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Zu Beginn der Fastenzeit wird gerne Fisch gegessen - aber bitte nicht aus dem Meer

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Von: Christian Kisler

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Montage: Ein Taucher neben einem riesengroßen Fangnetz, ein Teller mit Besteck, darauf lediglich ein Apfel
Zur Fastenzeit wird gerne Fisch gegessen, allerdings sind die Ozeane heillos überfischt. © Pierre Gleizes/Greenpeace/Hans Klaus Techt/ APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Zur Fastenzeit setzen viele auf Verzicht und streichen Alkohol, Fleisch, aber auch übermäßigen Internetkonsum. Fisch wird da besonders viel konsumiert. Was okay ist, solange er nicht aus den ohnehin schon überfischten Meeren kommt.

Wenn du in Österreich lebst, kommst du um die Fastenzeit nicht herum, ist es doch ein in seinen Grundfesten immer noch auf dem Katholizismus aufbauendes Land. Schließlich lebt die Mehrheit der knapp neun Millionen Einwohner:innen nicht in Städten, sondern in ländlichen Regionen. Und dort sind sonntägliche Spaziergänge keine Seltenheit, auch wenn die Zahlen nicht zuletzt wegen diverser innerkirchlicher Skandale bereits lange rückläufig sind. Wie auch immer, in der Fastenzeit kommt am Wochenende kein Schweinsbraten auf den Tisch. Was nicht wenige von uns insofern freut, als viele ohnehin schon längst vegetarisch oder vegan leben. Ähnliches gibt es mit dem Ramadan übrigens auch im Islam. Und Heilfasten ist überhaupt ein eigentlich medizinisches Konzept, das nicht ohne ärztliche Aufsicht durchgeführt werden sollte.

Zur Fastenzeit wird traditionell Fisch statt Fleisch gegegessen

Fasten heißt ja auch nicht, dass du einfach einmal sechs Wochen kein Fleisch mehr ist. So lange dauert die Zeit zwischen Fasching und Ostern nämlich ungefähr. Fasten bedeutet bewussten Verzicht. Darin unterscheidet es sich auch von den Verordnungen während der COVID-19-Pandemie. Das ist gesetzlich verordneter Verzicht zu unser aller Wohlergehen, auf dass der Dreck endlich einmal ein Ende hat. Fasten hat in den letzten Jahren abseits seiner ursprünglichen religiösen Bedeutung an Beliebtheit gewonnen, wird es doch von vielen als Bereicherung empfunden. Kein Alkohol, keine Süßigkeiten, kein Binge-Watching, mehr sich bewusst mit sich selbst beschäftigen. Und eben traditionell Fisch statt Fleisch.

Pro Kopf essen Österreicher:innen rund acht Kilogramm Fisch im Jahr. Allerdings werden davon lediglich um die fünf Prozent hierzulande gezüchtet oder gefangen, der Großteil stammt aus den Meeren. Das liegt nicht allein an der Tatsache, dass sich in Flüssen und Seen immer weniger Fischarten tummeln, was auch nicht besonders erfreulich ist. Laut der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen sind 89 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände bereits bis an die Grenzen befischt, überfischt oder gar zusammengebrochen. Gut, sagst du, ich kauf eh nur Fisch, der mit Gütezeichen wie MSC gekennzeichnet ist.

Greenpeace empfiehlt empfiehlt regionalen Bio-Fisch

Die schlechte Nachricht: Das konnte die Situation nicht verbessern, sondern befeuerte die Ausbeutung der Ozeane. „Nur sieben Prozent der MSC-Fischmenge wird von kleinen Fischern mit Netzen und Angeln gefangen. In der Werbung vermittelt MSC jedoch ein Bild von nachhaltigem und klein strukturiertem Fischfang, das überwiegend nicht der Realität entspricht“, so Lisa Panhuber von Greenpeace Österreich in einer Aussendung.

Die Bestände der großen Raubfische wie Thunfisch, Schwertfisch und Kabeljau sind in einem Zeitraum von nur 50 Jahren um bis zu 90 Prozent zurückgegangen. Das liegt auch daran, dass bei der industriellen Fischerei auf Dorsch oder Scholle Grundschleppnetze eingesetzt werden, die den Meeresboden zerstören. Außerdem landet jede Menge sogenannter „Beifang“, wie etwa Delfine, Schildkröten oder Meeresvögel, in den Netzen. Unschön. Was tun? Greenpeace Österreich etwa fordert großflächige Meeresschutzgebiete und empfiehlt den Konsum von regionalem Bio-Fisch wie Karpfen oder Tilapia.

Nicht alle können sich Bio-Fisch leisten

Den zweiten Punkt kann ich nur zu einem gewissen Grad unterschreiben, weil: Nicht jede:r kann sich regelmäßig regionale Bio-Produkte wie etwa frische Forelle vom Markt nebenan leisten, das ist eben teuer. Dass Fleisch an sich durch die grausame Massentierhaltung und verschiedene Marktmechanismen wiederum viel zu billig ist, steht sowieso auf einem anderen Blatt. Hin und wieder allerdings sich Bio-Fisch von heimischen Produzent:innen leisten, ist natürlich nicht verkehrt. Oder eben prinzipiell Süßwasserfische jenem aus den Ozeanen vorziehen.

Das gilt übrigens auch für die ebenfalls nicht unbedingt günstigen, aber oft äußerst schmackhaften Produkte aus Fleischersatz. Allgemein gilt: Bewusst einkaufen und sich bewusster ernähren, jeweils im finanziellen Rahmen, den dein Geldbörsel erlaubt. Und vielleicht weniger oft beim Lieferdienst bestellen, bei dem man nie weiß, woher die verwendeten Zutaten tatsächlich stammen. Da muss ich mich selbst an der Nase nehmen.

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