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„Sie geben sich nicht so schnell zufrieden“: Warum Österreichs Jugend besonders pessimistisch ist

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Von: Sophie Marie Unger

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Jugendliche stehen auf einem Balkon und sehen in die Ferne.
Warum schaut Österreichs Jugend nicht so optimistisch in die Zukunft? © Unsplash

Die Stimmung bei jungen Menschen ist gerade nicht so top. Das bestätigt nun auch eine neue Studie vom Beratungsunternehmen Deloitte.

Überraschend ist es ja nicht gerade, bei all dem was sich zurzeit rund um uns abspielt. Doch wie in vielen Fällen sind österreichische Jugendliche beim Blick in ihre Zukunft besonders pessimistisch. Im Zuge einer großangelegten Studie, bei der insgesamt 23.000 Millennials und GenZs weltweit befragt wurden, zeichnete sich bei den 500 befragten Österreicher:innen ein besonders düsteres Bild ab. Doch was stresst uns am meisten, wie sehen mögliche Folgen aus und warum sind wir im Vergleich zu anderen Ländern pessimistischer?

Klimakrise und Lebenshaltungskosten sind die größten Sorgen

Fast zwei Drittel der Befragten in Österreich sind der Ansicht, dass sich die Welt am kritischen Wendepunkt befindet, um noch rechtzeitig auf die Klimakrise zu reagieren. Damit ist sie auch die größte Sorge, die sich unter Jungen derzeit ausbreitet. Verstärkt wird das Ganze noch durch die politische Unzufriedenheit, die sich vor allem in den vergangenen Jahren breit gemacht hat. Nur fünf Prozent glauben nämlich, dass Österreichs Regierung sich ausreichend für die Bekämpfung der Klimakrise einsetzt. Die gestiegenen Lebenshaltungskosten machen uns auch enorm zu schaffen. Nur die Hälfte der Befragten kann ihre monatlichen Kosten bequem abdecken und nur fast 40 Prozent nehmen an, dass sie eine sichere Pensionsvorsorge haben werden.

Die Arbeitssituation ist angespannt

Das hat natürlich direkte Auswirkung auf das Berufsleben der jungen Menschen. „Die jungen Generationen glauben nicht mehr daran, dass sie sich mit ihrer Erwerbsarbeit auch mittel- und langfristig finanziell absichern können. Die Erfahrung von Ungleichheit nimmt zu. Vor diesem Hintergrund kommt es zu einer massiven Veränderung der Wertewelt in Bezug auf Arbeit und Engagement“, hält Elisa Aichinger, Partnerin bei Deloitte Österreich fest. Was bleibt ist also schwindende Loyalität und Unzufriedenheit.

Fast 40 Prozent der befragten GenZs wollen ihren Arbeitsplatz in den nächsten zwei Jahren aufgeben, 39 Prozent würden dies sogar tun, ohne einen neuen Job in Aussicht zu haben. Dinge, die laut Jungen von Arbeitgeber:innen zunehmend vernachlässigt werden, sind faire Bezahlung, hybride Arbeitsformen, die Möglichkeit zum Mitgestalten und flexible Arbeitszeiten. Das betonen auch Expertinnen, die im Interview mit BuzzFeed Austria aufzeigen, dass fixe Arbeitszeiten, vorgeschriebene Aufgaben und hoher Leistungsdruck einfach nicht mehr tragbar sind. Denn das verursache Angst vor zu viel Stress und die Gefahren eines Burnouts. „Die Unternehmen sollten diese Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen als Alarmzeichen und Chance zugleich sehen“, erklärt Anna Nowshad, Partnerin bei Deloitte.

Warum sind Österreicher:innen pessimistischer?

Die Studie hat auch gezeigt, dass junge Österreicher:innen durchschnittlich pessimistischer sind. Wir haben Psychologen Felix Neuritt darüber befragt, warum das so ist und was uns unterscheidet. Grundsätzlich müsse man zwischen Pessimismus und dem uns immer wieder vorgehaltenen Grantler-Status unterscheiden. Und auch innerhalb des Pessimismus gibt es verschiedene Stadien, die nicht immer gleich Schlechtes bedeuten. Bei den jungen Österreicher:innen stehe nicht so sehr das Beschweren, als der analytische Pessimismus im Vordergrund.

„Österreichische Jugendliche zeichnen sich allgemein durch die Fähigkeit aus, analytisch zu denken, nachzuhaken und Fehler zu finden“, so Neuritt. Das sei vor allem darauf zurückzuführen, dass die meisten Jungen hierzulande gut gebildet sind, was auch eine OECD-Studie bestätigt hat. „Sie geben sich einfach nicht so schnell zufrieden und das ist ja eigentlich auch eine gute Sache“, so Neuritt.

Das persönliche Engagement ist groß

Das spiegelt sich auch in weiteren Erkenntnissen der Studie wider. Und zwar in der Tatsache, dass die Bereitschaft, sich persönlich zu engagieren, sehr hoch: Mehr als die Hälfte sagt, dass sie konsequent daran arbeitet, sich klimafreundlich zu verhalten. Und sie stellen diese Forderung auch an ihre Arbeitgeber:innen: 38 Prozent der GenZs und 21 Prozent der Millennials meinen, sie üben Druck auf ihre Arbeitgeber:innen aus, sich stärker für Nachhaltigkeit zu engagieren. „Sie sind bereit, aktiv an Veränderungen zu arbeiten, wenn sie Sinn darin erkennen. Die Unternehmen müssen verstärkt diesen Sinn liefern und ihren gesellschaftlichen Mehrwert zeigen“, sagt auch Anna Nowshad. Der Ball liegt somit vor allem bei den Arbeitgeber:innen, welche sich diese Studie also besonders zu Herzen nehmen sollten.

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