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Parkplätze sollen Hochbeeten weichen, der Verkehr soll bis 2030 halbiert werden

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Von: Christian Kisler

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Montage: ein Hochbeet mit Pflanzen, Aktivist und Filmemacher Christoph Moser auf seinem mit einem Kräuterbeet befüllten Cabrio
Christoph Schwarz, auf seinem Cabriobeet stehend, wünscht sich, dass auf Parkplätzen künftig Hochbeete statt Autos stehen dürfen. © Hans Ringhofer/APA-PictureDesk/Florian Rainer/BuzzFeed Austria

Um das gleiche Geld, um das du dein Auto in Wien parken kannst, sollen Hochbeete aufgestellt werden. Das ist die Forderung eines Aktivisten, der nun eine Petition eingereicht hat.

Letzten Sommer sorgte ein ganz bestimmtes Auto für Aufregung. Mitten in Wien, im 9. Bezirk, stand ein gelbes Cabrio, das als Kräuterbeet diente. Soll heißen: Das Dach war offen, der Fahrgastraum war voller Erde, aus der wunderbare Pflanzen sprossen. Die Kräuterlein waren zur freien Entnahme, das Auto hatte ein Parkpickerl und war rechtens abgestellt. Aber natürlich sollte das Peugeot-Cabriolet nicht einfach zur Selbstversorgung im Grätzl beitragen, sondern auf ein Anliegen aufmerksam machen: Um die 10 Euro, die ein Parkpickerl kostet, soll der gleiche Platz Hochbeeten zur Verfügung gestellt werden, ohne die geringsten baulichen Veränderungen.

In Wien braucht eigentlich niemand ein Auto

Die Idee dazu hatte der Aktivist und Filmemacher Christoph Schwarz bereits im Vorjahr, war damit allerdings bei der zuständigen Magistratsabteilung, jener für Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten, abgeblitzt. Daher die Aktion mit dem Cabrio, das für ihn nicht geopfert sei, wie er damals auf seiner Website zu Protokoll gab: „Ich verstehe, dass man dem Charme eines Cabrios erliegen kann. Aber ich für meinen Teil finde die Idee des Kräuterbeets als sozialer Begegnungsort im öffentlichen Parkraum viel ansprechender als das fragwürdige Freiheitsversprechen des motorisierten Individualverkehrs. Vor allem in einer Stadt wie Wien, wo der öffentliche Verkehr im innerstädtischen Bereich sehr gut ausgebaut ist.“

Für ihn sieht das so aus: für zehn Euro im Monat können acht Quadratmeter öffentlichen Raums privatisiert werden, indem für Autobesitzer:innen daraus Parkplätze werden. Eine schiefe Optik, da dieses Privileg nur von einer bestimmten Bevölkerungsgruppe genutzt werden kann, jener mit motorisiertem fahrbaren Untersatz. Und das in einer Stadt wie Wien, in der Gehsteige ohnehin oft zu schmal sind. In einer Stadt wie Wien, wo zwar aufgrund erhöhter Spritpreise und Parkpickerl weniger Autos unterwegs sind, was zwar gut für das Klima gut ist, aber dafür sorgt, dass noch mehr Wagen im öffentlichen Raum stehen. Urban Gardening in Parklets und ähnlichem ist eine Möglichkeit dagegen zu wirken, die ist aber begrenzt und bürokratisch mit recht viel Aufwand verbunden.

Für Hochbeete auf Parkplätzen gibt es nun eine Petition

Nur logisch, dass Christoph Schwarz den nächsten Schritt gegangen ist und bei der Stadt Wien eine Petition eingereicht hat. „Als Beitrag im Kampf gegen die Klimakrise und im Sinne einer gerechten Aufteilung des öffentlichen Raumes soll das Aufstellen von Hochbeeten in den Parkspuren der Stadt ehebaldigst ermöglicht werden“, heißt es darin. „Eine Genehmigung dafür soll ähnlich unbürokratisch wie das Anmelden eines PKWs für ein Bezirksparkpickerl erfolgen, die Kosten ebenfalls 10 Euro im Monat betragen. Die Notwendigkeit einer baulichen Abtrennung zur Fahrbahn und zum Untergrund wie bei einem Parklet soll entfallen.“ Das klingt vernünftig und realistischer als mit Blumenerde befüllte Cabrios, unterschrieben werden kann ab sofort.

Letztlich soll so nicht nur öffentlicher Raum zurückgewonnen werden. Vielmehr soll damit dazu beigetragen werden, dass der Autoverkehr in der Stadt eingedämmt wird. Nicht umsonst heißt es in der Petition: „Die Förderung von Hochbeeten in Parkspuren ist ein einfacher, aber wirkungsvoller Beitrag im Kampf gegen die Klimakrise, macht unsere Grätzl grüner und freundlicher, belebt die Nachbarschaft und hilft mit, den Autoverkehr in Wien bis 2030 zu halbieren, wie im Klimafahrplan der Stadtregierung festgeschrieben.“ Damit es nicht mehr heißt: Wien, du bist ein Parkplatz.

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