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Studie: Frühere Tuberkulose-Erkrankung könnte vor Corona schützen

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Von: Nils Tillmann

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Eine medizinische Mitarbeiterin pflegt eine Person mit Covid-19-Erkrankung.
Eine medizinische Mitarbeiterin pflegt eine Person mit Covid-19-Erkrankung. © Gaetan Bally/dpa

Warum sind manche Menschen immun gegen das Coronavirus? Eine neue Studie zeigt, dass eine vorherige Erkrankung an Tuberkulose eine Rolle spielen könnte.

Nach zwei Jahren Pandemie scheint ein Ende des Coronavirus noch immer nicht in Sicht zu sein. Es bleiben die Fragen offen, was man neben dem Impfschutz tun kann, um die Ausbreitung zu stoppen und wie man die Folgen des Virus minimieren kann. Gerade die Frage, warum manche Menschen sich leichter oder weniger leicht mit Corona infizieren, wird bereits seit einer Weile diskutiert. Ein Forschungsteam der Ohio State University widmete sich nun diesem Thema.

Die Frage, die sich die Forschenden stellten: Wie kommt es, dass es in Ländern mit einer höheren Quote an Tuberkuloseerkrankungen scheinbar eine geringere Todesrate bei Coronafällen gibt? Die Verbindung erscheint zunächst absurd. Beide Krankheiten greifen die menschliche Lunge an, sind sie im biologischen Sinne aber nicht verwandt. Die Proteine, die beide Krankheiten zur Ansteckung nutzen, sind vollkommen unterschiedlich. Dennoch: In Laborversuchen mit Mäusen zeigte sich, dass Versuchstiere, die zuvor mit Tuberkulose infiziert wurden, einer Ansteckung mit Covid zu widerstehen schienen.

Tuberkulose schützt vor Corona: Mäuse waren plötzlich immun

In der Studie, die im März 2022 im wissenschaftlichen Magazin PLOS Pathogens erschien, wurden Labormäuse der Alpha Variante des Coronavirus ausgesetzt. Einige der Mäuse waren zuvor mit Tuberkulose infiziert worden. Die Beobachtungen der Studie deuteten darauf hin, dass letztere nicht von dem Virus betroffen waren.

Die Autor:innen der Studie schreiben, dass die von der Tuberkulose verursachte Entzündung der Lunge eine Ausbreitung des Coronavirus verhindere. Das Virus könne zwar in die Lunge eindringen, sich dort aber nicht ausreichend verbreiten, um weiteren Schaden anzurichten. Eine Tuberkuloseinfektion rufe eine Immunreaktion hervor, die auch „ein gewisses Maß an Schutz“ gegen eine spätere Coronainfektion böte.

Studie könnte ein wichtiges Puzzleteil im Kampf gegen das Coronavirus sein

Doch wie können uns diese Erkenntnisse helfen? Tuberkulose ist selbst eine schwerwiegende Erkrankung der Lunge, die jedes Jahr vielen Menschen das Leben kostet, vor allem in Entwicklungsländern. Es scheint also vorerst wie die sprichwörtliche Wahl zwischen Pest und Cholera. Doch diese Studie könnte ein wichtiges Puzzleteil sein, um ein besseres Verständnis für die Funktionsweise und Ausbreitung des Coronavirus zu erlangen.

Dr. William Bishai, Spezialist für infektiöse Krankheiten an der Johns Hopkins Universität erklärte der amerikanischen Zeitung The Daily Beast in Bezug auf die neue Studie: „Tuberkulose ist eine menschliche Krankheit, sie hat sich über tausende Jahre mit uns mitentwickelt. Warum hat sie die Menschheit noch nicht ausgelöscht oder ist überwunden worden? Eine Idee ist, dass Tuberkulose ausgesetzt zu sein das Immunsystem trainiert und Menschen so resistenter gegen gefährliche Infektionen macht.“ Diese Anpassungsfähigkeit des Immunsystems könnte der Knackpunkt dieses Phänomens sein.

Bishai legt außerdem nahe, dass es möglich sei, dass auch Tuberkuloseimpfungen gegen das Coronavirus schützen könnten. Diese Impfstoffe werden in Ländern, in denen Tuberkulose endemisch ist, eingesetzt und helfen mit einer abgeschwächten Version der Krankheit dabei, eine Immunreaktion anzuregen.

Tuberkulose schützt vor Corona? Wirksamste Maßnahme immer noch Corona-Impfung

Die Studie zeigt also kein Allheilmittel, um eine Coronaimmunität herzustellen, könnte aber neue Wege für die Forschung und für Schutzmaßnahmen eröffnen. Doch die Forschenden räumen auch die Grenzen ihrer Studie ein. Alle Experimente, die vom Team der Ohio State University ausgelesen wurden, wurden mit der Alpha-Variante des Coronavirus durchgeführt. Neuere Varianten könnten sich in ähnlichen Situationen anders verhalten.

Zudem wurde die Theorie bislang nur an Mäusen getestet. Während Mäuse häufig für medizinische Versuche verwendet werden, da ihr genetischer Aufbau dem Menschen ähnelt, sind Ergebnisse nie ohne weitere Tests von einer Spezies auf die andere übertragbar. Die Erfassung von Daten in der echten Welt gestaltet sich den Forschenden zufolge als schwierig, da Tuberkulose vor allem in armen Ländern endemisch ist, in denen es viele weitere Probleme wie Mangelernährung und anderen Krankheiten gibt. Diese wirken sich auf die Krankheitsverläufe von Covidpatient:innen aus und machen es schwierig, klare Schlüsse zu ziehen.

Im Moment bleibt die Corona-Impfung, hier erfährst du, wie lange der Booster hält, eine der wirksamsten Schutzmaßnahmen, meint Richard Robinson, einer der Autor:innen der Studie. „Diese Studie ist kein Grund zu denken, dass Sie kein Covid kriegen können, oder Sie sich nicht gegen Covid impfen lassen sollten,“ sagte er The Daily Beast.

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