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Wie geht‘s der Umwelt in Österreich? 8 Fragen und Antworten zum neuen Klimabericht

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Von: Johannes Pressler

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Gewessler spricht auf einer Pressekonferenz.
Der neue Umweltkontrollbericht ist da. Umweltministerin Gewessler hat noch „große Aufgaben“ vor sich. © Roland Schlager/APA-PictureDesk

Laut Umweltministerin Gewessler stehen „noch große Aufgaben vor uns“. Das zeigt auch der neue Kontrollbericht des österreichischen Umweltbundesamts.

Wie steht es derzeit um unsere Umwelt? Alle drei Jahre veröffentlicht das Umweltbundesamt seinen ausführlichen Kontrollbericht. Das Umweltbundesamt gilt als die bedeutendste Expert:innen-Institution für Umwelt in Österreich. Die neue Analyse, übrigens 244 Seiten lang, zeigt durchaus positive Entwicklungen, sieht bei manchen Umweltbereichen aber auch dringend Handlungsbedarf. Hier sind die acht wichtigsten Fragen und Antworten:

1. Wie gut ist die österreichische Umweltpolitik aufgestellt?

Beginnen wir gleich mit dem wichtigsten Punkt des Umweltbundesamts. Die Kernaussage des neuen Kontrollberichts ist nämlich klar. Manche Maßnahmen zum Klimaschutz würden durchaus Wirkung zeigen. Das betrifft etwa Regelungen in der Klimawandelanpassung, im Mobilitäts- und Energiebereich, aber auch bei der Abfallvermeidung. Dennoch betont das Umweltbundesamt, dass in vielen Punkten die Herausforderungen weiterhin groß bleiben würden.

2. Schaffen wir es, die Treibhausgas-Emissionen zu senken?

Tatsächlich gab es zuletzt einen Rückgang der Treibhausgas-Emissionen. Das liegt allerdings vor allem an der Corona-Pandemie und den Lockdowns - dadurch waren die Menschen in Österreich für eine gewisse Zeit einfach weniger unterwegs. Das war aber nur ein kurzfristiger Rückgang. Nun sind die Emissionen wieder gestiegen. Die Expert:innen des Umweltbundesamts sind sich einig: Um bis 2040 tatsächlich klimaneutral zu werden, brauche es Maßnahmen, die den Energieverbrauch senken und erneuerbare Energieträger ausbauen. Außerdem wichtig: Der Ausstieg aus fossiler Energie - in allen Sektoren.

3. Passt sich Österreich gut an die Klimakrise an?

Der Kampf gegen die Klimakrise ist die eine Sache. Klar ist aber auch: Das Klima an sich wird sich weiterhin verändern. Dazu braucht es die richtigen Maßnahmen zur Anpassung. Für das Umweltbundesamt müsse hier vor allem schnell gehandelt werden: „Da der Klimawandel in Österreich rascher vor sich geht als im globalen Mittel und jetzt schon große finanzielle Schäden verursacht, müssen auch Maßnahmen zur Klimawandelanpassung ausgeweitet werden, um die Folgen des Klimawandels zu mildern.“

4. Wie steht es um die Luftqualität in Österreich?

Das Umweltbundesamt hat auch Positives zu berichten. Die allgemeine Luftqualität in Österreich habe sich im Zeitraum von 2005 bis 2020 nämlich gebessert. Stickoxid-Emissionen sind seitdem um die Hälfte weniger, Emissionen von Schwefeldioxid haben sogar um 59 Prozent abgenommen.

Umweltministerin Gewessler und Wirtschaftsminister Kocher stehen vor einem Plakat für die neue Energiesparkampagne.
Umweltministerin Gewessler und Wirtschaftsminister Kocher bei der Präsentation der neuen Energiesparkampagne. © Roland Schlager/APA-PictureDesk

5. Welchen Einfluss hat der Verkehr auf unsere Umwelt?

Der Verkehr ist weiterhin ein wesentlicher Sektor, der zum Ausstoß der Treibhausgas-Emissionen beisteuert. Insgesamt 45 Prozent beträgt hierbei der Anteil des Verkehrs. Das Umweltbundesamt hat dabei auch einen Blick auf die Liste aller Pkws gemacht, die 2021 neu zugelassen wurden. 13,9 Prozent davon hatten einen emissionsfreien Antrieb.

6. Erreichen wir bei den erneuerbaren Energien unser Ziel?

Geht so. Tatsächlich steigt der Anteil erneuerbarer Energieträger. Beim Strom würden sie bereits 75 Prozent des gesamten Verbrauchs abdecken. Eine Steigerung gibt es auch bei Ökostrom und Fotovoltaik. 2005 machten sie noch 3,3 Prozent aus - mittlerweile sind wir hier bei 11,3 Prozent. Das Umweltbundesamt setzt aber gleichzeitig eine deutliche Warnung: Trotz des Rückgangs aufgrund der Corona-Pandemie liege der Energieverbrauch weiterhin mit Abstand über den eigentlich gesteckten Zielen.

7. Was ist mit den Bodenressourcen und der Artenvielfalt?

Die gute Nachricht: Bei den Böden in Österreich habe sich die tägliche Flächeninanspruchnahme in den letzten Jahren stabilisiert. Die schlechte Nachricht: Derzeit liege diese laut Umweltbundesamt bei 11,5 Hektar pro Tag. Von dem Ziel der österreichischen Bundesregierung (2,5 Hektar) sei man aber noch weit entfernt. Noch düsterer steht es um die Artenvielfalt in Österreich. 72 Prozent der Tier- und Pflanzenarten und sogar 80 Prozent der Lebensraumtypen würden laut Umweltbundesamt „keinen günstigen Erhaltungszustand“ aufweisen. Daran schuld sei vor allem die Verbauung und Zersiedelung der Lebensräume.

8. Was sagt Umweltministerin Gewessler dazu?

Für Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) sei klar, dass es noch einiges zu tun gäbe: „Der Umweltkontrollbericht zeigt, dass noch große Aufgaben vor uns liegen. Wir müssen die CO2-Emissionen sowie unseren Energieverbrauch in den nächsten Jahren deutlich reduzieren, die Artenvielfalt wirkungsvoller schützen und den rasanten Bodenverbrauch in den Griff bekommen. Nur so stellen wir sicher, dass auch künftige Generationen ein gutes Leben haben.“ Das Gute sei laut der Umweltministerin dabei, dass es die Lösungen „für eine fossilfreie, umweltfreundliche und ressourcenschonende Zukunft in Österreich“ gäbe. Jetzt müssten sie nur umgesetzt werden.

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