1. BuzzFeed.at
  2. News
  3. Recherchen

Syrien – von A wie Aufstand bis Z wie Zerschlagung

Erstellt:

Kommentare

Alltag für Kinder in Syrien: Der Schulweg führt an zerstörten Häusern vorbei.
Alltag für Kinder in Syrien: Der Schulweg führt an zerstörten Häusern vorbei. © Anas Alkharboutli/dpa

Die Demokratisierung des Landes ist weit entfernt, stattdessen stehen Anschläge auf die eigenen Bürger:innen an der Tagesordnung. Wissenswertes über Syrien.

Offiziell ist die Arabische Republik Syrien ein sozialistisch-volksdemokratischer Staat mit einem Präsidenten an der Staatsspitze. Die Familie Al-Assad hat daraus allerdings eine Diktatur gefertigt. Das ist auch der Grund, weshalb seit dem März 2011 in Syrien gekämpft wird. Es ist andauernde, bewaffnete Auseinandersetzung verschiedener Gruppen. Auslöser des Konflikts war ein friedlicher Protest gegen das autoritäre Regime Assads im Zuge des Arabischen Frühlings Anfang 2011.

Syrien: Aktuelle Problematik

Es kam zu einer wachsenden Einflussnahme der Muslimbrüder, anderer radikalsunnitischer Gruppierungen und ausländischer Interessenvertreter, die dabei eigene Interessen verfolgen. Neben dem Zustrom von Waffen kämpften zudem auch immer mehr ausländische Freiwillige und Söldner in Syrien. Der Wunsch der Opposition, die Demokratisierung Syriens zu erreichen, rückte in diesem Krieg immer mehr in den Hintergrund, stattdessen trat der Kampf verschiedener Organisationen aus religiösen und ethnischen Gründen in den Vordergrund. Aber schon davor war die syrische Geschichte bereits seit Jahrhunderten von wechselnden Herrschern, territorialen Konflikten und der Suche nach einer eigenen Identität geprägt. 

Demografische und geografische Fakten

70 Prozent der Bevölkerung sind Sunniten, 3 Prozent Schiiten, 13 Prozent Alawiten, 9 Prozent Christen und 3 Prozent Drusen. Obwohl die Alawiten eine Minderheit darstellen, wird das Land seit 1971 von der alawitischen Familie Assad beherrscht. Syrien grenzt im Süden an Israel und Jordanien, im Westen an den Libanon und das Mittelmeer, im Norden an die Türkei und im Osten an den Irak. Im Jahr 2010 lebten knapp 21 Mio. Menschen im Land, die meisten in Aleppo, der Hauptstadtregion von Damaskus, in Homs, Hama und Latakia. Heutzutage sind viele davon wegen Kriegen, Eroberungen, Terror und Kriegsverbrechen auf der Flucht.

Syrien und seine Geschichte bis 1920

Syrien und seine Geschichte bis 2000

Der Arabische Frühling und seine Folgen

Im Juli 2011 bildete sich die Freie Syrische Armee (FSA). Einstige Zivilist:innen bewaffnen sich, Desserteure der syrischen Regierungstruppen liefen über, um sich gemeinsam gegen den Staat zu wehren, der mit Beginn des Arabischen Frühlings gestartet hatte, die Armee auf Demonstrant:innen loszulassen. Assad entsendet gewalttätige Truppen in die Städte Hama und Deir Ezzo, wo hunderte Zivilist:innen getötet werden. Später sollten auch Untergruppen der al-Qaida sowie unzählige weitere Splittergruppen in den bewaffneten Konflikt eintreten. Die USA und die EU verhängen Sanktionen gegen Öl und andere Güter, um Druck auf die syrische Regierung auszuüben, damit sie ihre gewaltsamen Handlungen einstellt. Der Versuch bleibt erfolglos.

Die syrische Regierung verstärkt 2012 das Bombardement seiner Bürger:innen in mehreren Städten des Landes. Die USA schließen ihre Botschaft in Damaskus und ziehen ihre Diplomaten ab. Der Golf-Kooperationsrat verkündet, dass er seine Diplomaten aus Damaskus abzieht und syrische Diplomaten aus den Mitgliedsstaaten ausweist.

Der Giftgasangriff von Ghuta

Eine UNO-Untersuchung der Giftgasangriffe von Ghuta vom 21. August 2013 wies den Einsatz des chemischen Kampfstoffs Sarin in hoch konzentrierter Form nach, der mittels Boden-Boden-Raketen verschossen wurde. Unterschiedlichen Angaben zufolge starben dabei bis zu 1.729 Menschen. Einige tausend Personen sollen mit neurotoxischen Reaktionen in Krankenhäuser eingeliefert worden sein.

Das beim Giftgasangriff verwendete Sarin stammte aufgrund seiner chemischen Spurenelemente aus denselben Beständen der syrischen Armee wie Giftgas bei anderen Angriffen. Die Hohe UN-Kommissarin für Menschenrechte, Navanethem Pillay, erklärte, dass eine Untersuchungskommission „überwältigende Beweise“ dafür gefunden hat, dass höchste Regierungskreise in Syrien verantwortlich für die Kriegsverbrechen sind.

Syrien und der Einfluss der Terrormiliz IS

2014 ruft der Islamische Staat in den besetzten Gebieten in Syrien und dem Irak ein Kalifat (einen islamischen Staat) aus. Die USA und Alliierte fliegen Luftangriffe gegen ISIS-Ziele in Syrien, insbesondere in den Städten Raqqa und Aleppo. Russland fliegt seine ersten Luftangriffe und erklärt, dass es ausschließlich ISIS angreift. Die syrische Opposition kritisiert, dass Russland fast nur Anti-Assad-Rebellen angreift und dadurch mehr schadet als hilft.

Mit der Unterstützung russischer Flugzeuge erobert die syrische Regierung Aleppo zurück, einen der wichtigsten Rebellenstützpunkte. Zehntausende syrische Flüchtlinge sind in Flüchtlingslagern nahe der jordanischen Grenze gestrandet, nachdem Jordanien seine Grenzen geschlossen hat, um den Flüchtlingsstrom zu bremsen.

Bei dem Giftgasangriff am 4. April 2017 starben in der syrischen Stadt Chan Schaichun während des Bürgerkriegs in Syrien durch Giftgas mindestens 86 Menschen und weitere wurden verletzt. Die Provinz Idlib wurde damals von einem syrischen Rebellenbündnis kontrolliert und galt als wichtigste Hochburg der Rebellen. Die Regierungen zahlreicher Länder, darunter USA, Frankreich, Großbritannien und Deutschland, machten die syrische Regierung für den Giftgas-Angriff verantwortlich

Syrien: Flucht und Angst sind Normalität

Bis zum April 2018 schätzte der damalige Sondergesandte der Vereinten Nationen für Syrien, Staffan de Mistura (aktuell: Geir Pedersen), dass seit Beginn des Krieges rund 500.000 Menschen getötet wurden. Nach Angaben des UNHCR haben bis Januar 2019 rund 6,7 Millionen Menschen das Land verlassen. Die meisten von ihnen befinden sich in den angrenzenden Staaten: Türkei, Libanon und Jordanien.

Mehr als eine Million syrischen Kriegsflüchtlinge sind nach Europa gekommen – von ihnen leben rund 770.000 Menschen in Deutschland, prägend für die europäische Geflüchtetenpolitik war sicherlich das Jahr 2015. In Österreich wurden im Jahr 2021 bis Ende September rund 23.000 Asylanträge gestellt.

Von Wolfgang Wonesch

Auch interessant

Kommentare