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Krieg in der Ukraine: Psychologin erklärt, was euch bei Ängsten und Panikattacken hilft

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Von: Pia Seitler, Sophie Marie Unger

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Eine junge Frau sitzt verzweifelt auf einem Sofa.
Seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine scannen viele junge Menschen ständig die News - das kann enorm belastend sein. © Maskot/Imago

Berichte über den Ukraine-Krieg überfordern und lösen Ängste aus. Eine Psychologin erklärt, was jetzt hilft. 

News-Ticker, Livestreams, Sondersendungen und unzählige Posts in den sozialen Medien – seit Russlands Angriff auf die Ukraine erreicht uns täglich eine Flut an Nachrichten. Bilder, die verstören, Schlagzeilen, die Angst auslösen. Die meisten von uns fühlen sich betroffen, ohnmächtig, wütend, überfordert. Es herrscht Krieg in Europa und die Pandemie nagt auch noch immer an uns. Beides haben wir bis vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten. Wir wissen nicht, was noch kommt.

Wieso gerade der Ukraine-Krieg Angst auslöst

In den vergangenen Jahren brach immer wieder in verschiedenen Ländern auf der ganzen Welt Krieg aus. Die Psychologin Katharina Rohlfing erklärt im Gespräch mit Buzzfeed News, wieso gerade der Krieg in der Ukraine so viel Angst bei uns auslöst. „Dieser Krieg ist näher an uns dran. Räumlich und an unserem Kulturkreis“, sagt sie. Dadurch identifizierten wir uns mehr mit der Ukraine als mit anderen Ländern, in denen Krieg herrscht.

Wie können wir mit den Gefühlen umgehen, die der Ukraine-Krieg auslöst?

Rohlfing sagt, der Ukraine-Krieg löse nicht nur Angst aus, sondern auch ein Gefühl von Hilfslosigkeit gegenüber einem Wladimir Putin, der von vielen als unberechenbar eingeschätzt wird. „Alles, was wir nicht berechnen können, macht uns hilflos und macht uns Angst“, so die Psychologin. Das sei erstmal verständlich, denn Angst soll uns vor Bedrohungen beschützen.

Sie rät, die Angst zuerst einmal als Schutzfunktion einzuordnen, sie anzunehmen und sie nicht zu bekämpfen. Stattdessen können wir uns fragen: Wie möchte ich mit dieser Angst umgehen? Akute körperliche Symptome, wie Zittern, Herzrasen, Schweißausbrüche oder ein beklemmendes Gefühl in der Brust können wir reduzieren, in dem wir die Anspannung zum Beispiel mit Entspannungsübungen lösen. Dann sei es wichtig, den eigenen Gefühlen Raum zu geben und sich mit anderen Menschen über seine Ängste auszutauschen. Vielleicht haben Freund:innen, Eltern oder Geschwister andere Gefühle, eine andere Perspektive.

Um der Hilflosigkeit entgegenzusteuern, helfe es zu schauen: Was kann ich tun? Was für Möglichkeiten habe ich als junge:r Deutsche:r? Wie kann ich den Menschen im Ukraine-Krieg helfen? Kann ich spenden? Kann ich mich an Aktionen beteiligen oder selbst eine aufbauen? „Immer, wenn wir etwas tun, sind wir handlungsfähiger und das tut uns gut“, so Rohlfing.

Doomscrolling vermeiden: Weniger Medien und feste Zeiten für den Medienkonsum

„Doomscrolling“, also das Konsumieren von einer negativen Nachricht nach der anderen, kann uns das Gefühl geben, alle Hoffnung sei verloren. Gleichzeitig wollen wir natürlich auf dem Laufenden bleiben. Wen die Nachrichtenflut zum Krieg in der Ukraine überfordert, dem rät die Expertin, sich ganz bewusst für ein oder zwei seriöse Medien zu entscheiden und für den Medienkonsum feste Zeiten einzuplanen.

Selbstfürsorge: Alles, was uns jetzt guttut, hilft

Wir sind dafür verantwortlich, dass es uns gut geht.

Katharina Rohlfing

Sich ablenken, Spaß haben, mit Freunden unterwegs sein, all das fühlt sich in den vergangenen Tagen manchmal nicht richtig an. Dabei müssen wir laut Rohlfing sogar dafür sorgen, dass es uns gut gehe. „Unser Leben darf weitergehen und wir müssen kein schlechtes Gewissen deswegen haben“, sagt sie. Selbstfürsorge sei gerade jetzt enorm wichtig. So erhalten wir etwas funktionierendes aufrecht und schaffen Kapazitäten bei uns selbst, damit wir etwas tun können – helfen, spenden, jemanden Unterkunft bieten.

Zwischen Mitleiden und Mitfühlen im Ukraine-Krieg unterscheiden

Mitleiden und Mitfühlen seien zwei unterschiedliche Dinge, erklärt die Psychologin. Beim Mitleiden nehmen wir das Leid auf und unser Leid hilft den anderen nicht. Mitgefühl bedeute, an die Menschen vor Ort zu denken, zu helfen und bedeute somit auch, dass wir Solidarität zeigen. Das müssen wir uns bewusst machen, rät sie.

Die Tipps der Psychologin im Überblick

Nehmt eure Angst an, bekämpft sie nicht.

Versucht, akute körperliche Symptome mit Entspannungsübungen zu lösen.

Tauscht euch mit anderen Menschen über eure Angst aus - mit Freund:innen, Familie oder Bekannten.

Informiert euch darüber, wie ihr helfen könnt.

Vermeidet „Doomscrolling“ - also das permanente Scannen schlechter Nachrichten. Legt euch stattdessen feste Zeiten für den Nachrichtenkonsum fest.

Geht weiterhin Freizeitaktivitäten nach, die euch Spaß machen.

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