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Bitcoin: Dreckige und umweltschädliche Kryptowährung

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Von: Christian Kisler

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Eine Hand hält eine Bitcoin-Münze mit unzähligen Kohlekraftwerken und AKW im Hintergrund.
Bitcoins sind böse Umweltsünder. Ihretwegen wurden sogar Kohlekraftwegen in Betrieb genommen. © MoRe_ChANce/IMAGO

Bitcoins sind wesentlich umweltschädlicher als vielen bewusst ist. Jetzt wurden gar Kohlekraftwerke in Betrieb genommen, um nach ihnen zu schürfen.

Eigenartige Geschichten rund um die virtuelle Kryptowährung Bitcoin gibt es einige. Etwa jene von dem jungen deutschen Mann, der auf einem Vermögen an Bitcoins sitzt, aber das doch ein wenig kompliziertere Passwort vergessen hat, um darauf Zugriff haben zu können. Jene, dass die digitale Währung in El Salvador neuerdings offizielles Zahlungsmittel ist und alle Bürger:innen zur Einführung 30 Euro in Bitcoins erhält.

Oder jene Story um einen Waliser, der 2013 eine Festplatte mit 7.500 Bitcoins weggeworfen hat. Heute sind sie rund 387 Millionen Euro wert. Zwar würde er sich gerne durch die örtliche Mülldeponie wühlen, allein: Die Behörden untersagen ihm das kostenaufwändige Verfahren, das zudem die Umwelt belasten würde.

Bitcoin weltweit meistverbreitete Kryptowährung

Womit wir mitten im Thema sind: Bitcoins und ihre Klimabelastung. Doch der Reihe nach. Was ist überhaupt Bitcoin? Bitcoin ist die weltweit am meisten verbreitete Kryptowährung, ein Vermögenswert, der als Tauschmittel verwendet wird und in einer dezentralen Datenbank gespeichert wird, der viel zitierten Blockchain. In einzelnen Blöcken aus verschiedenen Orten - dezentral eben - werden Datensätze gespeichert und zu Ketten zusammen gefügt: voilà, eine Blockchain. Hier finden alle Transaktionen zusammen, die einerseits ein Bitcoin ausmachen, andererseits alle Deals und „Kontostände“ dokumentieren. Unterm Strich ist Bitcoin also ein digitales Zahlungsmittel, das über leistungsstarke Computer generiert wird.

Die derart „hergestellten“ virtuellen Münzen werden in einer Wallet, quasi einer digitalen Geldbörse, gesammelt und gespeichert. Um eine Bitcoin zu prägen, muss zuerst ein Block erzeugt werden, der wiederum der Blockchain hinzugefügt wird. So entstehen Bitcoins. Das ist nicht zuletzt deshalb dezentrale Geldschöpfung, weil das theoretisch überall gemacht werden kann. Der Vorgang wird „Mining“ genannt, zu Deutsch etwa „schürfen“. Dem zugrunde liegt allerdings das Lösen kryptografischer Aufgaben.

Strom fressende Rechner für Bitcoins

Dafür werden wie eingangs erwähnt Rechner mit kostspieliger Hardware und entsprechender hoher Leistung benötigt. Und die benötigen eben Strom. Viel Strom. UNFASSBAR viel Strom. Zumal es ja mit einem einzelnen Computer nicht getan ist. Eingesetzt werden ganze Rechnerfarmen mit hunderten bis tausenden Computern, die keinen anderen Zweck haben, als letztendlich Bitcoins zu generieren. Für das Schürfen gibt es allgemein keine Obergrenze, was den Stromverbrauch betrifft. Und das ist eben ein großes Problem.

Das Schürfen an sich ist mittlerweile ein Geschäftszweig, so gibt es etwa einen ganzen Industriezweig mit eigenen Mining-Unternehmen. Um ihren Energie-Hunger zu stillen, gehen in den USA einige dieser Firmen ungewöhnliche, nicht gerade umweltfreundliche Wege. So wurden in jüngster Vergangenheit gleich zwei Fälle publik, in denen Mining-Unternehmen eigentlich stillgelegte Kohlekraftwerke käuflich erworben haben. Im US-Bundesstaat Pennsylvania verfeuert der Betrieb Stronghold Digital Mining nun 600.000 Tonnen Kohle pro Jahr, um seine 1.800 Computer rund um die Uhr mit Strom zu versorgen.

Mining-Firmen kaufen Kohlekraftwerk für Bitcoin-Erzeugung

Im US-Bundesstaat New York bäckt Greenidge Generation noch einmal größere Brötchen. Mit dem Strom, den das von der Mining-Firma gekaufte Kohlekraftwerk für 15.300 (!) Mining-Rechner produziert, könnte man 35.000 Haushalte versorgen. Das ist eine Sache. Dass das Kraftwerk die reinste Dreckschleuder ist und Gift in die Luft bläst, eine andere. Kohle wird hier zwar nicht verfeuert, stattdessen wurde das alte Kraftwerk auf Erdgas umgerüstet.

Damit und mit der Tatsache, dass das Mining an diesem Standort klimaneutral sei, verteidigt sich Greenidge Generation gegenüber Umweltorganisationen. Allerdings kann das nur erreicht werden, weil das Unternehmen CO2-Zertifikate erwirbt, um seine Bilanz auszugleichen. Diese können von der jeweiligen Landesregierung ersteigert werden. Dadurch wird beispielsweise Kohle weniger wettbewerbsfähig gegenüber CO2-freien Energieträgern, dafür dürfen Betreiber:innen weiterhin ungehindert Dreck verursachen.

Atomenergie für Bitcoins

Andere Schürf-Betriebe versuchen sich an vermeintlich weniger schmutziger Energie für ihre Bitcoins: Sie beziehen ihre Energie aus Atomkraft und gehen dafür Deals mit AKW-Betreiber:innen ein. Das mag für das Klima längerfristig schonender sein, der Gefahren eines möglichen Unfalls in einem Atomkraftwerk sollen wir uns alle im Klaren sein. Außerdem: Wohin mit dem radioaktiven Müll, der zwangsläufig anfällt?

So oder so: Bitcoins sind dem Klima nicht eben zuträglich. Die durch Mining entstandenen Treibhausgasemissionen sind in den letzten Jahren weltweit enorm gestiegen. 75 Prozent der Bitcoin-Erzeugung finden dabei in China statt. Der weltweite CO2-Ausstoß entspricht derzeit dem eines Landes mit einer Bevölkerung von 10 Millionen Menschen, etwa Tschechien, Schweden, Griechenland, Portugal oder Jordanien.

Bitcoin-CO2-Fußabdruck so groß wie der von Finnland

Wäre Bitcoin ein Staat, wäre sein CO2-Fußabdruck so groß wie der von Finnland, sein Stromverbrauch würde dem Kasachstans gleichkommen und es würde pro Jahr soviel Elektroschrott verursachen wie Luxemburg, nämlich über elf Tonnen. Dann bei allen Risiken doch lieber bei altbewährten Währungen bleiben. Reich geworden sind nur die wenigsten Bitcoin-Schürfer:innen, der Umwelt haben sie allerdings bewusst oder unbewusst ziemlichen Schaden zugefügt.

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