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Earth Overshoot Day in Österreich: Wir leben ab sofort auf Kosten nachfolgender Generationen

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Von: Johannes Pressler

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Zwei junge Frauen demonstrieren in Berlin und halten zwei unterschiedlich große Erdkugeln ins Bild.
Auf der ganzen Welt demonstrieren junge Menschen gegen den Earth Overshoot Day. © Wolfgang Kumm/dpa

Weltweit fiel der Earth Overshoot Day im letzten Jahr auf den 29. Juli. In Österreich ist er heuer schon am 6. April.

Es ist ein Tag, für den man sich eigentlich schämen müsste. Die Rede ist vom Earth Overshoot Day, auch bekannt als Welterschöpfungstag und Erdüberlastungstag. Das Ganze ist eine jährliche Kampagne von Global Footprint Network, einer US-amerikanischen Non-Profit-Organisation im Umweltbereich. Der Earth Overshoot Day bezieht sich im Grunde auf jenen Tag im Jahr, an dem der durchschnittliche theoretische Flächenbedarf der Menschheit - zum Beispiel für Urbanisierung, Nahrungsmittelanbau und industrielle Produktion - die Pufferkapazitäten der Erde überragt. Erstmals zu so einem Ungleichgewicht kam es im Jahr 1971, damals fiel der Welterschöpfungstag auf den 21. Dezember.

Verbrauch steigt stetig, Earth Overshoot Day in Österreich schon erreicht

Der weltweite Verbrauch von Ressourcen steigt nicht nur dauernd, sondern dieser Anstieg wird auch immer schneller. Laut den Expert:innen, die den Earth Overshoot Day in einem komplexen Verfahren ermitteln, kamen wir in den 2000er Jahren mit unseren Ressourcen noch weit bis in den September hinein aus. Rund zwei Jahrzehnte später sieht es noch um eine Spur dramatischer aus. Im letzten Jahr war der globale Welterschöpfungstag nämlich am 29. Juli. Am schlimmsten ist es übrigens in Luxemburg. Dort war der Earth Overshoot Day heuer schon am 14. Februar.

Österreich war beim Erdüberlastungstag auf das eigene Land bezogen ebenfalls schon immer eines der schwarzen Schafe. Bereits in den 1960er Jahren (!) verbrauchten wir mehr Ressourcen, als eigentlich vorhanden sind. 2021 fiel der österreichische Earth Overshoot Day auf den 7. April, heuer sogar noch einen Tag früher auf den 6. April. Bio Austria, der Verein zur Förderung des Biologischen Landbaus, meint dazu auf ihrer Webseite: „Es ist höchste Zeit, dass sich tatsächlich etwas ändert. Wollen wir nicht auf eine Katastrophe zusteuern, müssen wir jetzt umdenken und unser Konsumverhalten ändern.“

Klimaschutzministerin fordert „Umdenken“, SPÖ kritisiert Regierungsparteien

Besonders große Sorge bereitet der österreichische Earth Overshoot Day Leonore Gewessler (Grüne). Sie ist als Teil der Koalition mit der ÖVP die zuständige Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. Also für so gut wie alle Bereiche, die in irgendeiner Form in Verbindung zu den Ursachen und Auswirkungen des Welterschöpfungstags stehen. Für Gewessler wäre „ein Umdenken unumgänglich und dringendst geboten“.

Kritik gibt es vor allem von der SPÖ und ihrer Umweltsprecherin Julia Herr. Die reichsten zehn Prozent in Österreich würden so viel CO2 ausstoßen wie die gesamte ärmere Hälfte der Bevölkerung, daher müsse die Senkung des Energie- und Ressourcenverbrauchs sowohl sozial als auch ökologisch geschehen. Herr nimmt hier die Regierungsparteien in die Pflicht, wie sie in einer Presseaussendung schreibt: „Seit mehr als 15 Monaten ist Österreich ohne gesetzliche Klimaziele. Die Regierung ist beim Klimaschutzgesetz in Verzug. (...) Jeder Tag, der hier ungenutzt verstreicht, geht auf Kosten eines lebenswerten Planeten und künftiger Generationen.“

Der Earth Overshoot Day zeigt klar: Es braucht mehr soziale und nachhaltige Projekte in Österreich. Dafür gibt es nun mit Gexsi eine neue Suchmaschine.

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