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Wir haben einen Arzt gefragt, wie ein Mensch mit einem Schweineherz leben kann

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Von: Christian Kisler

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Schweineherz-Transplantation
Einem Transplantationsteam in den USA ist es gelungen, einem Patienten ein genetisch modifiziertes Schweineherz einzupflanzen. © Tom Jemski/University of Maryland School of Medicine/dpa

Erstmals ist einem Menschen das Herz eines Schweins eingepflanzt worden. Wir haben den Leiter der Herzchirurgie des AKH gefragt: Wie lebt es sich damit?

Was nach dem Plot eines weniger gelungenen Medizin-Thrillers klingt, ist Chirurg:innen an der medizinischen Fakultät der Universität Maryland tatsächlich gelungen. Dem 57-jährigen David Bennett wurde ein Schweineherz eingesetzt. Damit es nicht sofort vom Körper des Patienten abgestoßen würde, handelte es sich bei dem Tier um ein genverändertes. Acht Stunden dauerte der Eingriff, die Operation war dann aber schließlich erfolgreich.

„Diese Organtransplantation zeigte zum ersten Mal, dass das Herz eines genetisch modifizierten Tiers wie ein menschliches funktionieren kann, ohne vom Körper sofort abgestoßen zu werden“, hieß es in einer offiziellen Aussendung des Spitals. Die doch recht ungewöhnliche Methode wurde deswegen angewandt, weil der schwerkranke Bennett für eine herkömmliche Transplantation nicht zugelassen wurde. Vorgenommen wurde der Eingriff bereits am Freitag, seitdem geht es dem Patienten den Umständen gut.

Früher wurden Affenherzen transplantiert - ohne Erfolg

Die Transplantation eines tierischen Organs ist keine neue Idee. Erst im Herbst 2021 wurden Schweinenieren eingepflanzt, ebenfalls in Maryland. Mit tierischen Herzen forscht man noch viel länger, erklärt Andreas Zuckermann, Leiter der Herzchirurgie des AKH Wien: „Bevor man menschliche Herzen transplantieren konnte, hat man das in den 1960er Jahren mit Affenherzen versucht. Das hat aber nie wirklich funktioniert, weil die Medikamente damals noch nicht so ausgereift waren wie heute. Der letzte Fall, bei dem ein tierisches Herz transplantiert wurde, war 1984, als Ärzt:innen Baby Fae ein Pavianherz einsetzten. Das hat aber leider nur sehr kurz überlebt.“

Auch aus ethischen Gründen und der schwindenden gesellschaftlichen Akzeptanz wurde das Einsetzen von Affenherzen abgeschafft. Nicht zuletzt deshalb, weil die meisten Arten, die sich dafür geeignet hätten, vom Aussterben bedroht waren. Daraufhin wurde an Schweinen geforscht. „Das Problem ist, dass das Schwein nur sehr fern mit uns verwandt ist. Beim Menschen gibt es bestimmte Abwehrstoffe, eine natürliche Barriere“, so Zuckermann. „Man hat also sehr viel Anstrengungen an den Tag legen müssen, das Schweinegewebe genetisch zu manipulieren, damit es für den Menschen besser verträglich ist.“

Schweineherzen sind so groß wie menschliche Herzen

Warum dann überhaupt Schweineherzen? „Da geht es auch um die Anatomie. Das Schweineherz ist von der Größe und wie es gelegen ist, dem menschlichen noch am ähnlichsten“, weiß Zuckermann. „Das Herz ist ja ein Muskel, und dieser Muskel muss den menschlichen Kreislauf versorgen können. Es ist eine Pumpe, die fünfeinhalb bis sechs Liter pro Minute pumpen muss. Es handelt sich also um speziell gezüchtete Schweine, deren Herzen die Größe und die Eigenschaften haben, den Menschen mit Blut zu versorgen.“

Wie ist es nun, mit einem Schweineherzen zu leben? Wie mit einem menschlichen Spenderherz? „Nein, sicher nicht. In Österreich können wir Patient:innen eine 75-prozentige Überlebenschance von zehn Jahren anbieten. Manche leben seit 30 Jahren damit. Das ist in diesem Fall unwahrscheinlich. Die Medikamente, die der Patient bekommt, sind stärker, sie werden auf lange Sicht zu Kollateralschäden führen. Man muss abwarten, wie sich das in den nächsten Wochen, Monaten und hoffentlich Jahren entwickeln wird.“

Die Transplantation von Schweineherzen hilft gegen den massiven Organmangel

Für die Zukunft ist die Transplantation aber durchaus eine Möglichkeit, die Betroffene in Betracht ziehen könnten. „Ich glaube, dass das eine erfolgversprechende Therapie sein wird. So kann der massive Organmangel reduziert werden und damit auch die Sterblichkeit auf der Warteliste“, so Zuckermann. „Auf der anderen Seite darf man nicht vergessen, dass es technische Entwicklungen wie das Kunstherz, ein mechanisches Herz, gibt. Man wird schauen müssen, welche Therapieform für welchen Patient:innen am geeignetsten ist. Es gibt damit jedenfalls eine weitere Möglichkeit, Menschen vor einem sicheren Herztod zu bewahren - sofern sie das wollen.“

David Bennett, der erste Mann mit einem Schweineherz, wollte das jedenfalls so. „Ich hätte entweder sterben oder diese Transplantation vornehmen können. Ich will leben. Ich weiß, es ist ein Schuss ins Blaue, aber es ist meine letzte Chance.“ sagte er der Universität von Maryland zufolge nach dem Eingriff.

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