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4 Dinge, die Amazon zum absoluten Klima-Ungustl machen

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Von: Sophie Marie Unger

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Amazon-Chef Jeff Bezos präsentiert das Amazon Smartphone vor einem Amazon Banner.
Amazon-Boss Jeff Bezos stellte in Seattle das damals brandneue Amazon Smartphone vor. © Ken Lamber/Imago

Arbeitshetze, Überwachung, Steuerflucht: Der US-amerikanische Onlineversandhändler Amazon hat da so einige Probleme an der Backe. Auch hinsichtlich der Klimakrise scheint man viel zu versprechen, aber wenig zu tun.

Schon vor zwei Jahren hatte Amazon-Gründer Jeff Bezos angekündigt, eine Vorreiterrolle im Klimaschutz einnehmen zu wollen. Sein Unternehmen solle bis 2040 die CO2-Neutralität erreichen, so Bezos im Vorfeld der Klimakonferenz in New York 2019. Auch auf der Website bemüht man sich Transparenz zu schaffen, und das Unternehmen ins „grüne Licht“ zu rücken. Immerhin habe man die CO2-Intensität im Jahr 2020 um 16 Prozent senken können. Diese vier Gründe zeigen euch, warum man das nicht so ganz ernst nehmen kann.

1. Neuware? Ab in den Müll.

Seit 2018 kamen erstmals Berichte über die Zerstörung von neuwertiger Ware durch Amazon auf. Viele Organisationen und Medien versuchten, den Dingen auf den Grund zu gehen und tatsächlich konnte diese These immer wieder bestätigt werden. Amazon widerspricht den Vorwürfen auch nicht, es sei nur ein „kleiner Teil“, der aus „hygienischen oder sicherheitstechnischen Gründen“ vernichtet werden müsse - und wir alle wissen, von welchen Amazon-Verhältnissen die Rede ist. Laut Greenpeace landen rund vier Prozent der im europäischen Onlinehandel zurückgeschickten Artikel im Müll. Für Österreich entspricht das für 2019 rund 1,3 Millionen Pakete, deren Inhalt einfach vernichtet wurde.

Man möge vielleicht meinen, dass sich seither etwas geändert hat. Immerhin hat Jeff Bezos doch 2019 versprochen, ein Klimaschutz-Vorreiter zu sein. Doch neue Recherchen sorgen auch 2021 für Empörung. Ein Undercover-Rechercheur von Greenpeace war mehrere Wochen in den sogenannten Destroy-Stationen tätig und erlebte die Entsorgung der Neuware hautnah mit. Vernichtet werden vor allem Produkte von Dritthändlern, die ihre Ware über Amazon vertreiben. Denn der Konzern verlangt enorme Langzeitlager-Gebühren, die aber nicht verrechnet werden, wenn die Dritthändler die Entsorgungen beantragen.

Auch im schottischen Dunfermline werden in einer Woche bis zu 130.000 Stück Neuware vernichtet. Ein Ex-Mitarbeiter berichtete dem britischen TV-Sender ITV davon. Schmuck, Besteck, Kopfhörer, Bücher, Laptops und Fernsehgeräte wurden in Kisten mit der Aufschrift „zerstören“ verladen. Den Mitarbeiter:innen wurde sogar ein wöchentliches Zerstörer-Ziel gesetzt.

2. Rücksendungen? Kuriose Lösungen sind in.

Mindestens einer von 10 Artikeln wird laut Statista weltweit wieder an Amazon zurückgesendet. Die oben genannte Wegwerf- und Zerstörungskultur von Amazon erreicht aber eine noch kuriosere Ebene. Denn wer selbst schon etwas zurücksenden wollte, weiß eventuell, dass manche Produkte überhaupt erst gar nicht zurückgenommen werden. Das Geld dafür bekommt man aber trotzdem - das ist schon irgendwie sehr komisch, oder?

Der Grund dafür, dass so manche Amazon-Rücksendung kostenlos in deinem Besitz verbleiben kann, ist auf einen bestimmten Umstand zurückzuführen: Die Retourkosten. Denn auch für Amazon fallen Gebühren an, wenn du etwas an den Versandriesen zurücksendest. Laut der Verbraucherzentrale liegen die durchschnittlichen Kosten für Amazon bei 15 Euro pro Rückgabe. Das heißt, dem Online-Konzern kommt es im Großen und Ganzen billiger, die Rücksendungen nicht entgegenzunehmen. Dieses Vorgehen sei laut Amazon aber obendrein „gut für den Klimaschutz“. Denn Rücksendungen waren im Jahr 2019 tatsächlich für rund 238.000 Tonnen CO2 verantwortlich.

Was für Amazon eine vermeidliche Klimaschutzmaßnahme ist, lässt sich letztlich nur als Verantwortungsübertragung beschreiben. Denn du wirst dafür bezahlt, dass du dich um den eigentlich ungewollten Krempel kümmerst. Somit schiebt dir Amazon die gesamte Klimaschutz-Verantwortung zu. Denn jetzt darfst du entscheiden, was damit passiert. Und da du die Sachen ja eigentlich nicht benutzen wirst, landen sie vermutlich irgendwann im Müll. So werden nicht nur immer mehr Produkte in den Umlauf gebracht, auch das Bewusstsein, gewissenhaft mit Gegenständen und ihrer Produktion umzugehen, erhält einen ordentlichen Knacks. Besser wäre es also, schon im Vorhinein die Möglichkeit zu haben, abschätzen zu können, ob man die Produkte wirklich will. Das könnte bspw. mit Virtual-Reality und einer virtuellen Umkleide u.ä. erfolgen.

3. Verpackungsregeln? Sind Amazon & Co. ziemlich egal.

Ganz weit oben auf der Online-Shopping-Umweltsünden-Liste ist natürlich der Verpackungsmüll, der damit entsteht. Auf nationaler Ebene versucht man nun, diesen verstärkt zu regulieren. Denn ab 2023 müssen elektronische Marktplätze im Zuge der Gesetzesnovelle des Abfallwirtschaftsgesetzes mehr Verantwortung über den Verpackungsmüll übernehmen. Konkret heißt das, dass alle Händler, die auf Amazon verkaufen, die Vorgaben zur Verwertung von Müll einhalten müssen.

Zum einen ist es bis 2023 ja noch eine ganze Weile, in der gewissenlos mit Verpackung hantiert wird. Zum anderen zeigt auch die Vergangenheit, dass Großkonzerne wie Amazon auf solche nationalen Regeln eher pfeifen. Denn schon jetzt ist in Österreich in §13a AWG etwa vorgesehen, dass Händler, die Verpackungen oder verpackte Waren erwerbsmäßig in den Verkehr bringen, an einem Sammel- und Verwertungssystem teilnehmen müssen. Diese sogenannte Entpflichtung wird aber so gut wie nie eingehalten. Der Grund: Nur die wenigsten Anbieter haben ihre Niederlassung in Österreich, wodurch die Durchsetzung schwierig ist.

Zudem sind die Strafen für Online-Riesen wie Amazon, Ali Express oder Wish eigentlich lächerlich. Sie liegen zwischen 450 und 8.400 Euro und dürften die Konzerne eher wenig beeindrucken. Schauen wir also, was 2023 so bringt.

4. Jeff Bezos? Gönnt sich Privatjets und Raketen.

Obwohl Amazon-Gründer Jeff Bezos immer wieder groß über die Rettung der Welt spricht und laut eignen Angaben nun auch Milliarden an nachhaltige Unternehmen spenden wird, gibt es ein paar Unstimmigkeiten. Zur Klimakonferenz in Glasgow reiste er - wie eigentlich eh auch überall sonst - mit dem Privatjet an. Laut einer Studie der Organisation „International Council on Clean Transportation“ sind Privatflugzeuge pro Passagier etwa fünf- bis 14-mal umweltschädlicher als kommerzielle Flugzeuge, welche bekanntlich eh schon für rund fünf Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sind. Auch Yachten gelten als große Klimasünder im Transportbereich. Sonntagsfahrten stehen aber weiterhin am Programm des Konzernchefs und lassen ihn hinsichtlich des Klimaschutzes nicht unbedingt authentisch wirken.

Auch sein ach so grüner Flug ins All, der ja über Wasserstoffantrieb erfolgte und beim Verbrennen tatsächlich nur Wasserdampf entstand, muss näher betrachtet werden. Denn die herkömmliche Herstellung dieses Kraftstoffs erzeugt eine enorme Menge an Treibhausgasen: Eine Tonne Wasserstoff verursacht in der Produktion rund zehn Tonnen CO2. 

Wer genau wissen will, wie viel CO2 die Superreichen in die Atmosphäre pumpen, sollte sich mal diese Studie ansehen.

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