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Ein Gericht in Graz hat „Long Covid“ jetzt erstmals rechtlich anerkannt

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Von: Johannes Pressler

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Porträt einer einsamen Frau mit mundschutz hinter einem Fenster.
Das Sozialgericht Graz hat „Long Covid“ erstmals rechtlich anerkannt. (Symbolbild) © Rolf Kremming/Imago

Eine Erkrankung am Coronavirus kann gesundheitliche Langzeitfolgen haben. Das Sozialgericht Graz hat das nun erstmals auch rechtlich anerkannt.

Erst am Freitag (18. März) gab es laut dem Gesundheits- und Innenministerium 51.112 Neuninfektionen. Viele davon werden die Coronakrankheit nach ein bis zwei Wochen mit einem „milden Verlauf“ halbwegs gut überstanden haben. Ein Nacheffekt, der aber immer noch stark unterschätzt wird, ist „Long Covid“. Atembeschwerden, Erschöpfung und eine geringere Leistungsfähigkeit sind ein paar der gesundheitlichen Langzeitfolgen, die durch eine starke Coronaerkrankung entstehen können. Laut Statistiken betrifft das rund zehn bis 20 Prozent der COVID-19-erkrankten Menschen.

Sozialgericht in Graz: „Long Covid“ erstmals rechtlich anerkannt

Für viele Menschen mit „Long Covid“-Symptomen führen diese Nacheffekte zu Problemen in ihrem Beruf. Da wäre zum Beispiel Maarte Preller. Die 33-Jährige arbeitet als medizinische Masseurin in Graz. Schon im März 2020 infizierte sie sich mit dem Coronavirus. Nach der ursprünglichen Erkrankung kämpfte sie insbesondere im Sommer 2020 mit anhaltender Müdigkeit und Erschöpfung, wie die Frau der Tageszeitung „Heute“ schilderte. Ein klassischer Fall von „Long Covid“, der letztendlich dazu führte, dass Preller nicht mehr anständig ihren Beruf ausüben konnte und die Frau für mehrere Monate in den Krankenstand gehen musste.

Nach ein paar Monaten Krankenstand wurde dieser von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) nicht verlängert, obwohl es der 33-Jährigen noch nicht wirklich besser ging. Preller musste also plötzlich Arbeitslosengeld und die Notstandshilfe beziehen. Nachdem sie sich mittlerweile mehr als eineinhalb Jahre dafür eingesetzt hatte, dass das Ganze so nicht in Ordnung war, scheint nun ein erster Erfolg erreicht zu sein. Das Sozialgericht in der steirischen Hauptstadt gab Preller nämlich recht. Der Weg dorthin war allerdings alles andere als einfach.

„Long Covid“-Patientin: „Man muss sich in dem Antragsprozess um vieles selbst kümmern“

Besonders kritisiert hat Maarte Preller die ÖGK und die Pensionsversicherungsanstalt (PVA). Hier hätte es gegenüber der „Long Covid“-Patientin nämlich viel Unverständnis für die Erkrankung gegeben. Für die Betroffene war es ein schwieriger und langer Weg bis zum nunmehrigen Urteil. In dem ganzen Antragsprozess hätte man sich um vieles selbst kümmern müssen, wie sie gegenüber der „Kleinen Zeitung“ sagte: „Oft hat man auch das Gefühl, sehr herablassend behandelt zu werden. Das alles führt zu Stress und dieser wiederum zu einer Verschlechterung der Symptomatik.“

Das Urteil des Sozialgerichts Graz, „Long Covid“ als Grund für Berufsunfähigkeit anzuerkennen, ist der erste bekannte Fall dieser Art in ganz Österreich. Viele weitere Klagen von betroffenen Menschen sind noch nicht geklärt. Nach dem Fall von Mirjam Preller können sie aber durchaus mit Optimismus in ihre jeweiligen Prozesse gehen.

Die Corona-Lage in Österreich ist selbst zwei Jahre nach dem ersten Lockdown immer noch sehr ernst. Den neuen Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) erwarten viele, viele Baustellen. Wer der Mann ist, der nun für das Pandemie-Management in Österreich verantwortlich ist, das hat sich BuzzFeed Austria genauer angesehen.

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