1. BuzzFeed.at
  2. News
  3. Umwelt

„Musste trotz gebrochener Rippe 24 Stunden in Polizeigewahrsam“: Ein Klimaaktivist beschuldigt die Polizei

Erstellt:

Von: Sophie Marie Unger

Kommentare

Baumhaus von Lobaubleibt Protestaktion und Klimaaktivistin Lena Schilling
Sprecherin Lena Schillingverurteilt das Vorgehen der Polizei. Zuletzt wurde scheinbar sogar ein Aktivist verletzt. © APA Picturedesk

Bei Protestaktionen von Klimaaktivist:innen kam es zuletzt immer wieder zu Ausschreitungen. So auch am vergangenen Samstag bei der Räumung eines Baumhauses. Dabei soll die Polizei sogar einen Aktivisten verletzt haben. Was genau ist passiert?

Zuerst das Lobau-Camp und nun das Baumhaus. Klimaaktivst:innen hatten es in den vergangenen Tagen nicht leicht. Zuletzt versuchten sie, weitere Rodungen für die geplante Stadtautobahn im Zuge des Lobauprojekts der Stadt Wien zu verhindern. Sie errichteten deshalb in Hirschstetten ein Baumhaus, um eben einen jener Bäume zu schützen, dessen baldige Rodung zu befürchten ist. Die Stadt veranlasste die Räumung und schickte ein Großaufgebot der Polizei und WEGA-Spezialkräfte.

Das Resultat der Auflösung: Festnahmen und Verletzung

Wegen Verwaltungsübertretungen wurden vier Personen verhaftet und ins Polizeianhaltezentrum (PAZ) gebracht. Dort passierte dann die vermeintliche Körperverletzung. „Ich bin zusammengekauert am Boden gelegen, dann hat mir ein Polizist sein Knie in den Rücken gerammt und mir so die Rippe gebrochen“, erzählte der Aktivist Fridays For Future. Und obwohl er laut eigenen Angaben über Schmerzen klagte, musste er 24 Stunden in Polizeigewahrsam bleiben. „Der Arzt vor Ort hat die Verletzung zwar festgestellt, aber weder behandelt noch mich ins Krankenhaus bringen lassen. Ich bekam eine Schmerztablette“, schilderte er weiter.

Was sagt die Polizei dazu?

Laut Polizei wurde der Aktivist untersucht und behandelt. Ein ärztliches Gutachten stufte ihn dabei als haftfähig ein. Befunde lagen am Tag des Vorfalls aber noch keine vor, hieß es. Die Polizei argumentiert auch, dass der Aktivist erst am Sonntag von Körperverletzung sprach und nicht etwa direkt nach dem Vorfall.

Wie geht es weiter?

Die Behörden forderten den Aktivisten auf, seinen Namen bekannt zu geben, was bisher nicht geschehen sei. Man wolle den Vorfall prüfen und habe bereits das Referat für besondere Ermittlungen über die Vorwürfe informiert. „Die Wiener Polizei nimmt jeden Misshandlungsvorwurf ernst und wird die Behauptungen entsprechend prüfen“, versichert man.

Wie sehen die Reaktionen aus?

„Eine echte Klimamusterstadt würde nicht gewaltsam gegen Klimaaktivist:innen vorgehen. Doch wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir setzen uns weiter friedlich, mutig und standhaft für eine klimagerechte Welt ein”, so Lena Schilling, Sprecherin von LobauBleibt. Dabei schließe man auch rechtliche Schritte nicht aus. Der verletzte Aktivist meinte schließlich: „Ich will nichts anderes, als mich für eine sozial gerechte, ökologische und friedliche Zukunft für unsere Kinder einzusetzen“.

Die Grünen kritisieren nach dem Vorfall erneut das Vorgehen der Wiener Stadtregierung. Der Klimasprecher der Grünen, Lukas Hammer, sehe sogar eine Kriminalisierung der Klimaaktivist:innen. Anstatt sie mit „Gewalt aus dem Weg zu räumen, sollten wir ihnen zuhören und den Dialog suchen. Das sollte auch die Wiener Stadtregierung endlich einsehen“. Und auch die Polizei nimmt er in die Pflicht: „Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass hier ein Aktivist im PAZ misshandelt wurde, dann muss es auch entsprechende Konsequenzen geben“.

Auch interessant

Kommentare