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Jeder zweite Erwachsene in Österreich ist übergewichtig, immer mehr junge Menschen sind es auch

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Von: Christian Kisler

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Montage: Mann auf Waage, auf der 135 Kilo zu lesen sind. Leicht übergewichtige Frau in BH von hinten
Übergewicht trifft allen Klischees zum Trotz mehr Männer als Frauen. © Addictive Stock/Imago/Lino Mirgeler/dpa/APA-PictureDesk/ BuzzFeed Austria

Kinder, Jugendliche, Erwachsene: Die Zahl der Menschen mit Übergewicht nimmt in Österreich zu. Es erhöht das Risiko, schwer zu erkranken.

Heutzutage etwas über anderer Leute Körper zu sagen oder zu schreiben, bedeutet auch, sich auf dünnes Eis zu begeben. Allzu leicht könnten Kommentare, Bemerkungen, nüchterne Feststellungen als Body Shaming missverstanden werden. Und das durchaus zu Recht, denn wer nimmt es sich schon heraus, über das Aussehen anderer Menschen urteilen zu dürfen? Eben. Auch wenn es als Kompliment gemeint sein mag, lass es lieber. Viele Leute mögen das nicht, es stört sie, wenn andere über ihren Körper sprechen, was ich durchaus nachvollziehen kann, obwohl ich ein Mann bin.

In diesem Text geht es um niemand Bestimmten, sondern um ein Phänomen. Kein Mensch muss sich angegriffen fühlen, es sind einfach nur Tatsachen. Also: Insgesamt sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als die Hälfte der Erwachsenen und knapp ein Drittel der Kinder in Europa, nennen wir die Dinge beim Namen, zu dick. Jede:r zweite Österreicher:in ist übergewichtig, Body Positivity hin, Body Positivity her. Damit liegt Österreich leicht unter dem europäischen Durchschnitt, wobei der Teufel natürlich wie so oft im Detail liegt. So sind Männer entgegen aller Klischees von Fettleibigkeit und Übergewicht öfter betroffen als Frauen, bei Frauen sind es 46,8 Prozent, bei Männern 61,8 Prozent.

Ein Viertel aller Jugendlichen kämpft mit Übergewicht

Das ist nicht wenig und wäre eigentlich wurscht, solange sich jemand damit wohl in der eigenen Haut fühlt. Allerdings leidet dadurch nicht selten die Gesundheit darunter. Kleiner Einschub: ein paar Kilo zu viel oder zu wenig machen in der Regel nichts aus, solange man sonst fit ist. Merke: Auch Untergewicht kann krank machen, allerdings ist nicht ganz klar, ob etwa Kinder, die vegetarisch ernährt werden, vermehrt dazu neigen. Apropos Kinder und Jugendliche, auch hier sind die Zahlen erschreckend hoch. Unter den Fünf- bis Neunjährigen sind 28,1 Prozent übergewichtig oder adipös, also krankhaft fettleibig. 25,8 Prozent sind es bei den Zehn- bis 19-Jährigen. Und auch hier liegen die Buben, wieder entgegen aller Klischees, vorne und kämpfen öfter mit dem Gewicht als Mädchen. Womöglich wird es bei Burschen aber weniger thematisiert, so nach dem Motto: „Na, der schaut hoit guat aus.“ Ein gesellschaftliches Problem.

Aber ab wann ist man eigentlich zu dick? Dazu wird der berühmt-berüchtigte Body Mass Index (BMI) herangezogen, der sich aus Körpergröße und -gewicht berechnet. Ist er höher als 25, gilt man als übergewichtig, ab 30 als fettleibig. Für die WHO hat das Ausmaß an Übergewichtigen bereits „epidemische Ausmaße“ angenommen, schließlich sei keines der Länder auf dem Weg, den Anstieg zu stoppen - auch Österreich nicht. Höher seien die Zahlen nur, wenig verwunderlich, auf dem amerikanischen Kontinent.

Übergewicht kann Rauchen als Hauptursache für Krebs ablösen

COVID-19 ist übrigens in Sachen Übergewicht und Fettleibigkeit ein Teufelskreis. Einerseits erkranken viel mehr Menschen, die zu dick sind, schwer daran und landen im Krankenhaus oder versterben gar. Andererseits steigt durch Lockdowns, eingeschränkte Aktivitäten und veränderte Ernährungsgewohnheiten während der Pandemie die Gefahr, an Gewicht zuzulegen. Das betrifft vor allem Kinder und Jugendliche. Generell zählen Übergewicht und Adipositas zu den Hauptauslösern für chronische Atemwegserkrankungen, wie etwa Asthma, Schlaganfälle und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- und Nierenbeschwerden, Rückenschmerzen und psychische Probleme. Schlimm: In einigen Ländern könnte Fettleibigkeit in Zukunft Rauchen als Hauptrisikofaktor für Krebs ablösen. Besser, wenn man es nicht so weit kommen lässt, auch wenn es schwierig ist, mitunter sehr schwierig.

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