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Russland greift Ukraine an: Putin warnt andere Länder davor, sich in den Krieg einzumischen

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Hunderte Ukrainer:innen und ihre Unterstützer:innen nehmen in London an einer Demonstration vor der russischen Botschaft teil.
Hunderte Ukrainer:innen und ihre Unterstützer:innen nehmen in London an einer Demonstration (links) vor der russischen Botschaft teil. © AP/Collage

Anwohner:innen fliehen aus den Grenzgebieten in der Ukraine: „Ich verstehe nicht, wie so etwas im 21. Jahrhundert passieren kann.“

Eine Reihe von Explosionen traf mehrere Städte in der Ukraine am frühen Donnerstag, nur kurz nachdem der russische Präsident Wladimir Putin eine militärische Operation gegen das Land angekündigt hatte. Der Angriff soll die ukrainische Regierung und die Truppen zur Kapitulation zwingen.

Das Innenministerium der Ukraine bestätigte zu dem Zeitpunkt, dass „Geschosse gerade das Zentrum der militärischen Administration, Flugplätze, Militärdepots in Kiew, Charkiw und Dnipro“ getroffen hätten. Artilleriefeuer wurde auch in Grenzgebieten gemeldet. Später am Morgen kündigte die ukrainische Armee auf Facebook an, dass fünf russische Flugzeuge und Helikopter über der Luhansk-Region abgeschossen worden waren.

Krieg in der Ukraine: Himmel färbte sich am Morgen orange

In Kramatorsk, einer Stadt mit 150.000 Einwohner:innen, die etwa 50 Kilometer westlich der Front in der Donetsk-Region liegt, färbte sich der Himmel nach mehreren Explosionen kurz vor 5 Uhr am Morgen orange. Die ukrainische Armee erklärt, dass die Geschosse den Flughafen 2000 Fuß (0,61 Kilometer) südostlich des Stadtzentrums getroffen hatten.

In Charkiw, einer Millionenstadt rund 160 Kilometer weiter nördlich, nahe der russischen Grenze, sagen drei Anwohner:innen in einer Reihe von Textnachrichten an BuzzFeed News, dass sie kurz vor dem Morgengrauen von einer Reihe von Explosionen geweckt wurden. „Wir verlassen wahrscheinlich die Stadt“, schreibt eine Frau, die ihren Namen lieber geheim halten will. „Ich verstehe nicht, wie so etwas im 21. Jahrhundert passieren kann.“

Ein gepanzertes Fahrzeug fährt am 24. Februar 2022 über die Straße in Kramatorsk, Ukraine
Ein gepanzertes Fahrzeug fährt am 24. Februar 2022 über die Straße in Kramatorsk, Ukraine © Pete Kiehart für BuzzFeed News

Als die Sonne über mehreren Rauchschwaden in der Ferne aufging, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Twitter, dass die Anwohner:innen nicht in Panik verfallen sollen und dass die ukrainischen Streitmächte ihre eigenen Verteidigungsmaßnahmen begonnen hätten. Das ukrainische Innenministerium erklärt, dass die Grenze von Militärkräften aus Russland und Belarus gegen fünf Uhr am Morgen mit Artillerie, schwerem Geschütz und auch kleinen Waffen angegriffen wurde und dass man zu diesem Zeitpunkt noch keine Angaben zu Opfern machen könne (Anm. d. Red.: seit Veröffentlichung des Artikels wurde bestätigt, dass es bereits mehrere Tode gegeben hat). Der Grenzschutz der Ukraine veröffentlichte Videomaterial davon, wie russische Streitkräfte von der nördlichen Krim her angreifen.

Die Eskalation der militärischen Aktion kommt wenige Tage nachdem Putin Weltführer:innen trotzte und gegen alle Warnungen russische Truppen in die östliche Ukraine beorderte, womit er tausende von Leben in Gefahr brachte. In den Stunden vor Tagesanbruch am Donnerstag vernahmen BuzzFeed-News-Reporter:innen vor Ort schwere Explosionen in der östlichen Stadt Kramatorsk und nahe Charkiw, der zweitgrößten Stadt in der Ukraine. Es gibt weitere Berichte von Explosionen nahe Kiew, der ukrainischen Hauptstadt, unter anderem am Boryspil International Airport, wie Videos und Audio-Clips aus den sozialen Medien zeigen.

Kurz nach dem Morgengrauen sahen BuzzFeed-News-Reporter über der Stadt Kramatorsk etwas, das wie zwei ukrainische Kampfjets aussah. Dreimal wurde die Stadt umflogen und mindestens zwei Explosionen folgten. Der Außenminister der Ukraine, Dmytro Kuleba, nennt die Aktion „eine großflächige Invasion der Ukraine“. „Friedliche ukrainische Städte werden angegriffen“, sagt er. „Das ist ein Krieg der Aggression. Die Ukraine wird sich verteidigen und sie wird siegen. Die Welt kann und muss Putin stoppen. Die Zeit zum Handeln ist jetzt.“

Als die Nachrichten von militärischen Aktionen herauskamen, veröffentlichte der amerikanische Präsident Joe Biden ein Statement und sprach von einer „provokanten und ungerechtfertigten Attacke durch die russischen militärischen Streitkräfte.“ „Präsident Putin hat sich für einen vorsätzlichen Krieg entschieden, der katastrophale Verluste von menschlichem Leben und großes menschliches Leid bringen wird“, so Biden weiter. „Russland allein ist verantwortlich für den Tod und die Zerstörung, die diese Attacke mit sich bringen wird, und die Vereinigten Staaten und die Alliierten werden in einer geeinten und entschiedenen Art reagieren. Die Welt wird Russland zur Verantwortung ziehen.“

Der russische Präsident Wladimir Putin am 23. Februar 2022 in Moskau
Der russische Präsident Wladimir Putin am 23. Februar 2022 in Moskau © AP/Alexei Nikolsky

Krieg in der Ukraine: Putin fordert von ukrainischen Streitkräften, Waffen niederzulegen

In seiner Ansprache drängte Putin die ukrainischen Streitkräfte dazu, die Waffen niederzulegen und warnte andere Länder, dass jeder Versuch, das russische Militär zu beeinflussen, zu „Konsequenzen von ungesehenem Ausmaß“ führen würde. An diesem Montag, 21. Februar, erkannte Putin die „Unabhängigkeit“ der Donezk- und Luhansk-Regionen an - zwei Gebieten, die eigentlich zur Ukraine gehören, aber von Russland im Krieg der vergangenen acht Jahre übernommen wurden. Putin, der auf falsche und ungeprüfte Nachrichten von angeblicher ukrainischer Aggression reagiert, sandte daraufhin seine Truppen zu „Friedensmissionen“ in die beiden Gebiete.

In seiner eigenen Erklärung im Laufe der Nacht sagte der ukrainische Staatspräsident Selensky, dass sein Land eine friedliche Lösung bevorzuge, aber auch, dass man sich verteidigen werde: „Wenn ihr uns angreift, werdet ihr nicht unsere Rücken sehen.“ Auch Biden verspricht „weitere Konsequenzen“ gegen Russland. Er trifft sich am Donnerstagmorgen mit anderen Weltführer:innen, um die Entwicklungen zu besprechen. Die Konsequenzen kommen zusätzlich zu den bisher geplanten Sanktionen, die die USA und Europa bereits beschlossen haben. Der Sicherheitsrat der UN trifft sich auf Wunsch der Ukraine ebenfalls zu einem Notfalltreffen.

Die Autoren dieses Textes sind die US-Reporter Christopher Miller und Jason Wells. Der Artikel erschien am 24. Februar 2022 auf buzzfeednews.com. Er wurde aus dem Englischen übersetzt von Mika Engelhardt.

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