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In Wien gibt es 500 Wildbienenarten - trotz Klimakrise

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Von: Christian Kisler

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Montage: eine Zaunrüben-Sandbiene, eine Ackerhummel
In Wien gibt es rund 500 Wildbienenarten, etwa die Zaunrüben-Sandbiene oder die Ackerhummel. © Sylvia Wanzenboeck/APA-PictureDesk/Kutzenberger/PID/BuzzFeed Austria

Wenn die Temperaturen steigen und vor allem, wenn alles schön blüht, dann summt es, auch in der Stadt. Beeindruckende 500 Arten Wildbienen gibt es in Wien.

Insektensterben ist eine traurige Wahrheit, da gibt es nichts zu beschönigen, da hilft es auch nicht, die Augen zu verschließen. Ausnahmsweise ist daran nicht „nur“ die Klimakrise schuld. Die zunehmende Zerstörung von Lebensräumen, der überschießende Einsatz von Düngemittel und Pestiziden, dazu immer mehr Monokulturen machen vor allem Bienen zu schaffen. Alles geht Hand in Hand. Der Rückgang ihrer Population ist dabei ein weltweit zu beobachtendes Phänomen. Darauf hinzuweisen, sie zu schützen, ist eine stete Notwendigkeit. Schließlich ist das Artensterben in vollem Gange.

Wie in vielen anderen Bereichen auch, ist Wien hier bereits in den 1980er Jahren einen anderen Weg gegangen. Schon damals hat die Stadt Wien den Einsatz von Pestiziden in großem Stil reduziert, zumindest im eigenen Einflussbereich. Dabei wurde auf bedenkliche Mittel wie Glyphosat überhaupt zur Gänze verzichtet. Denn dass diese für Insekten und eben auch Bienen besonders schädlich sind, hat man schon vor 30, 40 Jahren erkannt.

Wenn wir an Bienen denken, dann an die Honigbiene, die gemeinsam mit unzähligen anderen in einem Stock lebt und fleißig Blütenstaub sammelt, um daraus süßen Nektar herzustellen: Honig. Kennt man ja alles von der „Biene Maja“. Was Wildbienen anbelangt, so haben sie tatsächlich das Zeug, ein Weltbild zum Einsturz bringen zu können. Denn einerseits leben sie vorwiegend solitär. Was bedeutet, dass sie gänzlich alleine leben, komplett ohne Bienenstock. Lediglich zur Paarung treffen sie auf andere ihrer jeweiligen Art, nur, um sich unmittelbar danach wieder zu trennen. Wie so oft in der Tierwelt nicht gerade sehr romantisch. Und andererseits produzieren viele Wildbienenarten gar keinen Honig, sind sie doch meist auf eine einzelne Pflanzenart spezialisiert. Wie gesagt, mein Weltbild ist erschüttert: kein Bienenstock, kein Honig, trotzdem Biene.

Unter Wildbienen gibt es beträchtliche Größenunterschiede

Jedenfalls ist Wien die Stadt der Wildbienen, rund 500 Arten wurden bisher nachgewiesen, von der goldglänzenden Furchenbiene über die Zaunrüben-Sandbiene bis hin zur Ackerhummel. Die Größenunterschiede sind genauso beachtlich wie die Vielfalt. Während die blaue Holzbiene bis zu 28 Millimeter Körperlänge misst, bringt es die pelzige Rostrote Mauerbiene gerade einmal auf 8 bis 14 Millimeter. Gemein ist ihnen allen, dass sie Wien ihre Heimat nennen und unter anderem an den Geleisen der Straßenbahn leben.

Bei 500 Arten ist es nur natürlich, dass sie auch unterschiedliche Verhaltensweisen an den Tag legen. Manche nisten in toten Gehölzen oder hohlen Stängeln, andere in Sand und Erdreich. Da Strände in Wien eher Mangelware sind, weichen diese Exemplare dann mitunter in Sandkisten aus, um ihre Brut aufzuziehen. Für spielende Kinder besteht allerdings keine Gefahr, die Insekten verteidigen ihren Nachwuchs nicht. Wenn, dann besteht eher Gefahr für die Wildbienen.

Auch Honigbienen fühlen sich in Wien wohl

Um den Schock von vorhin zu mindern, dass Wildbienen in der Regel weder in Stöcken hausen noch Honig herstellen: Auch Honigbienen fühlen sich in Wien wohl. Nicht weniger als 5.000 Honigbienenstöcke gibt es in der Bundeshauptstadt, mitunter dort, wo du es nicht sofort vermuten würdest. Etwa auf dem Dach des Wiener Rathauses, auf dem der Wiener Staatsoper oder dem des Hundertwasserhauses. Auch in den Blumengärten Hirschstetten gibt es hervorragende Bedingungen für die Sechsbeiner.

Was Wildbienen und Honigbienen gemein haben: Sie benötigen dieselben Nahrungsquellen, nämlich Pflanzen mit Blüten. Tritt nun der Fall ein, dass die Nahrungsquellen versiegen, schadet das zunächst jenen Wildbienenvölkern, die sich auf die Blüten bestimmter Pflanzen spezialisiert haben. Dann erst geht es Honigbienen an den Kragen, sie bedienen sich aus vielfältigere Quellen, blöderweise auch aus jenen der Wildbienen. Was kannst du nun dazu beitragen, dass auch alle Bienenarten genug Futter bekommen? Indem du beim Garteln am Balkon, im Garten oder auf dem Fensterbrett in der Küche darauf achtest, unterschiedliche heimische Blütenpflanzen zu setzen. Und natürlich, ganz wichtig, indem du allgemein auf Pestizide verzichtest. Auf dass es weiterhin fröhlich brummt und summt.

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