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Nur für‘s Image? Calzedonia kooperiert mit WWF und produziert Bademode aus recycelten Plastikflaschen

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Von: Sophie Marie Unger

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Modekette Calzedonia Filiale in Wien und Müll Sammeln am Strand in Venedig.
Bademodekette Calzedonia mit neuen grünen Maßnahmen. © APA Picturedesk/Twitter

Das italienische Modehaus Calzedonia ist im Sinne der Nachhaltigkeit bislang nicht unbedingt positiv aufgefallen. Ob sich das mit einer Eco-Collection ändert?

Sinnliche Strumpfmode und trendy Swimwear: Das verbinden zahlreiche Fashion-Freund:innen mit der italienischen Modekette Calzedonia. Schlagworte wie nachhaltig und umweltfreundlich tauchten in Zusammenhang mit der Marke bisher eher nicht auf. Das bekrittelte zuletzt auch die nachhaltige Fashion-Plattform „Good on You“, die Unternehmen der Fast-Fashion-Industrie unter die Lupe nimmt. „Das Umweltranking hat eindeutig ergeben, dass Calzedonia nicht gut genug ist. Es gibt keine Indizien dafür, dass Ziele zur Reduktion von Treibhausgas gesetzt oder Maßnahme ergriffen werden, um gefährliche Chemikalien zu verringern“, hieß es in einem Blogpost. Und generell hat ja die gesamte Modebranche laut neuer Studie kaum Fortschritte in Sachen Klimaschutz gemacht. Ob man sich das nun zu Herzen genommen hat?

Calzedonia startet mit Eco-Collection

Vor wenigen Tagen hat das Unternehmen nämlich die „Eco-Collection“ auf den Markt gebracht. Mit ihr wolle man die Werte der Umwelt respektieren und deshalb die Rückverfolgbarkeit der Materialien und eine geringe Umweltauswirkung der Fasern in den Fokus stellen. 2021 begann das Modelabel, die Basic-Kollektion neu zu konzipieren und mit einem innovativen Garn zu arbeiten, der aus recycelten PET-Plastikflaschen besteht. Auch die Verpackung wurde im Sinne der Umwelt neu überdacht. Der Großteil des Papiers, das für Anhänger, Verpackungen und Einkaufstaschen der Marke verwendet wird, ist durch den FSC (Forest Stewardship Council) zertifiziert, heißt es auf der Website. Um jenes neue Konzept möglich rasch in die Welt hinauszutragen, setzt Calzedonia auf Influencerinnen. Fitnesscoach Pamela Reif postete ein Bild, in dem sie einen Bikini „hergestellt aus fünf Plastikflaschen“ trägt.

WWF als Partner

Zudem hat man den WWF (World Wide Fund For Nature) mit ins Boot geholt. Gemeinsam organisiere man seit Kurzem sogenannte „Beach Clean-Ups“. Dabei sollen Mitarbeitende auf italienischen Stränden - das Unternehmen stammt aus Italien - Müll beseitigen und so ein Zeichen gegen Umweltverschmutzung setzen. Vergangene Woche fand das erste Clean-Up-Event in Venedig statt. „Über 300 Mitarbeiter nahmen an der Reinigungsaktion teil und entfernten Plastik und Mikroplastik von den Stränden. Neben den positiven Auswirkungen des Projekts auf die Umwelt hatte es auch einen pädagogischen Aspekt, der das Bewusstsein unserer Mitarbeiter schärft“, so Calzedonia-Markenchef Marcello Veronesi. 2022 sollen 32 Millionen Quadratmeter Strand von Müll befreit werden. Für die Clean-Ups können sich Mitarbeiter:innen, aber auch Freiwillige über die italienische WWF-Seite anmelden und mit Kübel, Handschuhen und Zange bewaffnet auf den Stränden dem Abfall den Kampf ansagen.

Ist das glaubwürdig?

Wir haben Umweltexperte Klaus Böcker zu den Maßnahmen des Labels befragt. „Grundsätzlich sind solche Schritte immer positiv zu werten, denn alles ist besser, als gar nichts zu machen“, sagt Böcker gegenüber BuzzFeed Austria. Trotzdem sei das Unternehmen spät dran, auch wenn es vonseiten des Modehauses heißt, man hätte bereits 2019 mit nachhaltigen Maßnahmen begonnen. „Das Schwierige ist, dass Calzedonia bislang keinen transparenten Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt hat.“ Auf der Website selbst stehe nur, dass man schätze, 82 Tonnen Kunststoff eingespart zu haben. „Schätzen ist angesichts der bereits weit fortgeschrittenen Klimakrise nicht unbedingt das beste Mittel, um im Nachhaltigkeitsbereich Vertrauen zu erwecken.“ Auf die Frage, ob Greenwashing betrieben wird, meint Böcker: „Das kann man jetzt noch nicht sagen, klar ist aber schon, dass versucht wird, das Image aufzubessern.“

Calzedonia-Marken-Chef: „Bis 2025 wollen wir klimaneutral sein“

Für die kommenden Jahre habe das Unternehmen laut Markenchef Marcello Veronesi einiges geplant. Im Interview mit Yahoo sagte er, das Unternehmen wolle bis 2025 klimaneutral sein. Klingt vorerst nach einem klaren Statement. Bezieht man jedoch die neuen Richtlinien der EU mit ein, die Fast Fashion ab 2030 sowieso komplett verbieten, wirkt die große Ankündigung nicht mehr ganz so bahnbrechend. Die Vermutung, dass vor allem das Image aufpoliert werden soll, scheint sich daher im Großen und Ganzen zu bewahrheiten.

Aber zum Glück gibt es ja auch noch richtige nachhaltige Mode, die sogar in Österreich zuhause sind.

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