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Unabhängig von Gas: In Wien entsteht Fernwärme aus Klärwasser für 112.000 Haushalte

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Von: Christian Kisler

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Montage: Rendering der Großwärmepumpe am Gelände der Kläranlage in Simmering, eine weibliche Hand am Regler eines Heizkörpers
In der neuen Anlage von Wien Energie wird Fernwärme erzeugt, die von der Kläranlage in die Heizkörper gelangt. © Mathias Bank/smartvoll/Zeljko Dangubic/Westend61/APA-PictureDesk/BuzzFeed Austria

Bis 2040 soll es keine Gastherme mehr in Wien geben, außerdem ist aktuell ohnehin fraglich, wie lange wir noch von Russland mit Gas beliefert werden. Gut also, dass Wien Energie gerade eine klimaneutrale Großwärmepumpe errichtet, die Klärwasser in Wärme verwandelt.

Die Ukraine wurde von Russland angegriffen, die Europäische Union, die USA, Japan und andere Staaten haben Sanktionen ausgesprochen. Das hat wie das meiste im Leben auch eine Wechselwirkung: Gerade Österreich im Allgemeinen und Wien im Besonderen sind von russischen Gaslieferungen abhängig. Vor allem, wenn du in einem Altbau wohnst, heizt und beziehst du Warmwasser in der Bundeshauptstadt für gewöhnlich über eine Gastherme. Angesichts der Klimakrise will sich die Stadt Wien bis 2040 allerdings davon verabschieden und rund 60 Prozent der Haushalte mittels Fernwärme versorgen. Das trifft sich gut, sollte Russland tatsächlich die Bereitstellung einstellen. Und es ist natürlich ein richtiger und wichtiger Schritt in Sachen Klimaneutralität.

Wien Energie errichtet eine der leistungsstärksten Großwärmepumpen Europas

Nur konsequent also und vor allem keineswegs zu früh, dass Wien Energie in Simmering, dem 11. Wiener Gemeindebezirk, eine der leistungsstärksten Großwärmepumpen Europas errichtet. Hier, am Gelände der betriebseigenen Kläranlage, soll Fernwärme in Zukunft vollkommen klimaneutral erzeugt werden. Schon in rund einem Jahr, also Mitte 2023, können 56.000 Haushalte umweltfreundliche Wärme beziehen. Der Vollausbau soll 2027 abgeschlossen werden, dann beliefert die Pumpe 112.000 Haushalte mit Fernwärme. So nebenbei sollen 300.000 Tonnen CO2 im Jahr eingespart werden. Das ist hocherfreulich.

Einfach ausgedrückt kommt die Wärme bald aus der Kläranlage in die Heizung. Keine Sorge, in deiner Wohnung wird es daraufhin nicht entsprechend übel riechen. Zwar wird die Großwärmepumpe zur Gänze mittels regionaler Energiequellen betrieben und zwei Drittel stammen dabei aus der Abwärme des Abwassers der Kläranlage. Dieses ist aber davor selbstverständlich gereinigt worden. Fehlt noch ein Drittel. Das kommt in Form von Ökostrom direkt aus dem benachbarten Donaukraftwerk Freudenau.

So kommt das Klärwasser in die Heizung deiner Wohnung

Damit will man beweisen, dass man alle Hebel in Bewegung setzt, um das Klima doch noch irgendwie zu retten. Das geschieht nicht nur mit einem Solarkraftwerk am Zentralfriedhof. Oder indem man gemeinsame Sache mit den Wiener Linien bei der Verlegung von Solarpaneelen auf den Dächern von U-Bahn-Stationsgebäuden macht. Die Kläranlage, deren Abwärme künftig verwendet werden wird, ist selbst dank der Nutzung von Klärgas, Wasserkraft und Photovoltaik ein Öko-Kraftwerk. In die neue Anlage werden nun 70 Millionen Euro investiert.

Und wie funktioniert das nun? Wie kommt das Klärwasser in die Heizung deiner Wohnung? Ohne zu sehr ins technische Detail zu gehen, in etwa so: Fließt das Abwasser nach der Reinigung im Normalfall in den Donaukanal, wird es ab 2023 davor noch einen Umweg in die Großwärmepumpenanlage machen. Die dort stehenden Wärmepumpen kühlen das gesäuberte Wasser um rund sechs Grad Celsius runter. Jetzt wird es hochkomplex, nur so viel: Durch die geringere Temperatur wird schlussendlich Wärme mit mehr als 90 Grad Celsius erzeugt. In Form von heißem Wasser fließt die Wärme über das 1.300 Kilometer lange Fernwärmenetz ab 2027 in 112.000 Wiener Wohnungen. Frieren muss sobald also niemand mehr, ganz ohne Gas und klimaneutral.

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