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Oli London will unbedingt Koreaner werden: Ein koreanisch-deutscher Schönheitschirurg findet das „nicht tragisch“

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Von: Helena Dimmel

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Oli London / Jimin
Oli London (links) möchte aussehen wie Jimin (rechts) © Oli London (Screenshot Instagram)/Imago/Persona

Oli London ist ein Mann aus England, der hunderttausende Euros für Schönheits-OPs ausgibt, um wie der K-Pop Sänger Jimin auszusehen. Die Online-Community wirft ihm „Asian Fishing“ vor. Wir haben mit einem koreanisch-deutschen Schönheitschirurgen über das Thema gesprochen.

Links im Bild: Oli London. Rechts im Bild: Jimin. Schon seit mehreren Jahren geistert Oli London durch das Internet. Seine Geschichte ist in der K-Pop-Szene berühmt-berüchtigt: Der Mann, der um jeden Preis Koreaner werden wollte. Bereits mehr als 250.000 US-Dollar soll der aus England stammende Influencer für ca. 20 (!) Schönheitseingriffe ausgegeben haben. Sein Ziel: Auszusehen wie Jimin, ein Mitglied der erfolgreichen K-Pop Boyband „BTS“.

London dreht Musikvideos, taucht immer wieder mit einem sich stetig transformierenden Gesicht in diversen Newsfeeds und Video-Dokumentationen über Schönheits-OPs in Korea auf. 527 Tausend Menschen folgen ihm auf Instagram. Nach eigenen Angaben ist er „transrassisch“. Seine Pronomen betitelt er mit „they/them/Korean/Jimin“, zu Deutsch: jene, jenen, Koreanisch, Jimin. Die Online-Community beschuldigt ihn des „Asian Fishings“: Ein Phänomen, bei dem Nicht-Asiat:innen versuchen, mittels Make-up, Photoshop oder plastischer Chirurgie asiatisch auszusehen, um daraus Profit zu schlagen.

Kürzlich hat London in einem Interview mit dem Online-Magazin Newsweek.com sein Vorhaben bekannt gegeben, sich einer Hand- und Penisverkleinerung zu unterziehen. Ziel der OP sei es „100 Prozent koreanisch“ auszusehen, so der Influencer. Abermals stößt er damit auf heftige Kritik. Unbeirrt davon hat London gerade seine neue Single „Korean Boy“ (Koreanischer Junge) veröffentlicht.

Kann man die Ethnizität mittels Schönheitschirurgie verändern?

Dr. Yun ist Facharzt für Plastische Chirurgie mit Schwerpunkt auf plastisch-ästhetischen Operationen und leitet eine Privatpraxis in Frankfurt. Als gebürtiger Koreaner ist der Mediziner in Deutschland aufgewachsen und hat Ausbildungen unter anderem in den USA und Südkorea absolviert. In seiner Praxis bietet er beispielsweise eine „asiatische Lidstraffung“ an.

Herr Dr. Yun, als koreanisch-deutscher Schönheitschirurg sind Sie sowohl mit östlichen als auch westlichen Schönheitsidealen bewandert. Wie unterscheiden sich diese in Ihren Augen? 

Grundsätzlich ist in jeder Kultur das Jugendliche das Ideale, da unterscheiden sich Deutschland und Korea nicht wirklich. Was man schon tendenziell sagen kann ist, dass im europäischen Kulturkreis gebräunte Haut eher gewünscht ist, während man im asiatischen Raum gerne heller ist.

Die asiatische Lidfalten-OP ist ein beliebter Eingriff in Südkorea - Warum?

Was viele nicht verstehen ist, dass es den Koreaner:innen dabei nicht darum geht, europäischer auszusehen. Es gibt ja auch welche, die von Natur aus eine hohe Lidfalte haben. Das ist allerdings ein Merkmal, das genetisch eher selten ist. Vielleicht wird es auch gerade wegen der europäischen, kulturellen Dominanz als Schönheitsideal wahrgenommen.

Sind in Asien und Europa unterschiedliche Eingriffe besonders beliebt?

Im asiatischen Raum liegt der Fokus der Eingriffe vermehrt auf dem Gesicht. Brustvergrößerungen oder Verkleinerungen sind hingegen deutlich seltener. Lid- und Nasen-OPs sind häufig, würde ich sagen. In Europa stört viele ihr Höcker, oder sie lassen sich die Nasenspitze abtragen, um die Nase optisch schmaler zu machen. Im ostasiatischen Raum geht es oft darum, den Nasenrücken zu erhöhen, sei das mit Hyaluronsäure oder Silikon-Implantaten. 

Haben Schönheits-OPs in Deutschland und Korea eine unterschiedlichen gesellschaftlichen Status?

Die deutsche Kultur ist sehr konservativ, was das Verändern des Aussehens betrifft. Ästhetische Eingriffe im Allgemeinen sind nicht so häufig wie jetzt im Vergleich zu Korea. Aber auch zum Beispiel im Vergleich zu England. Die dominierende Meinung ist finde ich hier, dass man in Würde altern soll. In Korea fragt man sich eher, warum man darunter leiden soll, wenn es einem eigentlich nicht gefällt und es die Möglichkeit gibt, das zu ändern. In Deutschland ist das Tabu schon größer. Warum sollte das aber so schlimm sein, wenn der Wunsch da ist, schöner zu werden? In Korea ist man da relativ tolerant, man spricht offen mit Verwandten und Freunden darüber, wenn man eine Schönheits-OP hatte. Im Allgemeinen würde ich sagen, man redet offener über die Themen Gesundheit, Krankheit und den Körper.

Altern Asiat:innen anders als Europäer:innen?

Asiat:innen haben dickere Haut. Im Alter wird die Haut dünner. Also hat man natürlich schon einen Vorteil, wenn man mit dickerer Haut startet. Allerdings ist bei dicker Haut auch die Narbenbildung schlechter. Und: Asiat:innen wollen eher heller sein, was zur Folge hat, das sie die Sonne eher meiden. Damit beugt man Sonnenschäden vor, die ja auch ein Mitgrund für Hautalterung sind.

Welche Eingriffe kann man an einem ethnisch europäisch-kaukasischen Gesicht durchführen, um es „koreanischer“ wirken zu lassen?

Mit Schönheits-OPs lassen sich nur einzelne Merkmale verändern. Um die ethnische Zugehörigkeit zu unterscheiden gehört ja mehr dazu als die Höhe der Nase oder die Größe der Augen. Hautfarbe, Haarfarbe, Textur und Dicke sind je nach Ethnie anders. Auch die Form von Kopf und Gesicht sind unterschiedlich. Zum Beispiel haben europäische Knochen viel mehr Höhen und Tiefen im Gesicht, wogegen Asiat:innen eher ein flaches Profil haben. Europäer:innen haben eher einen länglich-ovalen Kopf, bei Asiat:innen ist er eher rund. Das lässt sich mit einer OP nicht ändern. 

Oli London hat rund 250.000 Euro für Schönheits-OPs ausgegeben, um wie der BTS-Star Jimin auszusehen. Was ist Ihre Meinung dazu?

Für mich sieht Oli London auch nach seinen ganzen Eingriffen nicht koreanisch aus. Ich würde eher sagen nach der Lid-OP wirkt er noch europäischer, weil wahrscheinlich auch viel Fett weggenommen wurde. Die Augen wirken jetzt relativ hohl, also eigentlich eher europäisch. Man braucht sich nur den Knochenaufbau um die Augen ansehen. Vor allem bei europäischen Männern sitzt die Augenbraue sehr tief und der Knochen über dem Auge ist sehr dominant. Bei Asiat:innen ist zum Beispiel die Stirnform flacher, in Europa runder. Das sind subtile Merkmale, die aber trotzdem im Ganzen den Eindruck verändern.

London wird unter anderem „Asian Fishing“ vorgeworfen, also das Fetischisieren von Asien und die Übernahme von asiatischen Eigenschaften, um daraus einen Profit zu schlagen. Wie stehen Sie dazu?

Ich sehe das nicht so tragisch. Die Kulturen beeinflussen sich immer gegenseitig. Was ist denn dabei, wenn jemand sagt: „Ach, diese Eigenschaft gefällt mir gut, die übernehme ich”? Was ist daran so schlimm? Wenn sich eine Asiatin die Haare blond färbt, ist das dann verwerflich? Warum kritisiere ich Leute dafür, wenn sie ihr Aussehen ändern? Sie wollen damit niemanden verletzen. Wenn jemand koreanischer oder europäischer aussehen will - meinen Segen hat die Person. In letzter Zeit wird immer viel darüber diskutiert, was andere nicht dürfen, um sich moralisch überlegener zu fühlen.  

Mehr als 20 Schönheits-OPs hat sich London schon unterzogen, um koreanisch zu wirken. Können Sie die Kritik darüber nachvollziehen?

Wenn er damit glücklich wird, warum sollte er es dann nicht machen dürfen. Die Frage stellt sich trotzdem separat, ob die vielen Schönheitseingriffe in seinem Fall nicht schon gesundheitsschädigend sind. Bei solchen Nasen-OPs besteht ja auch immer die Gefahr, dass man irgendwann nicht mehr richtig atmen kann. Ich habe nicht das Gefühl, dass er sich über die koreanische Kultur lustig machen will, dafür gäbe es sicher bessere Wege als 250.000 Dollar auszugeben.

Viele unterstellen London auch eine körperdysmorphe Störung [​​klinisch gekennzeichnet durch eine übermäßige Beschäftigung mit einem eingebildeten Mangel oder einer befürchteten Entstellung der äußeren Erscheinung.].

Stellen Sie sich mal vor, man würde das zu einem Transgender sagen. Was dann passieren würde. Da würde sich öffentlich niemand trauen, etwas zu sagen. Warum aber erlauben es sich die Menschen im Falle von Oli London, sich einzumischen? Er schadet doch niemandem. 

Dennoch gibt es einen Aufschrei innerhalb der asiatischen Online-Community. Viele sind erzürnt über Oli Londons Verhalten.

Wenn jemand zu einer Kultur gehören will, warum lässt man ihn das denn nicht? Ist das dann nicht eher rassistisch, jemanden auszuschließen, obwohl dieser Wunsch da ist? Warum nimmt man ihn denn nicht einfach als Koreaner auf, wo ist denn das Problem? Wenn ich zum Beispiel sage: “Ich mag die deutsche Kultur, ich will in Deutschland leben und ich nehme die Staatsbürgerschaft an”, dann bin ich doch auch hier willkommen. Warum will man so exklusiv sein? Das wollen doch die Asiat:innen, die im Ausland leben, auch nicht.

Laut einem Interview mit newsweek.com möchte sich London nun auch den Penis und die Hände verkleinern lassen, um nach eigenen Angaben „100 Prozent koreanisch“ zu wirken. Wie vollzieht man chirurgisch solche Eingriffe? Gibt es dabei besondere Risiken?

Ich denke nicht, dass es solche OPs überhaupt in der Form gibt. Eine Penisverkleinerung wäre meines Erachtens nicht machbar, ohne dass man die Funktion einschränkt. In der heutigen Zeit wird ja generell „kleiner” negativ wahrgenommen, deswegen werden solche OPs gar nicht erst weiter entwickelt. Die Länge des Penis ist natürlich auch kulturell und historisch konnotiert. In der Antike zum Beispiel soll durchaus eine kleinerer Penis als schöner gegolten haben. Naja, dass die Koreaner:innen im Durchschnitt auch körperlich kleiner sind als Europäer:innen, ist kein Geheimnis. Das hat nichts mit Rassismus zu tun, das sind einfach die Eigenschaften der Ethnie. Ich würde davon abraten, die Hände zu verkleinern, weil dadurch die Funktion deutlich eingeschränkt wäre. So ein Eingriff ist außerdem deutlich risikoreicher, als das Augenlid oder den Wangenknochen zu verändern. So was wie eine Handverkleinerung ist auch keine gängige chirurgische Praxis. Die Knochenstruktur, Länge und Dicke lässt sich nicht einfach so verändern. Nehmen wir die Beugesehne der Hand zum Beispiel. Wenn diese zu locker gespannt ist, kann man die Hand nicht richtig bewegen. So eine einzelne Sehne zu verkürzen ist schon mal ein Riesenaufwand, bis so eine Sehne dann wieder vollständig belastbar ist dauert es an die 12 Wochen. 

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