die Autorin machte seine Nachricht auf Twitter öffentlich und betitelte ihn als „frauenverachtendes Arschloch“. Dieser bestritt jedoch, der Verfasser zu sein und reichte Klage gegen Sigrid Maurer wegen übler Nachrede ein. Der später als „Bierwirt“ bekannt gewordene Mann hatte in erster Instanz Erfolg. Sigrid Maurer wurde dazu verurteilt, eine Geldstrafe in Höhe von 7.000,00 Euro zu bezahlen. Ein weiteres Verfahren endete mit einem Freispruch für die Politikerin und der Entscheidung, dass die Bezeichnung „Arschloch“ in diesem speziellen Fall durchaus gerechtfertigt war.

Als Frau in der Politik

Sigrid Maurer gilt als wortgewandte und streitbare Frontfrau der Grünen, die sich für Feminismus, Bildungspolitik und den Kampf gegen Diskriminierung starkmacht. Anzuecken stört sie nicht, gerne stellt sich die Feministin den älteren machtbewussten Herren entgegen. „Die soll lieber still sein, die Kleine!“ ‒ nicht mit Sigrid Maurer, sie lässt sich von niemand den Mund verbieten.

Als Provokateurin geht die Politikerin gern auf Angriff, titulierte den wegen sexueller Übergriffe in Verdacht geratenen Peter Pilz via Twitter kurzerhand als „erbärmlichen Sexisten“. Als sich dieser gemeinsam mit Starphilosoph Slavoj Zizek und Professor Robert Pfaller zum Austausch im Rahmen der Talk Europe-Reihe traf, kommentierte Sigrid Maurer das Treffen auf einer Gegenveranstaltung mit den Worten: „Aber sie sind alt, die werden nimmer lange leben.“

Im Juni 2020 sorgte ein weiterer Tweet der Autorin für Unmut. Darin hatte sie die schnellere Öffnung von Pfandleihhäusern nach dem Lockdown verteidigt, da diese bei wirtschaftlichen Problemen oft der letzte Ausweg seien, um schnell an Geld zu kommen. Ihre Kritiker unterstellten ihr daraufhin ein „fatales Verständnis von Sozialpolitik“.

Von Gabi Knapp

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