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Japan will Fukushima-Wasser ins Meer leiten und regt sich über Betroffene auf, die kein Verständnis zeigen

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Von: Sophie Marie Unger

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Umwelt-Aktivist:innen sind gegen dieses Vorgehen und zeigen das Ausmaß der Kontamination und das Meer, welches betroffen wäre
Japan will kontaminiertes Kühlwasser der Fukushima-Reaktoren ins Meer leiten. © APA Picturedesk

Vor elf Jahren kam es zum Super-Gau im Atomkraftwerk Fukushima. Jetzt plant Japan, radioaktives Kühlwasser aus der Atomruine ins Meer zu leiten. Das Verständnis bei den Betroffenen lässt laut Regierung zu wünschen übrig - warum wohl?

Am 3. März 2011 kam es im japanischen Fukushima infolge eines Erdbebens und des anschließenden Tsunamis zum größten Atomunfall nach Tschernobyl. Strahlende Teilchen kontaminierten über 1.000 Quadratkilomete, 120.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Elf Jahre später ist man von Normalität noch weit entfernt, weil viele Teile der Städte direkt am AKW und der Siedlungen in nordwestlicher Richtung noch immer hoch verstrahlt sind. Rückkehrer:innen sind teilweise höchst widerwillig hier, da sie Hypotheken abbezahlen müssen und sich anderswo keine weitere Bleibe leisten können. Jetzt droht die nächste Umweltkatastrophe.

Die Krux mit dem Kühlwasser der Reaktoren

Der Kraftwerksbetreiber Tokyo Electric Power Company (Tepco) muss weiterhin drei der zerstörten Reaktoren mit Wasser kühlen, welches dann natürlich ebenfalls kontaminiert ist. 170 Tonnen Wasser pro Tag gelangen in einen der dafür vorgesehenen 1.000 Tanks. Doch nun kommt es zum Problem: Ab Herbst 2022 wird es bereits keinen Platz für dringend benötigte weitere Tanks mehr geben. Die japanische Regierung entschied sich deshalb dafür, das Wasser ab Frühjahr 2023 ins Meer zu leiten. Hierfür soll ein rund ein Kilometer langer Tunnel auf dem Meeresboden das Kühlwasser aus der Atomruine pumpen. Ab Juni soll der Tunnel-Bau beginnen, es scheitert laut Behörden nur noch am Verständnis der Betroffenen.

Wer sind die Betroffenen?

Im Grunde sind wir alle betroffen, denn die langfristigen Auswirkungen des im Wasser vorhanden Isotops Tritium auf das Leben im Meer sind laut Wissenschafter:innen überhaupt nicht geklärt. So schlugen bereits Nachbarländer wie China und Südkorea Alarm und auch Fischereiverbände befürchten Schaden für ihr Geschäft.

Doch vor allem die Bevölkerung vor Ort hat Angst. Viele von ihnen kamen erst in den vergangenen zwei Jahren zurück, um Hypotheken abzubezahlen oder ihre Landwirtschaft wieder aufzubauen. Viele von ihnen sind von der damaligen Katastrophe traumatisiert. Für Yuko Nishiyama, Mutter einer dreijährigen Tochter, hat der 11. März 2011 das Leben komplett auf den Kopf gestellt und ihre Familie zerrissen. In einem Interview mit Greenpeace berichtet sie, dass allein die Erschütterung im Zuge des Erdbebens bei ihrer Tochter psychische Schäden hinterlassen hat. Das größte Gefahrenpotential sieht Nishiyama aber darin, dass Japans Regierung die Folgen der Verstrahlung immer wieder verharmlost - wie auch in diesem Fall.

Greenpeace verortet sogar Menschrechtsverletzungen

Mit dem Vorhaben, das verseuchte Wasser einfach ins Meer zu pumpen, werden laut Greenpeace ganz klar die Menschenrechte der Bevölkerung in Fukushima verletzt. Die Entscheidung stelle darüber hinaus einen Verstoß gegen Japans rechtliche Verpflichtungen hinsichtlich des Seerechtübereinkommens mit der Vereinten Nationen dar, sagte Greenpeace International-Chefin Jennifer Morgan. Laut einer Greenpeace-Umfrage ist - entgegen Angaben der japanischen Behörden - ein Großteil der betroffenen Menschen in Fukushima gegen ein Ableiten des Kühlwassers.

Wie rechtfertigt Japan das?

Nach Informationen der japanischen Regierung sind 30 Prozent des in Fukushima Daiichi gelagerten Kühlwassers derart behandelt, dass sie die Grenzwerte für alle Nuklide außer für Tritium unterschreiten. Diese ist das einzige Isotop, das nicht mehr aus dem Wasser herauszubekommen ist. Es sei aber nicht mehr gefährlich, weil es stark verdünnt und gefiltert ist, so die Behörden. Man verstehe daher nicht, warum noch immer einige Menschen dagegen sind, hieß es weiter. Wissenschafter:innen aus aller Welt warnen jedoch vor den Langzeitfolgen. Dass das Ganze nicht einwandfrei ist, zeigte sich in einem Statement der Regierung selbst: „Wir können das Wasser auf verdampfen lassen, aber mit dieser Lösung lässt sich die Radioaktivität besser messen“. Nicht so super.

Auch zahlreiche anderen Länder haben nicht mehr ganz am Schirm, was ein möglicher Unfall bedeuten könnte und wollen Atomkraft sogar als umweltfreundlich einstufen.

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