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„Es ist wichtig, auch gute Zeiten zu haben“: Was wir in Sachen Self Care gegen all die Krisen tun können

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Von: Christian Kisler

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Montage: Junge Frau sitzt auf dem Boden mit Kopf in den Händen verraben, Menschen bilden ein Herz aus Kerzen für die Ukraine
Krisen überall überfordern viele. Selbstfürsorge ist wichtig, da hilft etwa demonstrieren. © YAY Images/photonews.at/Imago/BuzzFeed Austria

Die allgemeine Lage ist alles andere als rosig. Krieg in der Ukraine, Klimakrise, COVID-19-Pandemie. Für viele wird das langsam zu viel. Wir haben eine Psychologin gefragt, was wir in Sachen Self Care, also Selbstfürsorge machen können.

Der Legende nach lautet ein chinesischer Fluch: Mögest du in interessanten Zeiten leben. Und du meine Güte, das tun wir. Vor kurzem erst hat sich der erste pandemiebedingte Lockdown zum zweiten Mal gejährt. Die Klimakrise lässt sich ohnehin seit Jahren nicht mehr leugnen. Und als wäre das alles nicht genug, führt Wladimir Putin im Namen Russlands einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, der bis dato drei Millionen Menschen in die Flucht getrieben hat. Schreckensmeldungen den ganzen Tag über sind vielen zu viel, sie geraten in eine persönliche Krise. BuzzFeed Austria hat die klinische und Gesundheitspsychologin Caroline Erb gefragt, was wir in Zeiten wie diesen in Sachen Self Care oder Selbstfürsorge machen können.

Die klinische und Gesundheitspsychologin Caroline Erb im Porträt.
Die klinische und Gesundheitspsychologin Caroline Erb hat in Sachen Selbstfürsorge einige Tipps parat. © Alex Gotter/parship.at

Caroline Erb im Interview mit BuzzFeed Austria

Warum fühlen sich gerade viele unwohl und überfordert?

Aufgrund der aktuellen Situation verspüren viele Menschen ein diffuses Gefühl: Es gibt etwas Unbekanntes, etwas Unkontrollierbares. Der Krieg in der Ukraine, die Klimakrise, nach wie vor die Pandemie: All das zusammen macht den Menschen Angst, macht sie aber auch wütend. Man muss auf die Art und Weise aufpassen, wie man Medien konsumiert, dass man nicht in eine Negativspirale gerät. Wenn ich das Gefühl habe, ich wache mit einer Flut an Bildern und Informationen auf und das ist wiederum das Letzte, das ich sehe, wenn ich schlafen gehe, dann ist es ratsam, irgendwann einen Cut zu machen. Ich bin prinzipiell ein Fan von Ingeborg Bachmanns Zitat: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“. Und ich bin eine Freundin des Hinschauens, der gezielten Information und der seriösen Informationsquelle.

Was kann ich konkret zur Selbstfürsorge machen, im Alltag, im Berufsleben, in der Freizeit?

Jede:r von uns muss eine gesunde Dosis finden, dass es nicht zu viel wird. Es ist wichtig, trotz dieser Abscheulichkeiten eine gute Zeit zu verbringen: Mit Freund:innen zu lachen, mit Kindern zu spielen, sich freuen, wenn die ersten Blumen blühen. Das Erleben von etwas Schönem, das ist ganz wichtig. Bei all dieser Information, die real ist und bei der ich auch hinschauen sollte, muss ich mir erlauben, schöne Dinge wahrzunehmen, etwas zu erleben, Dinge schaffen. Stichwort: Selbstfürsorge. Da helfen oft Sport, soziale Kontakte, Hobbys nachgehen. Ganz wichtig ist auch das Thema des Mitgefühls, der Empathie. Es tut gut, wenn ich von der Hilflosigkeit wegkomme und ins Tun gehe, aktiv etwas mache. Mithelfen, spenden, an einer Hilfsorganisation teilhaben, selbst etwas organisieren, zu Demonstrationen gehen et cetera.

Wieso ist es überhaupt wichtig, manche Dinge mit einigem Abstand zu betrachten?

Wir haben ein persönliches Wertesystem, das als Anker dienen kann, einen persönlichen Kompass. Das gibt Halt und Struktur. Routine und Struktur sind wichtig, um den Alltag gut bewältigen zu können. Dass ich weiß, was ich zu tun habe, damit ich nicht das Gefühl habe, es zieht mir den Boden unter den Füßen weg. Bei aller Aufwühlung alles einmal sacken lassen. Ich sehe das auch bei jungen Menschen bei mir in der Praxis: die Pandemie, die Klimakrise, der schreckliche Krieg nebenan, von dem man nicht weiß, wie er weitergehen soll, in welche Bereiche er noch überschwappt oder nicht. Das verursacht bei vielen eine Art Dauerstress, bis hin zu Schlafstörungen und Angststörungen.

Wie kommt man aus einer Negativspirale wieder raus?

Wichtig ist das Teilen, über die Sorgen und Ängste reden, über negative Gefühle sprechen können. Jedes Leid ist natürlich individuell. Indem ich auf mich schaue und eine Art der Selbstfürsorge betreibe, habe ich mehr Kraft, für andere da zu sein, die Hilfe brauchen. Das hat den positiven Effekt, dass ich meine:n Partrner:in oder meine Kinder trösten kann, dass ich Zuversicht ausstrahle, an einer Hilfsorganisation teilnehmen kann. Das eine geht ins andere über.

Auch Kollegin Pia hat sich hinsichtlich des Kriegs in der Ukraine auf Lösungswege konzentriert und unter anderem erklärt, wie man Doomscrolling vermeiden kann.

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