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Fliegende Autos? Geil! Gegen die Klimakrise? Fix nicht

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Von: Christian Kisler

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Das fliegende Auto AirCar in der Luft
Das fliegende Auto AirCar hat die behördliche Erlaubnis für Flüge bekommen. © Klein Vision/Action Press/APA-PictureDesk

Mit dem AirCar hat ein fliegendes Auto die Flugerlaubnis erhalten. Angesichts von Klimakrise und Flugscham ist das Timing nicht das beste.

Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Ist es denn gar Superman? Nein, nichts davon. Es ist tatsächlich das, wonach es aussieht: ein fliegendes Auto, das leicht nachvollziehbar getaufte „AirCar“. Damit ist wahr geworden, was sich Zukunftsforscher:innen in den 1950er Jahren so ausgemalt haben, wenn sie die Zeit, in der wir leben, vorhergesagt haben. Computer, iPhones, soziale Netzwerke wie TikTok, Instagram und Facebook hatten sie zwar nicht auf der Rechnung. Aber sie träumten von Kolonien auf Mond und Mars, Siedlungen am Meeresgrund, hilfreichen Robotern in Menschengestalt - und eben fliegenden Autos.

Das AirCar musste über 200 Starts und Landungen absolvieren

Nun hat eines sich in Lüfte erhebenden Fahrzeuge tatsächlich geschafft. Nicht nur, dass der fahrbare Untersatz die Gesetze der Schwerkraft bezwungen hat, das haben andere schon vor ihm. Vielmehr wurde dem aus der Slowakei stammenden AirCar der Firma Klein Visions offiziell die Lizenz zum Fliegen erteilt, und zwar vom slowakischen Verkehrsministeriums höchstselbst. Damit es diese bekommen konnte, musste das AirCar nach den Standards der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) 70 Stunden Tests mit über 200 Starts und Landungen absolviert.

Die Transformation von Auto zu Flugobjekt, vor allem das Ausfahren der Flügel, nimmt laut Hersteller zwei Minuten und fünfzehn Sekunden in Anspruch. An Land schafft das AirCar etwa 160 Kilometer pro Stunden, in der Luft 190, die maximale Flughöhe beträgt 5.490. Und die Reichweite beträgt 1.000 Kilometer.

Das AirCar fliegt mit Benzin

Alles schön und gut, aber wie bewegt sich das AirCar fort, das zwei Menschen und 200 Kilo Gepäck transportieren kann? Richtig, mit einem Benzinmotor aus dem Hause BMW. Während sich vermehrt die Ausmaße der Klimakrise zeigen und Flugscham allgegenwärtig ist, scheint das nicht unbedingt das richtige Konzept zur richtigen Zeit zu sein. Wie es um die Abgasentwicklung des AirCars in der Luft bestellt ist, ist noch nicht restlos geklärt.

Individualverkehr ist auch nicht unbedingt ein Ziel, das weiterverfolgt werden sollte. Und bei einem Fassungsvermögen von gerade einmal zwei Personen und ein bisschen Gepäck - 200 Kilo klingen mehr als sie sind - scheidet die Idee von fliegenden Autos als Flugtaxis leider für den Großteil der Menschheit aus.

Wo das AirCar fliegen soll, ist nicht geklärt

Nicht umsonst wird Schiene statt Straße propagiert, was Gütertransporte anbelangt. Das sollte genauso für Luftraum und Individualverkehr gelten. Abgesehen, dass Bahnfahren im Idealfall wesentlich chilliger ist. Dazu kommt, dass nicht ganz geklärt ist, wo das AirCar denn fliegen und auch landen soll. Soll es spezielle Routen geben? Wie können Flughäfen Starts und Landungen des fliegenden Autos in ihren täglichen Ablauf integrieren? Oder soll das Gefährt auf der Autobahn plötzlich abheben? Nicht ganz ungefährlich. Abgesehen davon, dass man für die Inbetriebnahme des AirCars einen Pilotenschein benötigt.

Die Leistung der an der Entwicklung des Gefährts beteiligten Techniker:innen ist natürlich beeindruckend und soll nicht geschmälert werden. In Sachen Individualverkehr in der Luft handelt es sich aber nach wie vor um Zukunftsmusik. Die Zukunftsforscher:innen der 1950er Jahre liegen also nach wie vor knapp daneben.

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