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„Niemand verlässt gerne seine Heimat“: Ukrainer:innen demonstrieren vor der russischen Botschaft in Wien

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Von: Helena Dimmel

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Demonstrant:innen vor der russischen Botschaft
Ein Lichtermeer bei der Demonstration vor der russischen Botschaft in Wien © Helena Dimmel

Hunderte Menschen demonstrierten gestern Abend gemeinsam vor der russischen Botschaft in Wien gegen Russlands Invasion in der Ukraine. Die Kundgebung wurde vom ukrainischen Verein „Unlimited Democracy“ gemeinsam mit der Sozialistischen Jugend organisiert. Wir haben vor Ort mit jungen Ukrainer:innen gesprochen.

Donnerstag, 18:00 Uhr. Vor der russischen Botschaft in Wien haben sich bereits mehrere hundert Menschen versammelt. Sie sind dem Aufruf der Sozialistischen Jugend und des ukrainischen Vereins „Unlimited Democracy - Verein zur Förderung der Demokratisierung“ gefolgt, um gemeinsam gegen die Angriffe Russlands auf die Ukraine zu demonstrieren. Polizeisperren trennen sie von dem Gebäude, das gespenstisch in den Nachthimmel ragt.

Die Stimmung ist ernst, aber aufgeladen. Blau-gelb blitzen die ukrainischen Flaggen in der Menschenmenge hervor. Manche haben sich in sie gehüllt, wieder andere halten Plakate in die Luft. „Go burn in hell, Putin“, steht auf einem. Viele der Teilnehmer:innen sind Jugendliche und junge Erwachsene. „Russland und Putin wollen nichts anderes, als Macht. Es geht um Gebiete, Rohstoffe, Machtdemonstrationen und Geld. Es sind immer die gleichen, die davon profitieren: Die Waffen-Lobby, die Oligarchen, die Reichen, die Mächtigen.“ Die wütende Stimme der jungen Rednerin hallt von den Altbauten wieder.

„44 Millionen Menschen in der Ukraine müssen um ihr Leben fürchten und den Preis dafür zahlen, dass die Reichen noch reicher werden.“ Applaus, ermutigende Parolen und ukrainische Lieder folgen aufeinander. „Der Zeitpunkt ist gekommen, wo wir nicht länger zuschauen können“, ruft ein Mann ins Mikrofon. „Wir fordern harte Sanktionen gegen Russland. Es geht darum, die Machtstrukturen der Oligarchen zu brechen, und dafür muss die österreichische Regierung bereit sein.“

Das haben uns junge Ukrainer:innen gestern bei der Demo in Wien erzählt

Ich studiere seit zwei Jahren in Wien, aber meine Eltern wohnen in Kiew. Ich mache mir wirklich große Sorgen um sie und versuche, sie so gut es geht seelisch zu unterstützen. Meine Mutter wird vielleicht flüchten, zumindest wird sie Kiew verlassen, weil es dort besonders gefährlich ist. Wir fordern, dass Russlands aus dem Zahlungsverkehrssystem Swift ausgeschlossen wird, das würde ihnen zumindest wirtschaftlich schaden. Außerdem wünsche mir von Österreich, dass keine Visa mehr an russische Staatsbürger ausgestellt werden und dass russische Konten eingefroren werden.

Sophia, 20

Ich bin hier mit meiner Schwester und meiner Freundin. Wir studieren zwar in Österreich, sind aber bis vor kurzem auf einer Studienreise in der Ukraine gewesen. Vor einer Woche mussten wir abrupt zurück nach Wien fliegen. Unsere Familien sind alle noch in der Ukraine. Meine Eltern zum Beispiel wohnen am Land und haben erzählt, wie laut die Explosionen zu hören sind. Die Situation ist natürlich furchtbar und wir sind alle sehr nervös. Wir wünschen uns mehr Unterstützung von der österreichischen Regierung. Auf der Website ‘savelife.in.ua‘ kann man außerdem direkt an das ukrainische Militär spenden, das Geld wird unter anderem für medizinische Versorgung verwendet. Ich hoffe wirklich, dass die wirtschaftlichen Sanktionen der EU gegen Russland ausreichen werden. Unser Militär hält die Stellung. Derzeit bleibt uns nichts anderes übrig, als zu warten.

Vlad, 25

Ich bin Ukrainerin. Meine Familie ist in der Ukraine und in einer unsicheren Lage. Konkret gibt es nichts, was ich jetzt tun kann. Es ist auch nicht so, als würde meine ganze Familie ausreisen wollen - die Männer sind für den Krieg da geblieben und jetzt geht es nur darum, dass die Kinder und Großeltern das Land verlassen können, zumindest für die Dauer der Angriffe. Dann schauen wir weiter. Niemand verlässt gerne seine Heimat. Von meiner Oma habe ich seit heute morgen nichts gehört und hoffe natürlich, dass sie sich heute Abend noch meldet und es ihr gut geht. Von Österreich wünsche ich mir härtere Maßnahmen. Solidarität zu zeigen ist zwar schön und gut, aber allein durch Solidarität mit der Ukraine kann man ein Land wie Russland nicht einschüchtern. Leere Worte reichen nicht. Es braucht strikte Sanktionen und humanitäre Hilfe für die betroffenen Gebiete.

Lydia, 25

Die Ukraine ist meine Heimat, seit zwei Jahren studiere ich allerdings in Wien. Das Gefühl, das ich habe, ist schwer zu beschreiben. Meine ganze Familie ist in der Ukraine, mein Bruder, meine Mutter, mein Vater. Es ist so gefährlich, was derzeit passiert. Mein Bruder, meine Oma und mein Opa sind vor zwei Tagen nach Schweden geflohen. Meine Mutter musste allerdings in Kiew bleiben, wegen der Arbeit. Derzeit wartet sie noch ab, was passiert, aber vielleicht wird sie nach Polen flüchten. Ich kenne mich politisch nicht so gut aus, aber ich wünsche mir einfach, dass Österreich und die EU die Ukraine so gut wie möglich unterstützen.

Maria, 18

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