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Ein Grazer Start-up stellt aus CO2 Tierfutter und wohl bald auch Lebensmittel für uns her

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Von: Sophie Marie Unger

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Eine Industrieanlage und in fressende Kühe im Stall
CO2 wird schon bald zu Tierfutter. © APA Picturedesk

Mit Hilfe von Wasserstoff und Mikroorganismen will ein Grazer Start-up Kohlendioxid in hochwertiges Protein - etwa für Tierfutter - verwandeln.

Bei den meisten Klimazielen geht es ja vor allem darum, CO2 zu reduzieren. Eben indem man auf alternative Fortbewegungsmittel zurückgreift, nachhaltiger lebt, oder Technologien und Materialien entwickelt, die generell weniger Kohlendioxid ausstoßen, wie etwa neuer Flugzeugsprit aus Kerosin und Speiseöl. Eine weitere Möglichkeit besteht aber auch darin, entstehendes CO2 abzuziehen und sinnvoll zu nutzen. Denn CO2 ist für viele Vorgänge ja durchaus essentiell und deshalb auch für das Grazer Start-up Econutri stets willkommen. Die Forscher:innen haben nämlich ein Bakterium entdeckt, das dabei hilft, aus CO2 proteinreiche Biomasse zu produzieren. Tierfutter ist ein daraus entstehendes Endprodukt.

Wie kann das funktionieren?

Die Idee basiert auf der Carbon-Utilization-Technologie. Das ist ein Verfahren, das CO2 während seiner Entstehung abschneidet, als Rohstoff gewinnt und dann weiterverwertet, anstatt es in die Atmosphäre zu pusten. Das Bakterium Cupriavidus necator ist in der Lage, CO2 als alleinige Kohlenstoffquelle zu nutzen. Es arbeitet dabei im Prinzip ähnlich wie eine Pflanze, nur dass anstelle von Licht Wasserstoff als Energiequelle dient. Das, was das Bakterium antreibt, ist also die Verbrennung (Oxidation) von Wasserstoff mit Sauerstoff. Als Ausscheidungsprodukt entsteht dabei lediglich Wasser - die Umwelt bleibt somit verschont. Am Ende des Prozesses stehen wertvolle Proteine, die auf unterschiedliche Weise weiterverarbeitet werden können. Sie ähneln stark jenen, die in Fischmehl und Soja vorkommen, deshalb könnten sie schon bald als Tierfutter zum Einsatz kommen.

Wo bekommt man das CO2 kontrolliert her?

Um CO2 kontrolliert „abschneiden“ zu können, arbeitet das Unternehmen daran, Bioreaktoren mit Industrieanlagen wie etwa Zementwerken zu koppeln. Letztere stellen in Abgasform das CO2 bereit. Derzeit baut das Start-up bereits in Zusammenarbeit mit einem österreichischen Unternehmen einen Pilotbioreaktor mit einem Gesamtvolumen von 300 Litern, um die notwendigen Grundlagen für einen wirtschaftlichen Bioprozess zu schaffen. 

Problemquellen und Potenzial

Die Krux an der Sache: Der Prozess benötigt viel Energie aus Wasserstoff, welcher bislang noch sehr teuer ist. Die Forschenden gehen jedoch davon aus, dass dieser bei der Nutzung von grünem Überschussstrom und in größeren Mengen wesentlich günstiger hergestellt werden kann. Denn an sich ist das Verfahren äußerst energieeffizient, die – nicht genmodifizierten – Mikroorganismen vermehren sich selbst, benötigen nur wenige Nährstoffe und CO2. Zudem ist der Prozess nicht nur umweltfreundlich, sondern durch die effizienten Bioreaktoren auch platzsparend.

Wer steckt dahinter?

Das Grazer Start-up Econutri entsprang aus einer Kooperation der TU Graz mit dem Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib). Die Forschungen des ehemaligen Vorstands des Instituts für Molekulare Biotechnologie der TU Graz und acib-Mitbegründers Helmut Schwab legten gemeinsam mit Petra Heidinger vom Institut für Computational Biotechnologie der Technischen Universität Graz und ihrem Team den Grundstein für das Start-up. Verena Schwab ist derzeit als Geschäftsführerin tätig und wird von Helmut Schwab als Mitbegründer und wissenschaftlicher Leiter, sowie Mitbegründer und technologischer Leiter Stefan Zopf unterstützt. Als Frau an der Spitze eines österreichischen Start-ups nimmt sie eine wichtige Vorbildfunktion in dem noch sehr männerdominierten Gründungsmarkt ein.

Welche Produkte sind möglich

Proteine sind wichtige Bestandteile unserer Nahrung und werden zurzeit noch immer durch Massentierhaltung und Viehzucht, sowie durch Fischerei gewonnen. Das ist fatal, denn tierische Ernährung ist für rund 26 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich.h Das Start-up zielt in erster Linie nun darauf ab, Weide- und Anbauflächen für Tierfutter ressourcenschonend einzusparen. Es könnte daher Fischmehl und Soja ersetzen und an Nutztiere verfüttert werden. Auf lange Sicht gesehen wäre eine komplette Umstellung auf vegane Ernährung ein wichtiger Schritt, um die Pariser Klimaziele einzuhalten. Deshalb denkt Econutri darüber nach, schon bald unterschiedliche Proteinprodukte für die humane Ernährung zu produzieren.

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