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Energiegemeinschaften: Nachbarschaftshilfe mit günstigem Strom

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Von: Christian Kisler

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Eine Steckerleiste und Euroscheine
Dank der Energiegemeinschaften kann beim Strom Geld gespart werden. © McPHOTO/B. Leitner/IMAGO

Ökostrom von deinen Nachbar:innen beziehen und dabei auch noch Geld sparen: In einer Energiegemeinschaft wird dieser Wunsch Wirklichkeit. Doch wie funktioniert das im Detail?

Ohne Strom in den eigenen vier Wänden schaut es ganz schön düster aus: kein aufgeladenes Smartphone oder Tablet, kein laufender Rechner. Wer altmodisch ist und sowohl TV-Gerät als auch Stereoanlage besitzt, kann weder Serien schauen, noch Musik hören. Das gilt auch für deine Bluetooth-Boxen und -Kopfhörer, die brauchen nämlich auch hin und wieder Saft. Ganz zu schweigen von Strom für Waschmaschine, Herd und Ofen (wenn nicht gasbetrieben) sowie all die Lampen, ohne die du nicht nur als Nachteule zu späterer Stunde ziemlich im Dunkeln tappst.

Ökostrom vom Dach der Nachbar:innen

Wir haben uns so an eine reibungslose und lückenlose Stromversorgung gewöhnt, dass uns gar nicht mehr auffällt, wofür wir eigentlich Elektrizität aus der Steckdose brauchen. Umso schmerzhafter, wenn die Strompreise in die höchsten Höhen schießen. Wie gut wäre es also, Ökostrom etwa von Nachbar:innen mit Solaranlage am Dach um wenig Geld beziehen zu können? Das soll seit dem im Sommer 2021 beschlossenen „Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz“ (EAG) möglich sein.

Um zu erklären, was es damit auf sich hat, muss ein bisschen ausgeholt werden. Tatsächlich war es schon vor Inkrafttreten des EAGs möglich, Strom von Nachbar:innen zu beziehen. Solche Energiegemeinschaften konnten aber nur dann gebildet werden, wenn alle Teilnehmer:innen ihre Wohnungen unter einem Dach hatten, etwa in einem Mehrparteienhaus. Das nannte sich dann „gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen“, bei denen das öffentliche Netz keine Rolle spielt - ist ja alles innerhalb desselben Gebäudes.

Ökostrom innerhalb einer Gemeinde

Die neuen Energiegemeinschaften unterscheiden sich nun dahingehend, dass auch im „Nahbereich“ Ökostrom produziert, gespeichert und verbraucht werden kann. Darunter fallen ganze Gemeinden, aber auch einfache Siedlungen. So soll die Energie direkt aus der jeweiligen Region, etwa einer Solarzellenanlage, genutzt werden können, also in besagtem „Nahbereich“.

Anders gesagt: Um an den Ökostrom aus der Umgebung zu kommen, muss man nicht mehr im selben Gebäude wohnen. Ziel ist es, nicht nur günstigen Strom unter Nachbar:innen anbieten zu und verbrauchen zu können, sondern Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Erneuerbare Energien für alle greifbar und nutzbar und nicht nur ein Schlagwort ist.

Energiegemeinschaft als Vorteil für alle Beteiligten

Daraus ergibt sich definitiv ein Vorteil für alle Beteiligten: Netznutzungsentgelt, Elektrizitätsabgabe und Ökostromförderungsbetrag fallen weg, anders gesagt: Es gibt keine Zwischenhändler:innen, bei den Abgaben gibt es Erleichterungen.

Vollkommen unabhängig ist man allerdings nicht. Über eine Energiegemeinschaft kann nicht der gesamte Bedarf gedeckt werden, man muss weiterhin Strom über externe Anbieter:innen beziehen, wenn auch zu einem geringeren Ausmaß. So zumindest die Theorie.

Energiegemeinschaft schwierig für Städter:innen

Denn wie sich das tatsächlich im Alltag bewährt, ist noch nicht gewiss. Einige Punkte sorgen bei näherer Betrachtung für gehobene Augenbrauen. In den Genuss, eine Energiegemeinschaft gründen zu können, kommen wohl eher nicht alle Städter:innen. Wer hat in der Großstadt schon als Privatperson eine Solarzellenanlage am Dach? Und wo soll man beispielsweise in Wien, wo zugegeben meistens kräftiger Wind weht, Windräder aufstellen?

Mehr oder weniger tiefes technisches Verständnis muss ebenfalls vorausgesetzt werden, will man sich daran beteiligen. Niederschwellig ist das Angebot also nicht. Und man muss erst recht wieder einen Vertrag mit alteingesessenen Stromanbieter:innen eingehen und ist vor Preiserhöhungen nicht geschützt. Auch sind derzeit noch nicht alle Netzbetreiber:innen besonders willig und bereit zur Zusammenarbeit.

Erfolgreiche Energiegemeinschaften in Liesing und Gänserndorf

Ganz zum Scheitern verurteilt ist das Angebot natürlich nicht. In Wien-Liesing, also am Stadtrand, ist etwa genug Raum für Solarzellen. Organisiert man sich, wie eben im 23. Bezirk, in Vereinen, muss auch nicht jedes Mitglied ein technisches Genie sein. Jede und jeder kann das nötige Wissen mitbringen. Auch im niederösterreichischen Gänserndorf gibt es eine bis jetzt erfolgreiche Initiative, bei der wie bei jener in Liesing die Zusammenarbeit mit Netz Niederösterreich gut funktioniert. Dort gilt jeweils: sich beim Verein anmelden, der Rest wird für dich organisiert. Natürlich nur, wenn du in einem entsprechenden „Nahbereich“ wohnst.

Wir sehen: Richtig ausgereift ist das lokal und regional laufende System der Energiegemeinschaften noch nicht so ganz. Aber es ist ja auch erst im Juli 2021 angelaufen. Und ein erster Schritt, um Erneuerbaren Energien auch im privaten Bereich einen Schub zu verleihen ist es allemal.

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