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Massenhaft geklaute Designs? Shein hat dutzende Klagen am Hals

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Von: Jana Stäbener

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Bekleidungsunternehmen Shein eröffnet Pop-up-Store in Spanien.
Shein verkaufte in Madrid Anfang Juni 2022 einige Tage lang Klamotten in einem Pop Up Store. © Alberto Ortega/dpa

Klamotten von Shein sind günstig, trendy – und geklaut? Das Ultra-Fast-Fashion-Unternehmen kopiert angeblich regelmäßig die Designs anderer Modemarken.

Die Klamotten-Marke Shein ist beliebt: Sie mauserte sich in den vergangenen Jahren zu einem Unternehmen, das mittlerweile mit mehr als 100 Milliarden Dollar bewertetet wird. Gerade viele junge Menschen bestellen regelmäßig beim Mode-Gigant, bei dem T-Shirts gerade einmal um die sechs Euro kosten. Sie posten ihre Einkäufe auf TikTok unter dem Hashtag #Sheinhaul und vergessen die bittere Wahrheit hinter dem Fast-Fashion-Trend #Sheinhaul auf TikTok. Einer Recherche von PublicEye zufolge sind die Arbeitsbedingungen in den Fabriken von Shein mehr als fragwürdig: Näherinnen arbeiten mehr als 75 Stunden pro Woche ohne Arbeitsvertrag oder Sozialleistungen.

Dass die Arbeitsbedingungen bei Shein so schlecht sind, verwundert dann nicht, wenn man sich den enormen Output von 7000 neuen Produkten anschaut, die täglich in den Online-Shop gestellt werden. Kund:innen bei Shein bekommen jeden Tag aufs Neue die angesagtesten Klamotten zu sehen – viele erinnern dabei an Designs anderer Marken. Shein sammelte in den vergangenen Jahren dutzende von Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen, behauptet jedoch, dass jegliche Verstöße nicht vorsätzlich begangen wurden.

Shein kopiert offenbar Designs von kleinen Unternehmer:innen und großen Moderiesen

Anfang Juli berichtete das Wallstreet Journal, dass Shein und seine in Hongkong ansässige Partnerfirma Zoetop Business Co. in den vergangenen drei Jahren mindestens 50 Klagen in den USA sammelte, die sich um Verletzung von Warenzeichen oder Urheberrechten drehten. Kläger:innen seien sowohl kleine Unternehmer:innen als auch Moderiesen wie Ralph Lauren gewesen. Auf Social Media beschwerten sich immer wieder Designer:innen, dass ihre Designs einfach bei Shein auftauchten. So auch @therese_nothing, eine Künstlerin aus der Nähe von Wuppertal, die ihren Streit mit Shein in einem Instagram-Post erklärt (siehe unten).

Auch dieses kleine Fashion-Start-up beschwert sich über Urheberrechtsverletzungen – es geht um einen Nippel-Bikini, den Kylie Jenner offen auf Instagram zur Schau stellt.

Laut Wallstreet Journal verklagte im März die Marke „Stussy Inc“ Shein, weil der Online-Shop Produkte verkaufte, die mit dem „Stussy“-Logo bedruckt waren. Damals wehrte sich Shein jedoch: „Es ist nicht unser Ziel oder Geschäftsmodell, das geistige Eigentum anderer zu verletzen“, sagt ein Sprecher von Shein in einem Statement. Das Unternehmen sagt, die Zulieferer hätten die Verantwortung, sich an die Regeln zu halten und nicht die Urheberrechte Dritter zu verletzen. Man wolle der Sache auf den Grund gehen und den Produkt-Feedback-Prozess überarbeiten.

Shein „bei Design-Klau unter den ‚üblichen Verdächtigen‘“

Urheberrechtsverletzungen sind in der Modeindustrie keine Seltenheit. Trotzdem knackte Shein laut Wallstreet Journal Rekorde in diesem Bereich. Seit 2019 habe die Marke in zehnmal so vielen Fällen wegen Verletzungen des Urheberrechts vor Gericht gestanden als beispielsweise andere Fast-Fashion-Unternehmen wie H&M.

„Shein ist einer von mehreren Ultra-Fast-Fashion-Anbietern, die bei Design-Klau unter den ‚üblichen Verdächtigen‘ sind“, sagte Susan Scafidi zum Wallstreet Journal. Sie ist Professorin an der Fordham Justiz Universität und gründet das Institut für Moderecht-. Sie glaubt, für solche Unternehmer wie Shein, seien Design-Klagen bereits in das Geschäftsmodell einkalkuliert.

Dass die Marke Shein so erfolgreich ist, könnte auch am pandemischen Zeitalter des Online-Shoppings liegen. Hier machen auch Mikro-Kreditgeber eine Menge Geld: Die Rede ist von Klarna – der Bezahldienst wird auf TikTok gefährlich unterschätzt.

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