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Fake News werden in Österreich nachweislich zu einem immer größeren Problem - auch in bekannten Medien

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Von: Sophie Marie Unger

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Ex-Justizministerin Maria Berger neue Vorsitzende des Senats 1 des Presserats und Proteste gegen Fake News
Die Vorsitzende des Senats 1 des Presserats Maria Berger warnt davor, dass Meinungen in der Berichterstattung wissenschaftlichen Fakten gleichgesetzt werden. © APA Picturedesk/Unsplash

647 Beschwerden behandelte der Österreichische Presserat im Corona-Jahr 2021, 31 Ethikverstöße wurden dabei festgestellt. Fake News spielten dabei eine zentrale Rolle.

647 Beschwerden musste der Österreichische Presserat im Jahr 2021 bewerkstelligen. Das ist eine Rekordzahl. Neben Persönlichkeitsverletzungen kristallisiert sich vor allem ein Bereich heraus, der zunehmend zum Problem wird: Fake News. Was Ex-US-Präsident Trump auf eine lächerliche Weise so richtig populär gemacht hat, spitzte sich in den vergangenen Jahren deutlich zu und wird nun auch vom Österreichischen Presserat als Problem nachgewiesen. Auch im Ukraine-Krieg kursieren Falschinformationen im Internet. Wir haben dir bereits gezeigt, was du dagegen tun kannst.

Die meisten Beschwerden betrafen die Corona-Berichterstattung

Während 2019 „nur“ 297 und 2020 418 Fälle vom Presserat behandelt wurden, waren es im letzten Jahr 647 Beschwerden. Die hohe Zahl sei auf die Corona-Berichterstattung zurückzuführen, wie es am Dienstag in der Jahrespressekonferenz des Presserats hieß. In den Beschwerden wurden teils Anschuldigungen erhoben, die besagen, dass keine gewissenhafte und korrekte Recherche und teils vorsätzlich falsche Wiedergabe von Nachrichten stattgefunden hatte - sprich: es wurden Fake News verbreitet. Insgesamt stellte der Presserat neun tatsächliche Ethikverstöße diesbezüglich fest.

Auch bekannte Medien verbreiten Fake News

Fake News entstehen und gedeihen vor allem in den Sozialen Medien. Die echt wirkenden Bilder und Nachrichten verbreiten sich durchs leichte Teilen rasend schnell und Algorithmen haben nach wie vor Probleme damit, den Wahrheitsgehalt einer Meldung festzustellen. Deshalb sollte es ja auch der Job eines Mediums sein, als Zwischenschritt Desinformation zu erkennen, sie eben nicht weiterzuverbreiten und im besten Fall sogar darauf aufmerksam zu machen. Doch leider springen auch bekannte Medien immer öfter auf den Fake-News-Zug auf.

„Wochenblick“ kommt auf acht Verstöße

Vor allem das FPÖ-nahe Wochen- und Onlinemedium „Wochenblick“ hat laut Presserat im vergangenen Jahr des Öfteren gegen medienethische Grundsätze und die journalistische Sorgfaltspflicht verstoßen. Konkret gab es acht Verstöße, welche zum Großteil im Rahmen der Corona-Berichterstattung stattfanden. Der brisanteste Fall war jener, als das Medium die Behauptung eines MFG-Politikers publizierte. Dieser meinte, dass sich auf den Intensivstationen größtenteils Geimpfte befanden. Das entsprach nicht den Tatsachen, die Aussage wurde aber ungeprüft weiterverbreitet.

Auch ein Interview sorgte für Aufsehen. Ein Grazer Allgemeinmediziner sprach im Februar 2021 gegenüber dem „Wochenblick“ davon, dass „Giftstoffe“ gespritzt werden und die Impfung gegen das Coronavirus die „Spitze des Impfwahnsinns“ sei. Der Presserat kritisierte den Interview-Umgang des Mediums sofort. Bei „besonders drastischen Wortmeldungen“ wird es erforderlich, „dass das Medium das Zitat entsprechend kontextualisiert oder sich von diesem ausreichend abgrenzt“. Das sei hier nicht passiert, hieß es vonseiten des Presserats.

Wie wird sich das Ganze zukünftig entwickeln?

Einschätzung des Presserats zufolge werden künftig wohl Minderheitenpositionen in der Wissenschaft eine immer größere Rolle in der Medienethik spielen. In der Pandemie sei es immer wieder vorgekommen, dass Meinungen in der Berichterstattung wissenschaftlichen Fakten gleichgesetzt wurden, so Maria Berger, Ex-Justizministerin und Vorsitzende des Presserat-Senats 1.

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