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Das Bundesheer plant, nachhaltiger zu werden - es gibt aber noch viele andere Baustellen

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Von: Johannes Pressler

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Links im Bild Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP), rechts ein Foto von einem Militärpolizisten bei einer Ausreisetestkontrolle.
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) ist für das Bundesheer zuständig. (Fotomontage) © Michael Indra/SEPA.Media/EXPA/APA-PictureDesk

Das Österreichische Bundesheer plant nachhaltiger zu werden. Ein guter Schritt. Dabei sollten jedoch andere Missstände im Heer nicht vergessen werden.

Das Österreichische Heer und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) haben in Sachen Nachhaltigkeit einiges vor. Im Vordergrund steht dabei die für dieses Jahr geplante Flugshow Airpower, einer Flugschau des Bundesheeres gemeinsam mit Red Bull und dem Land Steiermark, die alle zwei Jahre in Zeltweg stattfindet. Von Klimaschützer:innen wie der „Fridays for Future“-Bewegung in der Vergangenheit wegen der dort ausgestoßenen Schadstoffe viel kritisiert, soll die Airpower laut Tanner nun ein „Green Role Model“ werden.

„Wir werden erstmals in der Geschichte des Bundesheeres eine nachhaltigere und grünere Airpower ausrichten“, sagte Ministerin Tanner im Interview mit der Austria Presse Agentur (APA). Darüber hinaus soll auch in anderen Bereichen des Heeres in Zukunft mehr auf Umweltschutz geachtet werden. Der Übungsplatz des Heeres im niederösterreichischen Allentsteig gehört zum „Natura 2000-Schutzgebietnetzwerk“. Außerdem will man ab sofort bei der Nahrungszufuhr, wie es im Militär-Deutsch so „schön“ heißt, auf mehr Regionalität und weniger Speiseabfälle achten. Projekt „Klimateller“ wird es genannt. Sogar Elektroautos stehen in den Plänen des Bundesheeres.

Grüne Pläne des Bundesheeres: Ablenkung von anderen Missständen?

Neben diesen auf dem Papier gut aussehenden Plänen sollte aber nicht vergessen werden, wo es im Bundesheer noch einiges an Nachholbedarf gibt. Da wäre zum Beispiel die Rolle des Heeres in der Bewältigung der Coronapandemie. Insgesamt 3,3 Millionen Stunden war man 2021 im Corona-Einsatz, gab das Heer voller Stolz bekannt. „Unser Bundesheer ist die strategische Waffe gegen die COVID-19-Pandemie“, hieß es von Ministerin Tanner im Ton einer Generalin. Tatsächlich ist das Bundesheer eine wichtige Corona-Unterstützung bei Kontrollen, Testungen und Impfungen.

Worüber vom Bundesheer eher wenig stolz gesprochen wird, sind die vielen Beschwerden von Soldat:innen. Im Jahr 2020 musste die dafür zuständige Parlamentarische Bundesheerkommission 566 Beschwerdeverfahren einleiten. Das sind mehr als eineinhalb Beschwerden pro Tag und doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Die Zahlen für 2021 sind dazu noch nicht bekannt. Viele der Proteste standen im Zusammenhang mit dem Corona-Einsatz des Heeres. Aufgrund zu enger Unterkünfte sollen die Abstandsregeln nicht eingehalten worden sein, zeitweise soll es zu wenige FFP2-Masken gegeben haben und Freizeit gab es für die Soldat:innen auch so gut wie keine. Daher wohl auch die 3,3 Millionen Dienststunden.

Nach außen hin gut, intern eher problematisch. So könnte man das Corona-Management des Bundesheeres beschreiben. Seit ein paar Wochen jetzt übrigens auch an der Spitze des Landes gemeinsam mit Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne). Zusammen mit der Generaldirektorin für die Öffentliche Gesundheit, Katharina Reich, leitet Generalmajor Rudolf Striedinger die neue Corona-Task-Force GECKO. Ob sich dieses Team mit Bundesheer-Beteiligung bewahrheiten kann, wird sich wohl schon eher früher als später zeigen. Omikron schläft nicht.

Mängel beim Bundesheer: Keine Eintagsfliege

Dass es im Österreichischen Heer nicht immer so rund läuft, ist definitiv nichts Neues. Man denke nur zum Beispiel an den Vorfall aus dem Jahr 2017, als ein 19-jähriger Grundwehrdiener bei einem Marsch in der prallen Sonnen verstarb. „Ich sterbe! Holen Sie einen Arzt!“, soll der Soldat mit 43,5 Grad Fieber geschrien haben. Erste Ermittlungen gegen den vorgesetzten Soldaten des 19-Jährigen wurden eingestellt, doch die Eltern des verstorbenen jungen Mannes hatten beantragt, die Untersuchungen fortzuführen. Das war im März 2020, auf ein Ergebnis warten wir heute noch.

Neben ernsteren Ereignissen ist beim Bundesheer auch immer wieder darauf Verlass, für die ein oder andere teure Kuriosität zu sorgen. Wie in der „Puls 4“-Sendung „Bist Du Deppert!“ zu sehen war, kaufte das Heer im Jahr 2013 einige Drohnen im Wert von 4,4 Millionen Euro. Geliefert wurden die Drohnen 13 Monate zu spät, teils beschädigt und nur für den Schönwettereinsatz tauglich. Wie viel dieser Spaß den Steuerzahler:innen in Österreich kostete? 18.200 Euro pro Flugstunde.

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