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Ukraine-Krieg: Wir beantworten die häufigsten Fragen der Buzzfeed-Community

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Robert Wagner, Mika Engelhardt

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Fragen von Facebook-Usern sind vor dem Hintergrund einer Ukraine-Demonstration zu sehen
Jede Menge Fragen: Zur Ukraine-Krise gibt es unzählige Unsicherheiten. BuzzFeed News will euch helfen, einige davon loszuwerden. © Collage/dpa/Screenshot Facebook

Zahlreiche Fragen zum Ukraine-Krieg gingen auf der Facebook-Community-Seite von Buzzfeed ein. Wir haben die häufigsten Fragen beantwortet.

Seit Russlands Präsident Wladimir Putin einen Angriffskrieg in der Ukraine gestartet hat, überschlagen sich täglich die Ereignisse. Immer wieder stellen sich neue Fragen. Bei vielen ist die Verunsicherung groß. Wir haben unsere Leser:innen gefragt, welche Fragen sie gerade besonders beschäftigen - hier kommen die Antworten auf die, die am häufigsten gestellt wurden.

1. Wie erklärt man Kindern den Ukraine-Krieg?

Diese Frage treibt aktuell besonders viele Eltern, aber auch Lehrer:innen oder Erzieher:innen um. Kinder hören im Radio vom Krieg, sehen es in den Nachrichten und natürlich bei Social Media. Besonders dort stoßen Kinder oft nur auf Halbwahrheiten oder geframte Nachrichten, die ein falsches Bild von der Situation vermitteln können. Kinder und Jugendliche können wie Erwachsene von der Situation sehr belastet werden. Im Interview mit dem Norddeutschen Rundfunk rät der Kinder- und Jugendpsychiater Rami Gaber daher, das Thema dann aufzugreifen und zu erklären, wenn Kinder es von sich aus ansprechen.

Jedes Kind kommt über so ernste Themen anders ins Gespräch, also ist ein individueller Ansatz zu finden. Aber, so Gaber, es ist wichtig, nicht zur zusätzlichen Belastung für Kinder zu werden. Ungefilterte Radio- oder Fernsehnachrichten können Kinder verunsichern und sollten lieber allein gehört werden. Und auch die tiefgreifenderen politischen Gespräche bewahrt man sich lieber für Partner:innen oder Freund:innen auf. Mit steigendem Alter und besonders bei Interesse der Kinder könne man aber natürlich langsam über die Grundzüge der Situation sprechen oder auch gemeinsam Nachrichten konsumieren.

Sobald Kinder ins Social-Media-Alter kommen, ist es laut Gaber zudem wichtig, auf die Medienkompetenz zu schauen. Wenn Kinder verunsichert scheinen oder etwas sagen, das von vertrauenswürdigen Quellen nicht belegt ist, lohnt es sich, gemeinsam über diese Dinge zu sprechen. Gleichzeitig leiden auch Erwachsene unter der Situation. Es gilt also, eine Balance zwischen dem Sicherheitsgefühl der Kinder und der ernsthaften Ratlosigkeit über einige Dinge zu finden. Kinder wollen und sollten sich sicher fühlen können, aber gleichzeitig müssen Erwachsene nicht lügen, wenn sie sich einer Sache nicht sicher sind.

Wie man einem Kind also den Krieg erklärt, sollte man also bedenken, wie sehr sich das Kind für die Situation interessiert und wie alt es ist. Bei viel Interesse sollte man auf alle Sorgen eingehen und sich dem Alter entsprechend gemeinsam Nachrichten ansehen. Bei weniger Interesse sollte man dem Experten zufolge den Kontakt anbieten und bei Fragen zur Verfügung stehen. Wichtig ist, dass Kinder sich sicher fühlen, aber nicht angelogen werden. Genauso wichtig wie ernste Gespräche über den Krieg sind laut Gaber übrigens auch entlastende Aktivitäten wie Ausflüge oder gemeinsame Spiele.

2. Warum unterstützen so viele Rechte und Rechtsextreme Wladimir Putin?

Putins Weltbild beruht auf autoritärem und völkischem Denken. Er legitimiert seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg damit, dass Russ:innen und Ukrainer:innen wegen ihres gemeinsamen historischen Ursprungs eigentlich ein Volk seien und verleugnet die Existenz einer ukrainischen Nation. Er argumentiert hier also auf Grundlage eines „Blut und Boden“-Denkens und lehnt das Recht auf politische Selbstbestimmung durch freie Wahlen ab. Für Putin maßgeblich ist das Prinzip der Stärke, das auf das abstrakte Prinzip des Rechts keine Rücksicht zu nehmen brauche. Das Völkerrecht ist in diesem Weltbild ein Hindernis souveränen politischen Handelns. Diese Ideen gehören zur Grundlage rechten Denkens.

Wichtiger noch aber für die Sympathien mit Putin ist das autoritäre, auf seine Person zugeschnittene Regierungssystem, in dem jede Kritik an der Staatsführung mit harten Repressionen erstickt wird. Die ideologischen Versatzstücke, die die Gesellschaft in Putins Russland prägen, sind weitestgehend dieselben, die etwa für die Neue Rechte typisch sind. Das ist ein Grund, warum Rechte sich im Ukrainekrieg auf die Seite Putins schlagen. Dazu gehören unter anderem die entschiedene Ablehnung von sexuellen Minderheiten und ein ausgeprägter Kult um Männlichkeit, mit dem ein rückständiges Frauenbild einhergeht. Eng damit verknüpft ist die Gleichsetzung des liberalen Westens mit gesellschaftlicher Dekadenz und Perversion. All das macht Putins System etwa für den rechtsextremen Parteiflügel der AfD und andere Rechte so attraktiv.

3. Warum marschieren die europäischen Länder nicht in die Ukraine ein und helfen?

Die Ukraine ist kein Mitgliedsstaat der NATO. Wäre sie Teil dieses westlichen Verteidigungsbündnisses, wäre mit dem russischen Angriffskrieg der Artikel 5 des Nordatlantikvertrages zur Geltung gekommen. Das würde dann bedeuten, Putins brutaler Überfall auf die Ukraine wäre als Angriff auf das gesamte Militärbündnis gewertet und der Bündnisfall wäre ausgerufen worden. Ein großer Krieg des Westens gegen die Atommacht Russland wäre dann unvermeidlich gewesen.

Aus diesem Grund wird der Westen wohl nicht militärisch in den Ukraine-Krieg eingreifen. Er unterstützt die angegriffene Ukraine mit Waffenlieferungen, aber letztlich ist das Land auf sich allein gestellt. Kein westlicher Staat will wegen der Ukraine einen 3. Weltkrieg riskieren. Etwas anderes wäre es, würde Russland von sich aus NATO-Staaten angreifen. In diesem Fall wären Länder wie Frankreich und Deutschland sogar verpflichtet, dem angegriffenen Bündnispartner militärischen Beistand zu leisten. Mitgliedsstaaten der NATO, die vom imperialen Machtanspruch Putins unmittelbar bedroht werden, sind insbesondere die baltischen Staaten, aber auch Polen oder Rumänien. Daher wird in diesen Ländern die NATO-Präsenz nun erhöht.

4. Wie erkenne ich Fake News und Desinformation zum Ukraine-Krieg?

Dass zum Ukraine-Krieg allerlei Fake News kursieren, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Aber nicht alle Menschen haben die Medienkompetenz, um sich in den Unmengen von Nachrichten-Seiten wohl und sicher zu fühlen. Doch ganz so schwer ist es gar nicht, vertrauenswürdige Quellen zu finden. Einerseits gibt es von vielen Outlets mittlerweile Fake-News-Ticker, so auch bei BuzzFeed News, die Falschmeldungen nennen und einordnen. Alle Nachrichtenseiten mit Verbindungen zu Russland, von denen viele bereits blockiert wurden, sollten als nicht vertrauenswürdig eingestuft werden.

Gerade Posts bei Social Media sollten weiterhin mit Skepsis betrachtet werden. Das gilt natürlich nicht für offizielle Accounts wie zum Beispiel die Tagesschau oder die Frankfurter Rundschau, aber Postings von Privatpersonen könnten falsch geframet oder einfach gezielt desinformierend sein. Wichtig ist, dass in Artikeln Quellen genannt oder gar Gespräche eingebaut werden, die man auch nachvollziehen kann. Die Öffentlich-Rechtlichen schreiben in ihren Artikeln sogar dazu, wenn eine Meldung noch nicht unabhängig geprüft werden konnte. Wichtig ist hier also, verifizierte und offizielle Nachrichtenseiten privaten Accounts und undurchsichtigen Postings vorzuziehen. Hier erklärt eine Faktencheckerin zudem genau, wie du Fake News zum Krieg in der Ukraine erkennst.

5. Wie geht es im Ukraine-Krieg weiter? Kommt es zur Eskalation?

Diese Frage ist natürlich unmöglich zu 100 Prozent zu beantworten, denn die Situation in der Ukraine ist und bleibt aktuell und kritisch. Aber die meisten der Beteiligten scheinen darauf fokussiert zu sein, die Situation nicht zur weiteren Eskalation zu bringen. Dass es erstmals zu Gesprächen zwischen der Ukraine und Russland kam, ist ein gutes Zeichen, in das aber auch nicht zu viel Hoffnung gesetzt werden sollte. Denn die Kämpfe gehen weiter. Schwieriger einzuschätzen ist das Verhalten Putins. Er zeigt allerlei Drohgebärden, aber ob er auch Taten folgen lässt, ist unvorhersehbar.

Dass die EU-Länder aber nicht aktiv in den Krieg eingreifen, sondern die Ukraine vor allem durch Lieferungen unterstützen, ist der Deeskalation zuzuschreiben. Putin wird voraussichtlich keinen unprovozierten Angriff auf ein EU- oder NATO-Land starten, denn die weltweiten Konsequenzen wären verheerend. Dennoch ist die Situation so akut, dass man keine festen Aussagen treffen kann. Daher ist es wichtig, informiert zu bleiben und zu sehen, wie die Situation sich entwickelt.

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