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Frauen sind umweltverträglicher unterwegs, ihre Bedürfnisse im Verkehr werden aber ignoriert

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Von: Christian Kisler

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Montage: Menschenmasse mit jungen Frauen im Vordergrund am Wiener Kohlmarkt, junge Frauen in der Bewegungszone in der Neubaugasse in Wien
Die Art und Weise, wie sich Frauen im Straßenverkehr bewegen, ist umweltfreundlich und sicher. Mehr Fußwege, weniger Autofahrten. © Alex Halad/Viennaslide/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Frauen gehen mehr zu Fuß und fahren weniger Auto. Wären alle so energiesparend und umweltfreundlich unterwegs, dann hätten wir die selbst gesteckten Klimaziele bald erreicht.

Was die Faszination an Autos ausmacht, hat sich mir als Mann nie erschlossen. Lediglich als Designobjekt finde ich einige wunderschön, vornehmlich aus den 1950er bis 1970er Jahren. Besonders benzinsparend waren diese Wagen nicht, auch die Annehmlichkeiten für die Fahrer:innen waren rar. Mitunter gab es sogar kleine Blumenvasen, aber automatische Fensterheber? Servolenkung? Automatische Einparkhilfe? Fehlanzeige. Aber schön anzuschauen waren einige wohl, nicht nur für mich allen voran die Citroën DS, genannt die Göttliche. Das Herz hat mir geblutet, als eines dieser eleganten Fahrzeuge in einem Film zu Schrott gefahren und dann auch den Flammen übergeben wurde.

Warum erzähl ich das? Weil es um Stereotypen geht, wenn man typisch weibliche und typisch männliche Vorlieben geht. Schlimmstes Klischee: Frauen lieben Schuhe, Männer leistungsstarke Autos. Ich als heterosexueller Cis-Mann besitze kein Auto, habe auch noch nie eines besessen, dafür hab ich einen Haufen Schuhe, vornehmlich Sneakers, daheim. Und nein, es ist kein heimlicher Fetisch.

Frauen gehen mehr zu Fuß und fahren weniger mit dem Auto

Was die Mobilität betrifft, überraschen einige nach Frauen und Männern aufgeteilte Zahlen allerdings nicht. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) hat das Mobilitätsverhalten der Menschen in Österreich analysiert. Demzufolge ist jenes von Frauen umweltverträglicher, energiesparender und verkehrssicherer als jenes von Männern. Man kann die Fragestellungen drehen und wenden wie man will, im Endeffekt kommt eine simple Antwort raus: Nämlich, dass Frauen mehr zu Fuß gehen und weniger mit dem Auto fahren.

Das lässt sich auch mit Zahlen belegen. Etwa, dass österreichweit Frauen rund 40 Prozent mehr Kilometer zu Fuß zurücklegen als Männer, Männer wiederum fast doppelt so viele Kilometer mit dem Auto fahren wie Frauen. In einer Großstadt wie Wien haben Frauen laut VCÖ im Zeitraum 2015 bis 2019 im Schnitt 31 Prozent ihrer Wege zu Fuß zurückgelegt und nur 24 Prozent mit dem Auto, bei Männern ist das Verhältnis genau umgekehrt.

Am Land ist die Lage ein wenig anders, aber auch dort schneiden Frauen umweltfreundlicher ab. In Niederösterreich etwa gehen Frauen 19 Prozent ihrer Alltagswege zu Fuß, Männer mit zwölf Prozent um ein Drittel weniger. Aufgrund mangelnder Alternativen, etwa öffentliche Verkehrsmittel, nutzen Frauen hier für 46 Prozent ihrer Alltagswege ein Auto, der Anteil bei Männern ist mit 58 Prozent allerdings gleich um ein Viertel höher. Allgemein übernehmen Frauen immer noch wesentlich mehr Versorgungswege als Männer. Was die Mobilität anbelangt, entstehen so ganz andere Anforderungen, die in der Verkehrsplanung zu wenig oder gleich gar nicht berücksichtigt werden.

Frauen leisten mehr Versorgungswege

„Von fehlenden Gehwegen, zu schmalen Gehsteigen oder zu langen Rotphasen bei Fußgängerampeln sind mehr Frauen als Männer betroffen. Nach Jahrzehnten einer autodominierten Verkehrsplanung ist der Aufholbedarf in vielen Städten und Gemeinden sehr groß. Auf vielen Straßen wird selbst den parkenden Autos mehr Platz gegeben als allen, die zu Fuß mobil sind“, erklärt VCÖ-Mobilität-Expertin Lina Mosshammer. Und zu Fuß sind, wie wir aus den Untersuchungen ja wissen, vorwiegend Frauen unterwegs. Warum jemand überhaupt einen Weg zurücklegt, unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern ebenfalls. Wenig überraschend leisten Frauen deutlich mehr sogenannte Versorgungswege. Darunter fallen das Erledigen von Einkäufen, den Nachwuchs in den Kindergarten oder in die Schule, vielleicht auch noch zum Klavierunterricht oder zum Fußballtraining bringen. Oder, und das wird ohnehin häufig übersehen, Besorgungen für ältere Angehörige zu übernehmen.

Das Thema Teilzeit kommt dabei natürlich auch zum Tragen. Lediglich elf Prozent der Männer leisten Teilzeitarbeit, bei den Frauen ist es mit 47 Prozent mehr als viermal so viel. Anders ausgedrückt: Unter den 1,2 Millionen Teilzeitbeschäftigten in Österreich sind zu 80 Prozent Frauen. Lina Mosshammer: „Der hohe Teilzeitarbeit-Anteil hat auch Auswirkungen auf die Mobilität und bringt andere Anforderungen an das Mobilitätsangebot mit sich. Teilzeit-Beschäftigte brauchen auch außerhalb der klassischen Pendelzeiten ein gutes Angebot an Bahn- und Busverbindungen.“ Und dieses ist außerhalb der sogenannten Stoßzeiten, der Rush Hour, bekanntlich oft verheerend.

Frauen werden bei der Verkehrsplanung nicht berücksichtigt

Bei der Verkehrsplanung werden die Bedürfnisse und Anforderungen vieler Frauen großteils nicht berücksichtigt. Dabei sind die Wege, die von ihnen zurückgelegt werden, oft komplexer und vielfältiger als die von Männern. „Diese Lebensrealitäten spiegeln sich in der Verkehrsplanung oft nicht wider“, so Mosshammer. „Wir planen für das, was wir kennen. Umso wichtiger ist es, verschiedene Blickwinkel in die Planung einzubringen. Vielfalt in den Planungsteams, mehr Diversität verbessern die Qualität eines Mobilitätssystem für alle Bevölkerungsgruppen.“

Wie sich Frauen im Straßenverkehr fortbewegen, ist übrigens nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch sicherer, nicht nur für sie selbst, sondern für uns alle. 2020 waren in Österreich laut VCÖ zwei Drittel der Hauptverursacher von Verkehrsunfällen mit Personenschaden Männer. Und noch ein trauriges Detail: Drei Viertel der Verkehrstoten waren Männer.

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