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Ukraine-Krieg: Nun kannst du auch mit deinem Tinder-Konto helfen, Russlands Zensur zu umgehen

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Von: Sophie Marie Unger

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Völlig zerstörte Häuser in der ukrainischen Hauptstadt Kiew und die Tinder Dating-App
Die Dating-App Tinder soll Russlands Zensur umgehen. © Soomro/Sipa Press/APA Picturedesk

Russische Behörden haben die Social-Media-Plattformen Facebook und Instagram verboten. Um die Zensur Russlands zu umgehen, kommt nun die Dating-App Tinder ins Spiel.

Russland verschärft seine Kontrolle über das Internet stetig weiter: Zuletzt wurden Facebook und Instagram von einem Gericht in Moskau als extremistisch eingestuft und komplett verboten. Auch Twitter wurde bereits eingeschränkt. Die Websites mehrerer ausländischer Nachrichtenorganisationen können schon seit Tagen nicht mehr aufgerufen werden.

Doch damit wollen sich Kriegsgegner:innen und Regierungskritiker:innen nicht so einfach zufriedengeben. Sie finden immer neue Wege, um die Bilder über den Krieg in der Ukraine - die zerbombte Häuser, die fliehende Menschen und nicht zuletzt die Reden des ukrainischen Staatspräsidenten Wolodymyr Selensky - trotzdem zu empfangen und sich darüber auszutauschen.

Tinder-Plus Konten sollen Zensur umgehen und Zusammenhalt stärken

Eine neue Initiative aus Österreich und der Slowakei stellt nun die Dating-App Tinder in den Fokus. Die sogenannte „Special Love Operation“ soll die russische Kriegszensur umgehen und die Bevölkerung in Russland durch Bilder und Nachrichten wahrheitsgemäß über den Krieg in der Ukraine aufklären. Zudem möchte man gegen die immer stärker werdenden Anfeindungen gegenüber der russischen Bevölkerung vorgehen. Mitmachen kann jede:r mit einem Tinder-Plus-Konto.

Wie funktioniert das jetzt genau? Zunächst musst du deinen Standort umändern, indem du eine beliebige Stadt in Russland auswählst. Danach nutze dein Profilbild und den „About Me“-Text, um Messages an die Menschen in Russland zu senden. Dabei kannst du entweder eigens formulierte Nachrichten verwenden, oder die freigegebenen Fotos und den vorgefertigten (russischen) Text von der Special Love Operation-Website nutzen. Hinter der Initiative stehen unabhängige, internationale Künstler:innen. Die Seite wurde von einem österreich-slowakischen Entwicklerteam gelauncht.

Diesen Text kannst du gerne in das About Me-Feld einfügen

Дорогие россияне, Запад вас не ненавидит. Мы ненавидим войну. Мы ненавидим неспровоцированное вторжение в Украину. Российская армия убивает невинных людей, а Путин лжет и скрывает от вас правду. Ваши братья и сестры умирают из-за безумия и заблуждений диктатора. Распространяйте правду. Занимайтесь любовью, а не войной!

Englische Übersetzung

Dear Russians, the West does not hate you. We hate the war. We hate the unprovoked invasion of Ukraine. The Russian army is killing innocent people while Putin is lying and hiding the truth from you. Your brothers and sisters are dying because of the madness and delusion of a dictator. Spread the truth. Make love, not war!

Sonstige Schlupflöcher für freie Meinungsäußerung

Aktivist:innen haben auch noch andere Wege gefunden, um freie Meinungsäußerung zu betreiben. Seit einigen Tagen verbreiten sie nach einem Aufruf der Hackergruppe Anonymous Informationen zum Ukraine-Krieg in den Rezensionen auf Google Maps. Auch dort wurden Fotos hochgeladen und Messages wie „Eure Regierung lügt Euch an, erhebt Euch!“ hinterlassen. Zudem werden fast in Vergessenheit geratene Apps wie Clubhouse wieder ausgegraben. Nach Angaben von App-Vertreter:innen werden jeden Tag etwa 700.000 Räume erstellt, und viele von ihnen befassen sich mit Themen, die in der Welt passieren, wie zum Beispiel Russlands Einmarsch in der Ukraine, berichtet Input. Auch zahlreiche Russ:innen nehmen am Austausch teil.

Obwohl auch der Messenger-Dienst Whatsapp zu Facebook gehört, wird er nicht vom Verbot erfasst. Aktivist:innen rufen deshalb auf, vor allem auf private Kanäle zurückzugreifen und dort Bewusstsein zu schaffen. Zudem können Seiten wie Facebook und Instagram durch explizit eingerichtete VPN-Tunnel weiterhin erreicht werden. Laut russische Nutzer:innen ist dies nicht allzu schwer.

Weitere Drohungen Russlands

Youtube ist eine der wenigen Plattformen, die bislang noch nicht gesperrt wurde und setzt sich deshalb weiterhin für die korrekte Wiedergabe des Ukraine-Kriegs ein. Die Videoplattform hat deshalb zahlreiche russische Kanäle blockiert, darunter auch staatliche Einrichtungen. Das will man sich auf russischer Seite nicht gefallen lassen und droht Youtube mit Sanktionen, sollten die Kanäle nicht wieder freigegeben werden.

Die russischen Behörden werden ihre Drohung laut Einschätzung populärer russischer Blogger:innen bald wahr machen. „Wenn ihr dieses Video schaut, ist YouTube entweder schon blockiert - oder wird es bald sein“, sagt etwa der russische Blogger Ilja Varlamov in die Kamera.

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