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Ausgerechnet ab Ostern droht in Österreich ein Eierengpass

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Von: Christian Kisler

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Montage: viele rohe Eier auf einem Gitter, ein Osternest mit Eiern
Spätestens nach Ostern könnte es mit Eiern knapp werden. © Sebastian Kahner/Annette Riedl/dpa/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Nach dem Osterfest droht in Österreich aber ein Engpass - was auch mit der eingebrochenen Getreideproduktion in der Ukraine zu tun hat.

Eigentlich ist Ostern ja das höchste kirchliche Fest, zumindest im Christentum, wird doch die Auferstehung Jesu Christi und damit des Herren gefeiert. Das sollte in einem katholischen Land wie Österreich allgemein bekannt sein. Nicht nur für Kinder viel wichtiger sind aber der Osterhase und was er bringt: Eier nämlich. Beides ursprünglich Fruchtbarkeitssymbole, die sich irgendwann mit dem christlichen Auferstehungsfest vermischt haben - fällt ja alles in den Frühling. Eier sind im ganzen Jahr bei Österreicher:innen beliebt, pro Kopf werden durchschnittlich 236 Eier im Jahr verzehrt, das sind etwa vier bis fünf Eier pro Woche.

Die Getreideproduktion in der Ukraine ist zum Erliegen gekommen

Das könnte sich bald ändern. Erstmals im Nachkriegsösterreich mussten Eier produzierende Landwirt:innen auf einen Schlag 5 Cent mehr pro Ei verlangen. Eine solche Steigerung auf einmal gab es noch nie. Der Grund dafür liegt vieles so vieles derzeit in unserer globalisierten Welt - und im verheerenden Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine. Nicht zuletzt ist dort ist die Getreideproduktion zum Erliegen gekommen, was nicht nur in absehbarer Zeit zu Hungerkatastrophen in mehreren afrikanischen Ländern führen wird. Diese sind nämlich Hauptabnehmer der ukrainischen Getreidesorten. Aber auch was die heimische Futtermittelproduktion anbelangt, wird es eng.

Aus Russland kommen Öl und Gas, aus der Ukraine, der Kornkammer Europas, Getreide, Soja, Mais und Pflanzenöle. Alles unersetzlich für die Landwirtschaft in der gesamten EU und somit auch für Österreich. Hier gibt es 7,4 Millionen Legehennen, 13 Prozent der Tiere werden als „Bio“ ausgeschildert, 26,5 Prozent legen als Freilandhühner. Die COVID-19-Pandemie hat durch verzögerte Lieferungen die Bedingungen verschärft, seit dem russischen Krieg in der Ukraine wird die Lage nahezu dramatisch. Die Preise schießen einerseits durch die Decke, andererseits ist das Produkt Getreide durch den Ausfall der ukrainischen Produktion knapp.

Futterkosten für Legehennen haben sich fast verdoppelt

Legehennen bekommen auf das Gramm genau berechnete Futtermischungen, bestehend aus eben aus Weizen, Soja, Mais, raren Gütern, dazu ein die Knochenstärke erhöhende Mittel. Schließlich beziehen Hennen das Kalzium für die Schale ihrer Eier aus ihren Knochen. In Summe braucht eine Legehenne 45 Kilo Futter im Jahr, 60 Prozent ihrer Haltekosten. Nur haben sich die Futterkosten eben fast verdoppelt, ein Stall kostet demnach rund 40 Prozent mehr als im Vorjahr.

Dass das begehrte Ei nicht einfach nur unfassbar teuer wird, sondern überhaupt zum nur selten verfügbaren Luxusartikel verkommen könnte, ist gar nicht so unwahrscheinlich. Fix scheint jedenfalls, dass es ab Ostern, spätestens im Herbst tatsächlich knapp werden könnte. Aus mehreren Gründen. Wird Futter knappes Gut, kannst du natürlich auch weniger Hennen halten. Dann gibt es auch weniger Eier. Logisch. Außerdem: Da die Getreidepreise auch extrem gestiegen sind, verzichten einige Landwirte auf Hühnerhaltung und konzentrieren sich darauf, Getreide in größeren Mengen als sonst zu verkaufen. Dass mangelnder Regen im März die Ernte zusätzlich beeinträchtigt hat, sei nur am Rande erwähnt.

Vom Brutei bis zur Legehenne braucht es rund ein halbes Jahr Vorlaufzeit

Dazu kommt ein strukturelles Problem. Nach Ostern werden die meisten Tiere „ausgestallt“, wie es in der Fachsprache heißt. Das ist nicht schön: Das ist jener Prozess, in dem in diesem Fall Hühner von den Landwirt:innen zum anschließenden Transport in einen Schlachtbetrieb verladen werden. Die Stallungen werden danach gereinigt und nach erst drei Wochen wieder belegt. Die Landwirtschaftskammer fürchtet, dass dieses Jahr viele Ställe leer bleiben werden. Bis die Eierproduktion wieder voll anläuft, dauert es allerdings. Schließlich benötigt es vom Brutei bis zur Legehenne rund ein halbes Jahr Vorlaufzeit. Fallen mehrere Produzent:innen aus, gerät die gesamte Wertschöpfungskette aus dem Gleichgewicht.

In anderen Ländern der EU sind die verheerenden Folgen bereits zu sehen. In Spanien etwa mussten Legehennen im großen Stil gekeult, also geschlachtet werden. Weil das Land zwei Drittel seines Futters aus der Ukraine und Russland importierte und die Hühner nicht mehr versorgt werden konnten. In Bulgarien und Rumänien gibt es jetzt schon zu wenige Eier. Und in Italien kam hinzu, dass Millionen Tiere von der Vogelpest dahingerafft worden sind.

Auch Überraschungseier werden Mangelware

Eier anderer Art sind jetzt schon Mangelware und werden wohl in so manchem Osternest fehlen. Nämlich jene aus Schokolade aus dem Hause Ferrero, allen voran die Kinder-Überraschungseier, -Schokobons und -Mini Eggs. Sie alle wurden nun auch in Österreich zurückgerufen, nachdem in einigen anderen Ländern wie Großbritannien, Deutschland, Belgien, Frankreich, Irland, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen und Schweden Fälle von Salmonelleninfektionen bekannt worden waren.

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Die Lebensmittelsicherheitsbehörde sowie die Gesundheitsbehörde der EU nahmen Untersuchungen zu den Salmonellenausbrüchen auf. Dabei kam heraus, dass bisher 105 Fälle bestätigt wurden, dazu gebe es 29 Verdachtsfälle. Die meisten tauchten bei der Zielgruppe von Ferreros-Kinder-Linie auf, nämlich bei Kindern im Alter von unter zehn Jahren. Dann doch lieber ein leeres Osternest heuer, auch wenn es schwer fällt.

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