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Reparaturbonus alleine bringt laut Experten nicht wirklich etwas

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Von: Sophie Marie Unger

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Österreichische Umweltministerin Gewessler und Lehrling, der etwas repariert.
Umweltministerin Gewessler hat den Reparaturbonus vorgestellt. Bringt der was? © APA Picturedesk

Das Klimaministerium übernimmt die Hälfte der Kosten, wenn man künftig ein kaputtes Gerät reparieren lässt. Doch bringt das wirklich etwas?

Seit Kurzem werden Reparaturen und Kostenvoranschläge für Arbeiten von fast allen Elektro- und Elektronikgeräten, die üblicherweise in privaten Haushalten verwendet werden, von der Regierung gefördert. Egal ob Kaffeemaschine, Wasserkocher, Waschmaschine, Haarföhn, Fernsehgerät oder sogar das Smartphone - jeder Gutschein deckt bis zu 50 Prozent der Reparaturkosten. Doch wie sinnvoll ist das wirklich und wo werden Grenzen erreicht? Wir haben Umweltexperte Klaus Böcker befragt.

Bewusstseinsbildung steht im Vordergrund

In den 60ern war es ganz normal, alte Socken selbst zu stopfen oder kaputte Geräte wieder instand zu setzen. Die Kreislaufwirtschaft war somit intakt. Insbesondere durch die Digitalisierung hat sich das Ganze aber hin zu einer linearen Wirtschaft verschoben, sprich: Bevor wir etwas reparieren lassen, kaufen wir lieber etwas Neues. Klares Plus bei der Aktion der Regierung sei, dass sie bewusstseinsbildend wirkt, meint Umweltexperte Klaus Böcker. „Es geht darum, junge Generationen wieder an die Kreislaufwirtschaft zu gewöhnen“. In den vergangenen Jahren sei diese komplett vernachlässigt worden. Doch die Rahmenbedingung dafür sind nicht gerade ideal und Konsument:innen stoßen rasch an ihre Grenzen, so Böcker.

Preispolitik nicht gerade vorteilhaft

Die Preise haben sich in den letzten Jahre - auch ohne der zurzeit vorhandenen Teuerung - eklatant verändert. Soll heißen: Die Reparatur ist meist gleich teuer wie ein neues Gerät. „Es ist klar, dass wenn eine Neuanschaffung nur 20 Euro mehr kostet, diese auch in Anspruch genommen wird“, sagt Böcker. Deshalb kann ein Bonus nur der Anfang sein. Man müsse etwa die Lohnnebenkosten senken, damit auch größere Reparaturen an sich wieder günstiger werden. Für kleine Reparaturen wurden die Mehrwertsteuer mit 2021 um 10 Prozent gesenkt, das sei jedenfalls ein guter Anfang.

Keine Angaben zu Langlebigkeit

Derzeit müssen heimische Hersteller keine verpflichtenden Angaben zur Langlebigkeit eines technischen Gerätes machen. „Beim Kauf können Konsument:innen nur erahnen, wie lange sie mit diesem Gerät rechnen können“. Ein Reparaturindex wäre daher vorteilhaft, so kann die Reparaturfähigkeit relativ genau bemessen werden. In Frankreich muss solch ein Index schon auf Produktplaketten platziert werden.

Ersatzprodukte werden schnell aufgelassen

Wer kennt es nicht - man sucht für ein bestimmtes Gerät ein Ersatzprodukt, das aufgelassen wurde und höchstens nur noch von Privatanbieter:innen auf willhaben und Co angeboten wird. Viele Hersteller haben in den vergangenen Jahren die Produktion von Ersatzprodukten älterer Gerätschaften eingespart. Auch da müsse wieder stärker nachgebessert werden, meint der Umweltexperte. „Die EU hat hier zumindest schon einen Anstoß gegeben und veranlasst, dass ein Gerät zumindest bis zu einem gewissen Grad reparierbar sein muss“.

CO2 kann deutlich eingespart werden

Werden all jene Rahmenbedingungen berücksichtigt, „ist es auf jeden Fall eine gute Sache“, so Böcker. Laut einer aktuellen Analyse des European Environmental Bureau (EEB) könnten durch eine Verlängerung der Lebensdauer aller elektrischen Haushaltsgeräte in der EU um ein Jahr jährlich rund vier Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) einspart werden. Das ist doch schon mal was.

Auch österreichische Privatunternehmen überlegen sich wie man durch Reparaturen Klimaschutz vorantreiben kann.

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