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„Ich wollte nie Berufspolitiker werden“: Sebastian Kurz gibt erstes TV-Interview seit Rücktritt

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Von: Johannes Pressler

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Nahe Gesichtsaufnahme von Sebastian Kurz.
Ex-Kanzler Sebastian Kurz gab „Servus TV“ sein erstes TV-Interview seit dem Rücktritt im Dezember 2021. © Joe Klamar/AFP/APA-PictureDesk

In der ServusTV-Dokumentation „Kurz mal weg“ hatte Sebastian Kurz seinen ersten TV-Auftritt seit seinem Politikrückzug. Kritisch hinterfragt wurden seine teils fragwürdigen Aussagen jedoch kaum.

161 Tage ist es her, als Sebastian Kurz der Politik den Rücken kehrte. Bundeskanzler, ÖVP-Chef, Außenminister, Staatssekretär. Kaum ein Politiker prägte die letzten rund zehn Jahre so sehr wie der gebürtige Wiener. Viel wurde und wird immer noch über die Politik von Kurz diskutiert, die Volkspartei kämpft heute noch mit dem Erbe des Altkanzlers. Er selbst verhielt sich im letzten halben Jahr relativ ruhig - bis jetzt. Vor wenigen Tagen ein Interview in der Boulevardzeitung „Kronen Zeitung“, zudem die Zusage, beim anstehenden ÖVP-Parteitag aufzutreten. Und nun auch noch der erste offizielle Auftritt im Fernsehen.

„Kurz mal weg“: Erstes TV-Interview von Ex-Kanzler Kurz

Übertragen wurde die Dokumentation „Kurz mal weg“ auf ServusTV. Das ist der Privatsender, gegründet von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz. Aufgefallen sind ServusTV und Senderchef Ferdinand Wegscheider in den letzten Jahren vor allem mit einer großteils rechten Ausrichtung. Unwahre Verschwörungstheorien - vor allem zum Coronavirus - erhielten in dem Privatsender immer wieder eine viel zu große Bühne. Kritisiert wurden dabei vor allem die eher linken Parteien, der ÖVP und FPÖ gegenüber zeigte sich ServusTV von einer unkritischeren Seite. So auch am Dienstagabend (11. Mai) in der exklusiven Dokumentation über den Ex-Kanzler.

Der Rückblick auf zehn Jahre in der Politik zeigt Sebastian Kurz vor allem von einer erfolgreichen Seite mit seinen Wahlerfolgen und zahlreichen internationalen Auftritten. Teilweise werden auch schwierigere Themen behandelt, wie seine Gespräche mit Wladimir Putin über die Ukraine-Krise im Jahr 2014 oder die Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) gegen den damals noch aktiven Politiker. So seien die Korruptionswürfe laut Kurz „von den Grünen damals genutzt worden, um der ÖVP und mir dieses Ultimatum zu stellen“.

Das Problem daran: Kritisch hinterfragt werden die Aussagen kaum bis gar nicht. In der Langversion des Interviews, die man sich in der Mediathek des Privatsenders ansehen kann, werden überhaupt nur Kurz-Zitate bzw. Themenbereiche eingeblendet, die restliche Zeit spricht einzig und allein der ehemalige ÖVP-Chef, gegen den von der WKStA immer noch ermittelt wird. Mit einem kritisch, aber fair geführten Interview - wie etwa in der „ZIB 2“ bei Armin Wolf - kaum zu vergleichen und einem österreichischen TV-Sender schlichtweg nicht würdig.

Kurz über mögliches Comeback: „Ich hatte meine Dosis an Politik“

Viel debattiert wurde in den letzten Tagen über ein mögliches Politik-Comeback von Sebastian Kurz - insbesondere seit seiner doch recht überraschenden Zusage zum ÖVP-Parteitag am 14. Mai in Graz. Zudem wurde der Ex-Kanzler in den letzten Wochen wieder aktiver auf seinen Social-Media-Accounts und bedankte sich etwa bei den beiden Ex-Ministerinnen Elisabeth Köstinger und Margarete Schramböck für die Zusammenarbeit. Als nächster Schritt also vielleicht doch wieder die Übernahme der Volkspartei? „Bin noch immer da, aber nicht mehr in der Politik. Das bleibt auch so. Für immer“, sagte Kurz gegenüber ServusTV. Seine Zukunft sehe er in der Privatwirtschaft, denn seine „Dosis an Politik“ habe der Altkanzler bereits gehabt. Wenn jemand seinen politischen Auftrag für das Land nur als „Dosis“ sieht, ist das wohl auch gut so.

Bereits während seiner Zeit als amtierender Bundeskanzler sorgte Sebastian Kurz für die ein oder andere umstrittene Aussage. BuzzFeed Austria hat 14 davon gesammelt, die sehr schlecht gealtert sind.

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